Verzicht auf die münd­li­che Verhandlung – und der Wechsel des Spruchkörpers

Eine zum Widerruf der Erklärung, auf münd­li­che Verhandlung zu ver­zich­ten, berech­ti­gen­de wesent­li­che Änderung der Prozesslage liegt nicht vor, wenn der zur Entscheidung beru­fe­ne Spruchkörper wech­selt.

Verzicht auf die münd­li­che Verhandlung – und der Wechsel des Spruchkörpers

Der Verzicht kann auf­grund sei­ner pro­zess­ge­stal­ten­den Wirkung im Interesse einer ein­deu­ti­gen und kla­ren pro­zess­recht­li­chen Lage grund­sätz­lich weder wider­ru­fen noch wegen Irrtums ange­foch­ten wer­den 1. Dies gilt auch dann, wenn sich der ande­re Beteiligte im Zeitpunkt des Widerrufs dazu noch nicht erklärt hat 2. Einen Verbrauch des Verzichts durch Zeitablauf gibt es eben­falls nicht 3.

Zwar haben die Beteiligten das Recht, ihre Verzichtserklärung zu wider­ru­fen, wenn sich die Prozesslage wesent­lich ändert 4. Der im hier ent­schie­de­nen Streitfall mit Wirkung vom 01.01.2018 ein­ge­tre­te­ne Wechsel des zur Entscheidung beru­fe­nen Spruchkörpers führt aber nach Ansicht des Bundesfinanzhofs nicht zu einer wesent­li­chen Änderung der Prozesslage 5.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 13. Februar 2019 – XI R 41/​17

  1. BFH, Urteil vom 08.04.2014 – I R 51/​12, BFHE 246, 7, BStBl II 2014, 982, Rz 28, m.w.N.
  2. vgl. BFH, Urteil vom 08.06.1994 – IV R 9/​94, BFH/​NV 1995, 129, unter a, Rz 13; Wendl in Gosch, FGO § 90 Rz 32
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 04.06.2014 – 5 B 11/​14, NVwZ-RR 2014, 740, Rz 12; Brandis in Tipke/​Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 90 FGO Rz 12
  4. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 22.10.2003 – I B 39/​03, BFH/​NV 2004, 350, unter II., Rz 6; Schallmoser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 90 FGO Rz 57 ff.
  5. vgl. BFH, Urteil vom 30.08.1994 – V R 19/​94, BFH/​NV 1995, 684, unter II. 2.a, Rz 8; BFH, Beschluss vom 03.12 1996 – VIII S 3/​96, BFH/​NV 1997, 292, unter b aa, Rz 5; s.a. BFH, Urteil vom 11.11.2008 – IX R 14/​07, BFHE 223, 308, BStBl II 2009, 309, unter II., Rz 15