Ver­spä­tungs­zu­schlag nur gleich­zei­tig mit der Steu­er­fest­set­zung

§ 152 Abs. 3 AO erlaubt der Finanz­be­hör­de nur in begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len, von einer Fest­set­zung des Ver­spä­tungs­zu­schlags mit der Steu­er abzu­se­hen und den Ver­spä­tungs­zu­schlag spä­ter geson­dert fest­zu­set­zen.

Ver­spä­tungs­zu­schlag nur gleich­zei­tig mit der Steu­er­fest­set­zung

Nach § 152 Abs. 3 AO ist der Ver­spä­tungs­zu­schlag regel­mä­ßig mit der Steu­er fest­zu­set­zen, was der Fall ist, wenn der Ver­spä­tungs­zu­schlag in sach­li­chem und zeit­li­chem Zusam­men­hang mit dem Steu­er­be­scheid fest­ge­setzt wird 1. Auch wenn die Ver­let­zung die­ser Vor­schrift nicht ohne Wei­te­res zur Rechts­wid­rig­keit der Fest­set­zung des Ver­spä­tungs­zu­schlags führt, mar­kiert sie ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis: Nur in Aus­nah­me­fäl­len soll von der gleich­zei­ti­gen Fest­set­zung abge­wi­chen wer­den kön­nen. Es han­delt sich um eine Soll­vor­schrift, die den Ermes­sens­spiel­raum auf eine Regel­an­wen­dung der Norm ein­engt 2. Ihr Zweck liegt dar­in, den Steu­er­pflich­ti­gen mög­lichst nicht nach­träg­lich durch einen Ver­spä­tungs­zu­schlag zu über­ra­schen. Des­halb braucht die Finanz­be­hör­de beson­de­re Grün­de, wenn sie von einer Ver­bin­dung der bei­den Beschei­de abse­hen will 3.

Wenn es der Bun­des­fi­nanz­hof in einem frü­he­ren Urteil in Aus­fül­lung und Kon­kre­ti­sie­rung die­ses Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis­ses für unschäd­lich hält, die Fest­set­zung des Ver­spä­tungs­zu­schlags bin­nen Jah­res­frist nach­zu­ho­len 4, so hat die Fra­ge, ob die Fest­set­zung eines Ver­spä­tungs­zu­schlags ohne Wei­te­res nach­ge­holt wer­den kann, nicht allein eine zeit­li­che Dimen­si­on. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob Grün­de vor­lie­gen, eine vom Regel­fall des § 152 Abs. 3 AO abwei­chen­de Fest­set­zung zu recht­fer­ti­gen. Selbst wenn man den vom Zeit­rah­men von einem Jahr in die­sen Zusam­men­hang stellt und ein Nach­ho­len der Ver­spä­tungs­zu­schlags-Fest­set­zung inner­halb die­ses Zeit­raums ohne Wei­te­res –und damit ohne den Aus­nah­me­fall beson­ders zu begrün­den– für mög­lich hiel­te, bedürf­te es beson­de­rer Grün­de für den Aus­nah­me­fall, wenn der Zeit­rah­men von einem Jahr über­schrit­ten ist. Grün­de dafür, den Ver­spä­tungs­zu­schlag nicht mit der Steu­er fest­zu­set­zen, kön­nen z.B. gege­ben sein, wenn zum Zeit­punkt der Steu­er­fest­set­zung noch ermit­telt wer­den muss, ob die Vor­aus­set­zun­gen des § 152 Abs. 1 und des Abs. 2 AO vor­lie­gen, oder wel­che Umstän­de und Tat­sa­chen in die Ermes­sens­ent­schei­dung ein­zu­be­zie­hen sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. April 2010 – IX R 43/​09

  1. BFH, Urteil vom 11.06.1997 – X R 14/​95, BFHE 183, 21, BSt­Bl II 1997, 642[]
  2. all­ge­mein zu Soll­vor­schrif­ten: Werns­mann in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler –HHSp – , § 5 AO Rz 56, m.w.N.[]
  3. Heu­er­mann in HHSp, § 152 AO Rz 35[]
  4. BFH, Urteil vom 10.10.2001 – XI R 41/​00, BFHE 196, 408, BSt­Bl II 2002, 124; so auch die h.M. im Schrift­tum, vgl. Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 152 AO Rz 62; Klein/​Rätke, AO, 10. Aufl., § 152 Rz 13; Kuh­fus in Kühn/v.Wedelstädt, 19. Aufl., AO, § 152 Rz 27[]

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