Ver­spä­tungs­zu­schlag bei Steu­er­erstat­tung

Nach § 152 AO kann das Finanz­amt gegen den­je­ni­gen, der sei­ner Ver­pflich­tung zur Abga­be einer Steu­er­erklä­rung nicht oder nicht frist­ge­recht nach­kommt, einen Ver­spä­tungs­zu­schlag fest­set­zen, wenn das Ver­säum­nis nicht ent­schuld­bar erscheint.

Ver­spä­tungs­zu­schlag bei Steu­er­erstat­tung

Die Höhe des Ver­spä­tungs­zu­schla­ges darf 10% der fest­ge­setz­ten Steu­er und den Betrag von 25.000 € nicht über­schrei­ten.

Der Sinn und Zweck des Ver­spä­tungs­zu­schla­ges besteht als Druck­mit­tel eige­ner Art in einem zugleich repres­si­ven und prä­ven­ti­ven (erzie­he­ri­schen) Cha­rak­ter 1. Es soll die Stö­rung der Ver­an­la­gungs­ar­beit durch den ver­zö­ger­ten oder unter­blie­be­nen Ein­gang der Steu­er­erklä­rung sank­tio­niert wer­den und der Steu­er­pflich­ti­ge für die Zukunft zur pünkt­li­chen Abga­be der Steu­er­erklä­rung ange­hal­ten wer­den.

Die­sem Zweck ent­spre­chend sind bei der Bemes­sung der Höhe des Ver­spä­tungs­zu­schla­ges neben sei­nem Zweck, den Steu­er­pflich­ti­gen zur recht­zei­ti­gen Erklä­rungs­ab­ga­be zu ver­an­las­sen, die Dau­er der Frist­über­schrei­tung, die Höhe des sich aus der Steu­er­fest­set­zung erge­ben­den Zah­lungs­an­spruchs, die aus der ver­spä­te­ten Abga­be gezo­ge­nen Vor­tei­le sowie das Ver­schul­den und die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit zu berück­sich­ti­gen. Bei der Gewich­tung die­ser Kri­te­ri­en han­delt es sich um eine Ermes­sens­ent­schei­dung des Finanz­am­tes, die gemäß § 102 FGO gericht­lich ledig­lich auf Ermes­sens­feh­ler zu über­prü­fen ist 2.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist neben der Anzahl und Dau­er der Ver­spä­tung der Höhe der Abschluss­zah­lung ein erheb­li­ches Gewicht bei­zu­mes­sen. Nach den BFH-Urtei­len vom 15.03.2007 3 und vom 08.12 1988 4 stellt die Höhe der Abschluss­zah­lung die Richt­schnur für die Bemes­sung der Höhe des Zuschla­ges dar.

Zwar kann ein Ver­spä­tungs­zu­schlag aus erzie­he­ri­schen Grün­den auch dann fest­ge­setzt wer­den, wenn die geschul­de­te Steu­er ‑wie im Streit­fall- auf­grund der Vor­anmel­dun­gen fast oder ins­ge­samt bereits gezahlt wor­den war (hier: 200, 46 € Nach­zah­lung von im Ver­hält­nis zur Steu­er von 156.196 €). In die­sen Fäl­len ist unter den Gesichts­punk­ten der Vor­teils­zie­hung und des Ver­schul­dens nach­voll­zieh­bar abzu­wä­gen, wel­ches Gewicht der ver­spä­te­ten Abga­be der Steu­er­erklä­rung noch zukommt, nach­dem die geschul­de­te Steu­er fast voll­stän­dig ent­rich­tet wor­den ist.

Zuschlä­ge, die den Cha­rak­ter steu­er­li­cher Sank­tio­nen haben, dür­fen nicht außer Ver­hält­nis zur Schwe­re des Ver­sto­ßes des Steu­er­pflich­ti­gen gegen sei­ne Pflich­ten ste­hen 5. Dem­ge­mäß kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ein die Abschluss­zah­lung über­stei­gen­der Ver­spä­tungs­zu­schlag nur bei beson­de­rer Schwe­re der Umstän­de des Ein­zel­falls fest­ge­setzt wer­den 6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. August 2015 – V R 2/​15

  1. BFH, Urteil vom 18.11.1986 – VIII R 183/​84, BFH/​NV 1987, 416, Rz 16[]
  2. BFH, Urteil vom 29.03.2007 – IX R 9/​05, BFH/​NV 2007, 1617[]
  3. BFH, Urteil vom 15.03.2007 – VI R 29/​05, BFH/​NV 2007, 1076[]
  4. BFH, Urteil vom 08.12.1988 – V R 169/​83, BFHE 155, 46, BSt­Bl II 1989, 231[]
  5. EuGH, Urteil "Salo­mie und Olte­an" vom 09.07.2015 – C‑183/​14, EU:C:2015:454, Rz 51[]
  6. BFH, Beschluss vom 14.04.2011 – V B 100/​10, BFH/​NV 2011, 1288[]