Ver­mu­tung der Bekannt­ga­be eines Ver­wal­tungs­akts – die Drei­ta­ges­frist und das Wochen­en­de

In der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist für den Bereich des Steu­er­rechts seit dem Urteil in BFHE 203, 26, BSt­Bl II 2003, 898 aner­kannt, dass die Drei­ta­ges­frist nach § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO in den Fäl­len des § 108 Abs. 3 AO ver­län­gert wird 1.

Ver­mu­tung der Bekannt­ga­be eines Ver­wal­tungs­akts – die Drei­ta­ges­frist und das Wochen­en­de

Klä­rungs­be­darf ist auch nicht dadurch ent­stan­den, dass das Bun­des­so­zi­al­ge­richts in dem Urteil in NJW 2011, 1099 für den Bereich des Sozi­al­rechts zu § 37 Abs. 2 Satz 1 und zu § 26 Abs. 3 Satz 1 SGB X ent­schie­den hat, dass sich an der Zugangs­ver­mu­tung nichts ändert, wenn der Tag, für den der Zugang eines Bescheids unter­stellt wird, ein Sams­tag, Sonn­tag oder gesetz­li­cher Fei­er­tag ist. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt war der Ansicht, es wei­che nicht von der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ab, da der Bun­des­fi­nanz­hof auf die von der finanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Anfor­de­run­gen an die Erschüt­te­rung der Zugangs­ver­mu­tung abge­stellt habe sowie auf die beson­de­re Situa­ti­on im Steu­er­recht mit der dort übli­chen Ver­tre­tung durch Bevoll­mäch­tig­te steu­er­be­ra­ten­der Beru­fe, die ihre Post­fä­cher an Sams­ta­gen gene­rell nicht leer­ten. Wegen der bewuss­ten Abgren­zung des Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat der Bun­des­fi­nanz­hof kei­nen Anlass, sei­ne Rechts­auf­fas­sung zu über­den­ken. Auf­grund der gene­rel­len Anwend­bar­keit des § 108 Abs. 3 AO in den Fäl­len, in denen der Bekannt­ga­be­zeit­punkt nach § 122 Abs. 2 Nr. 1 AO ver­mu­tet wird, kann es im Ein­zel­fall auch kei­nen Unter­schied machen, ob ein Steu­er­pflich­ti­ger durch einen Bevoll­mäch­tig­ten ver­tre­ten wird oder nicht.

Auch hin­sicht­lich der Rechts­fra­ge, ob sich die Recht­spre­chung des BFH zur Ver­län­ge­rung der Drei­ta­ges­frist in den Fäl­len des § 108 Abs. 3 AO zu Las­ten von Steu­er­pflich­ti­gen aus­wir­ken kann, besteht kein Klä­rungs­be­darf. Ist die Vor­schrift anwend­bar, so folgt dar­aus zwangs­läu­fig, dass sie auch dann gilt, wenn sie sich für einen Steu­er­pflich­ti­gen nach­tei­lig aus­wirkt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Mai 2014 – III B 85/​13

  1. s. BFH, Urtei­le vom 04.11.2003 – IX R 4/​01, BFH/​NV 2004, 159; vom 17.12 2003 – I R 4/​03, BFH/​NV 2004, 758; vom 06.10.2004 – IX R 60/​03, BFH/​NV 2005, 327; vom 11.03.2004 – VII R 13/​03, BFH/​NV 2004, 1065; und vom 19.11.2009 – IV R 89/​06, BFH/​NV 2010, 818; BFH, Beschlüs­se vom 30.11.2006 – XI B 13/​06, BFH/​NV 2007, 389; vom 05.08.2011 – III B 76/​11, BFH/​NV 2011, 1845[]