Ver­ta­gung bei Nicht­er­schei­nen eines im Aus­land leben­den Zeugen

Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, dass ein im Aus­land ansäs­si­ger Zeu­ge vom Finanz­ge­richt nicht zu laden, son­dern vom Betei­lig­ten, der die Ver­neh­mung die­ses Zeu­gen bean­tragt, gemäß § 76 Abs. 1 Satz 4 FGO i.V.m. § 90 Abs. 2 der Abga­ben­ord­nung zu stel­len ist [1].

Ver­ta­gung bei Nicht­er­schei­nen eines im Aus­land leben­den Zeugen

Inso­weit darf das Finanz­ge­richt für den Fall, dass der Zeu­ge von dem rechts­kun­dig ver­tre­te­nen Betei­lig­ten nicht gestellt wur­de, grund­sätz­lich ohne Berück­sich­ti­gung die­ses Beweis­mit­tels den ihm vor­lie­gen­den Sach­ver­halt nach frei­er Über­zeu­gung (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) wür­di­gen [2].

Auch braucht das Finanz­ge­richt einem Antrag auf Ver­ta­gung nach § 155 FGO i.V.m. § 227 der Zivil­pro­zess­ord­nung wegen Ver­hin­de­rung eines im Aus­land leben­den Zeu­gen jeden­falls dann nicht nach­ge­hen, wenn des­sen Ver­hin­de­rung nicht nach­prüf­bar ent­schul­digt ist und außer­dem der Beweis­füh­rer kei­ne Anga­ben dazu macht, wann damit zu rech­nen ist, dass die­ser für eine Aus­sa­ge zur Ver­fü­gung steht [3].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sah der Bun­des­fi­nanz­hof im vor­lie­gen­den Streit­fall aller­dings als nicht erfüllt an:

Das Finanz­ge­richt hat zwar zu Recht ange­nom­men, dass die Ver­hin­de­rung des Zeu­gen C nicht nach­prüf­bar ent­schul­digt war. Es hat inso­weit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die vor­lie­gen­de schrift­li­che Ein­las­sung des Zeu­gen C, wonach er wegen unum­gäng­li­cher beruf­li­cher Pflich­ten nicht zum Ver­hand­lungs­ter­min erschei­nen kön­ne, nicht nach­prüf­bar ist und fer­ner als unsub­stan­ti­iert und flos­kel­haft erscheint. Die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt, dass eine der­ar­ti­ge Ent­schul­di­gung nicht aus­reicht, steht im Ein­klang mit den hier­zu auf­ge­stell­ten Rechts­grund­sät­zen des BFH [4].

Das Finanz­ge­richt ist aber unzu­tref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass die Mit­tei­lung des Klä­gers, der Zeu­ge C wer­de nach eige­ner Aus­kunft in den Mona­ten Novem­ber und/​oder Dezem­ber 2013 an einer Beweis­auf­nah­me teil­neh­men kön­nen, nicht als hin­rei­chend sub­stan­ti­ier­te Anga­be gel­ten kann, die eine neu­er­li­che Ter­mi­nie­rung gestattete.

Das Finanz­ge­richt hat aus­ge­führt, der Klä­ger habe kei­ne Anga­ben dazu gemacht, wann kon­kret damit zu rech­nen sei, dass der Zeu­ge für eine Ver­neh­mung zur Ver­fü­gung steht. Der Hin­weis auf die „Mona­te Novem­ber und/​oder Dezem­ber“ sei zu unbe­stimmt und erlau­be es dem Bun­des­fi­nanz­hof nicht, einen neu­en Ter­min so anzu­be­rau­men, dass mit dem Erschei­nen des Zeu­gen zu rech­nen sei.

Dies ist unzutreffend.

Im Übri­gen wäre es dem Finanz­ge­richt ohne Wei­te­res mög­lich gewe­sen, die Sache zu ver­ta­gen und erneut eine münd­li­che Ver­hand­lung (nur wenig spä­ter) im Novem­ber oder Dezem­ber 2013 anzu­be­rau­men. Greif­ba­re Anhalts­punk­te dafür, dass der Zeu­ge ent­ge­gen des­sen Ankün­di­gung dann nicht erschei­nen wer­de, hat­te das Finanz­ge­richt nicht.

In die­sem Zusam­men­hang war auch zu berück­sich­ti­gen, dass es sich um einen erst­ma­li­gen Ver­ta­gungs­an­trag han­del­te, und kein Anhalts­punkt für eine Pro­zess­ver­schlep­pungs­ab­sicht erkenn­bar war [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. April 2014 – XI B 138/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 11.11.2004 – V B 82/​04, BFH/​NV 2005, 568; vom 21.08.2006 – X B 154/​05, BFH/​NV 2006, 2285, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2005, 568; vom 23.09.2010 – XI B 97/​09, BFH/​NV 2011, 269; vom 30.05.2011 – XI B 90/​10, BFH/​NV 2011, 1479[]
  3. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 05.02.2004 – V B 205/​02, BFH/​NV 2004, 964; und vom 08.08.2006 – X B 161/​04, BFH/​NV 2006, 2119, unter 4.[]
  4. vgl. z.B. Beschlüs­se in BFH/​NV 2006, 2119, unter 4.; vom 28.08.2008 – VI B 59/​08, BFH/​NV 2009, 34, unter II. 2.a[]
  5. vgl. dazu z.B. Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 91 Rz 5[]