Ver­stoß gegen den kla­ren Inhalt der Akten

Ein Finanz­ge­richt ent­schei­det unter Ver­stoß gegen den kla­ren Inhalt der Akten, wenn es sei­ne Ent­schei­dung zwar maß­geb­lich auf in den Akten befind­li­che Unter­la­gen stützt, die­se Unter­la­gen die durch das Finanz­ge­richt gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen aber nicht stüt­zen [1].

Ver­stoß gegen den kla­ren Inhalt der Akten

Nach § 96 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 1 FGO ent­schei­det das Gericht nach sei­ner frei­en, aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­nen Über­zeu­gung. Das Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens umfasst den gesam­ten durch das Kla­ge­be­geh­ren begrenz­ten und durch die Sach­auf­klä­rung des Gerichts und die Mit­ver­ant­wor­tung der Betei­lig­ten kon­kre­ti­sier­ten Pro­zess­stoff.

Ins­be­son­de­re ver­pflich­tet § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO das Gericht, den Inhalt der ihm vor­lie­gen­den Akten voll­stän­dig und ein­wand­frei zu berück­sich­ti­gen [2]. Das Finanz­ge­richt ent­schei­det unter Ver­stoß gegen den kla­ren Inhalt der Akten, wenn es sei­ne Ent­schei­dung maß­geb­lich auf in den Akten befind­li­che Unter­la­gen stützt, die­se Unter­la­gen die durch das Finanz­ge­richt gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen aber nicht stüt­zen [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Juni 2020 – VIII B 38/​19

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 17.07.2019 – II B 30, 32–34, 38/​18, BFHE 265, 5, BStBl II 2019, 620[]
  2. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 09.07.2012 – III B 66/​11, BFH/​NV 2012, 1631, Rz 18, m.w.N.; vom 16.07.2019 – X B 114/​18, BFH/​NV 2019, 1127, Rz 21[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 17.07.2019 – II B 30, 32–34, 38/​18, BFHE 265, 5, BStBl II 2019, 620, Leit­satz 1. und Rz 12[]