Wenn das beA streikt – oder: bei Umlaut Wie­der­ein­set­zung

Wird ein aus dem beson­de­ren elek­tro­ni­schen Anwalts­post­fach (beA) ver­sand­ter frist­wah­ren­der Schrift­satz vom Inter­me­di­är-Ser­ver nicht an den Bun­des­fi­nanz­hof wei­ter­ge­lei­tet, weil die Datei­be­zeich­nung unzu­läs­si­ge Zei­chen ent­hält, kommt Wie­der­ein­set­zung von Amts wegen in Betracht, wenn der Absen­der nicht ein­deu­tig dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den ist, dass ent­spre­chen­de Zei­chen nicht ver­wen­det wer­den dür­fen und wenn er nach dem Ver­sen­den an Stel­le einer Feh­ler­mel­dung eine Mit­tei­lung über die erfolg­rei­che Ver­sen­dung des Schrift­sat­zes erhal­ten hat.

Wenn das beA streikt – oder: bei Umlaut Wie­der­ein­set­zung

So hat der Klä­ger in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall zwar die Begrün­dungs­frist (§ 116 Abs. 3 Satz 1 FGO) ver­säumt, weil die elek­tro­nisch über­mit­tel­te Datei mit der Begrün­dung nicht frist­ge­recht beim Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­gan­gen ist. Dem Klä­ger wur­de jedoch vom Bun­des­fi­nanz­hof von Amts wegen Wie­der­ein­set­zung gewährt (§ 56 Abs. 2 Satz 4 FGO), nach­dem der Klä­ger die ver­säum­te Hand­lung inner­halb der dafür gel­ten­den Frist nach­ge­holt hat: Die Frist­ver­säu­mung war unver­schul­det. Die für die Beur­tei­lung des Ver­schul­dens maß­geb­li­chen Tat­sa­chen sind gerichts­be­kannt.

Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers ver­sand­te den Begrün­dungs­schrift­satz recht­zei­tig aus sei­nem beson­de­ren elek­tro­ni­schen Anwalts­post­fach (beA) und nutz­te dafür die von der Bun­des­rechts­an­walts­kam­mer zur Ver­fü­gung gestell­te Web­an­wen­dung. Zur Bezeich­nung der ver­sand­ten Datei ver­wen­de­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te offen­bar (ohne dies zu wis­sen) tech­nisch nicht zuläs­si­ge Zei­chen (Umlau­te und Son­der­zei­chen). Die Nach­richt wur­de des­halb vom zen­tra­len Inter­me­di­är-Ser­ver des Elek­tro­ni­schen Gerichts- und Ver­wal­tungs­post­fachs nicht dem Bun­des­fi­nanz­hof zuge­stellt, son­dern in ein Ver­zeich­nis für „kor­rup­te” Nach­rich­ten ver­scho­ben. Auf die­sen Ser­ver hat der Bun­des­fi­nanz­hof kei­nen Zugriff; der Bun­des­fi­nanz­hof ist von dem Vor­gang auch nicht benach­rich­tigt wor­den, so dass ein Hin­weis nach § 52a Abs. 6 FGO nicht erteilt wer­den konn­te. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers erhielt die Mit­tei­lung, sei­ne Nach­richt sei erfolg­reich ver­sandt und zuge­gan­gen. Auch er konn­te nicht erken­nen, dass die Nach­richt ange­hal­ten und dem Bun­des­fi­nanz­hof nicht zuge­gan­gen war. In Hin­wei­sen der ört­li­chen Anwalts­kam­mern wird zwar dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Umlau­te und Son­der­zei­chen in Datei­be­zeich­nun­gen zu ver­mei­den sei­en. Es wird aber nicht erläu­tert, wel­che Fol­gen die Ver­wen­dung haben kann.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Juni 2019 – IX B 121/​18