Wenn das Finanz­amt nach 41 Jah­ren sei­ne Rechts­auf­fas­sung ändert…

Aus § 204 AO ergibt sich, dass das Finanz­amt im Anschluss an eine Außen­prü­fung eine ver­bind­li­che Aus­kunft ertei­len soll über die zukünf­ti­ge Behand­lung eines für die Ver­gan­gen­heit geprüf­ten und im Prü­fungs­be­richt dar­ge­stell­ten Sach­ver­hal­tes. Die­se Zusa­ge ist dann gemäß § 206 AO für den im Antrag des Steu­er­pflich­ti­gen genann­ten Zeit­raums ver­bind­lich.

Wenn das Finanz­amt nach 41 Jah­ren sei­ne Rechts­auf­fas­sung ändert…

Hat der Steu­er­pflich­ti­ge eine der­ar­ti­ge ver­bind­li­che Zusa­ge nach § 206 oder nach § 89 Abs. 2 AO oder der vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­wal­tungs­re­ge­lung jedoch nicht bean­tragt, hat das Finanz­amt grund­sätz­lich das Recht und die Pflicht, auf­grund des Grund­sat­zes der Gesetz­mä­ßig­keit und Gleich­mä­ßig­keit der Besteue­rung, aus dem der Grund­satz der Abschnitts­be­steue­rung folgt, eine als unzu­tref­fend erkann­te Rechts­auf­fas­sung frü­hest­mög­lich zu ändern 1.

Dar­über hin­aus ist geklärt, dass ein Ver­bot der Rück­kehr des Finanz­amt zur als rich­tig erkann­ten Besteue­rung nach den Grund­sät­zen von Treu und Glau­ben oder der Ver­wir­kung nur dann aus­nahms­wei­se ange­nom­men wer­den kann, wenn ein­deu­tig erkenn­bar ist, dass das Finanz­amt mit einer bestimm­ten Sach­be­hand­lung auch eine Fest­le­gung für die Zukunft tref­fen woll­te 2.

Ohne eine sol­che ver­bind­li­che Zusa­ge nach § 204 AO oder ihr gleich­kom­men­de zukunfts­ge­rich­te­te Erklä­rung des Finanz­amt ist das Ver­trau­en auf Fort­set­zung einer für den Steu­er­pflich­ti­gen güns­ti­gen Behand­lung auf unab­seh­ba­re Zeit nicht geschützt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 1. April 2015 – V B 63/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 25.05.1977 – I R 93/​75, BFHE 122, 296, BSt­Bl II 1977, 660; vom 13.02.2008 – I R 63/​06, BFHE 220, 415, BSt­Bl II 2009, 414[]
  2. BFH, Urtei­le vom 05.11.2009 – IV R 13/​07, BFH/​NV 2010, 652, Rz 26; vom 13.02.2008 – I R 63/​06, BFHE 220, 415, BSt­Bl II 2009, 414, Rz 34 – 36; vom 25.05.1977 – I R 93/​75, BFHE 122, 296, BSt­Bl II 1977, 660[]