Ver­zicht auf münd­li­che Ver­hand­lung vor dem Finanz­ge­richt – und der Ver­brauch der Ver­zichts­er­klä­rung

Das Finanz­ge­richt ver­sagt der Klä­ge­rin recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG, § 96 Abs. 2 FGO), indem es nach Erge­hen einer Auf­klä­rungs­an­ord­nung (vgl. § 79 FGO) den Rechts­streit ohne münd­li­che Ver­hand­lung ent­schie­den hat, obwohl es nicht mehr von einem wirk­sa­men Ver­zicht der Klä­ge­rin auf münd­li­che Ver­hand­lung (§ 90 Abs. 2 FGO) aus­ge­hen durf­te.

Ver­zicht auf münd­li­che Ver­hand­lung vor dem Finanz­ge­richt – und der Ver­brauch der Ver­zichts­er­klä­rung

Der erklär­te Ver­zicht hat sich durch den nach­fol­gen­den Auf­la­gen­be­schluss des Finanz­ge­richt (§ 79 FGO) ver­braucht 1.

Die­se ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Ver­zichts­er­klä­rung und die Beschrän­kung ihrer Wir­kung bis zur nächs­ten eine Sach­ent­schei­dung vor­be­rei­ten­den Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt ‑wie hier dem Auf­la­gen­be­schluss, mit dem der Klä­ge­rin die Vor­la­ge einer Urkun­de im Ori­gi­nal auf­ge­ge­ben und den Betei­lig­ten recht­li­che Hin­wei­se erteilt wor­den waren- ist auf­grund der beson­de­ren Inter­es­sen­la­ge der Betei­lig­ten gebo­ten 2. Denn der Ver­zicht hat für die Betei­lig­ten weit­rei­chen­de Fol­gen, weil er als Pro­zess­hand­lung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht frei wider­ruf­bar ist, son­dern nur dann, wenn sich die Pro­zess­la­ge nach Abga­be der Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung wesent­lich geän­dert hat (z.B. BFH, Beschlüs­se vom 22.10.2003 – I B 39/​03, BFH/​NV 2004, 350; und vom 17.10.2011 – IX B 108/​11, BFH/​NV 2012, 245, m.w.N.).

Da die Ver­zichts­er­klä­rung nach den vor­ste­hen­den Maß­ga­ben wir­kungs­los gewor­den ist, war die Klä­ge­rin nicht nach den Vor­schrif­ten des Geset­zes ver­tre­ten (§ 119 Nr. 4 FGO) ((vgl. BFH, Beschlüs­se vom 12.01.2007 – II B 41/​06, BFH/​NV 2007, 755; und vom 08.02.2008 – XI B 190/​07 m.w.N.).

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Febru­ar 2014 – XI B 7/​13

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 05.03.1986 – I R 28/​81, BFH/​NV 1987, 651; und vom 31.08.2010 – VIII R 36/​08, BFHE 231, 1, BSt­Bl II 2011, 126; BFH, Beschluss vom 10.03.2011 – VI B 147/​10, BFHE 232, 322, BSt­Bl II 2011, 556; BVerwG, Beschluss vom 01.03.2006 – 7 B 90/​05; Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 90 FGO Rz 58[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 09.08.1996 – VI R 37/​96, BFHE 181, 115, BSt­Bl II 1997, 77, und in BFHE 231, 1, BSt­Bl II 2011, 126[]