Wer­be­an­zei­ge eines Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eins

Ein Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein, der in einer Wer­be­an­zei­ge allein auf sein Bestehen hin­weist, muss nicht zugleich erklä­ren, dass eine Bera­tung nur im Rah­men einer Mit­glied­schaft bei ihm mög­lich und er auch ledig­lich in ein­ge­schränk­tem Umfang zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen befugt ist.

Wer­be­an­zei­ge eines Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eins

Die gegen­tei­li­ge Ansicht kann sich auch nicht mehr auf die "Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein IV"Entscheidung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 beru­fen. Dort hat­te der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­spro­chen, Leser des Inse­rats eines Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eins könn­ten ohne den Hin­weis, dass die Hil­fe­leis­tung an die Mit­glied­schaft in dem Ver­ein geknüpft sei, der Ansicht sein, die Inan­spruch­nah­me eines sol­chen Ver­eins sei für jeden Lohn­steu­er­zah­ler mög­lich 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in jener Ent­schei­dung, so der Bun­des­ge­richts­hof heu­te, ledig­lich die ent­spre­chen­den tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz gebil­ligt. Außer­dem lie­ge der "Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein IV"-Entscheidung noch das tra­di­tio­nel­le Ver­brau­cher­leit­bild zugrun­de, das der Bun­des­ge­richts­hof seit län­ge­rem auf­ge­ge­ben hat 3. Über­dies baut die Ent­schei­dung auf der vom Buzn­des­ge­richts­hof frü­her ver­tre­te­nen, inzwi­schen aber eben­falls auf­ge­ge­be­nen Auf­fas­sung auf 4, nach der Wer­bung im Bereich der Steu­er­be­ra­tung – eben­so wie im Bereich der Rechts­be­ra­tung 5 – im Grund­satz ver­bo­ten und nur aus­nahms­wei­se zuläs­sig, der Ver­kehr daher an eine sol­che Wer­bung nicht gewöhnt und des­halb durch sie auch beson­ders leicht zu täu­schen war. Zu berück­sich­ti­gen ist in die­sem Zusam­men­hang fer­ner, dass beim Erlass der Ent­schei­dung "Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein IV" noch die auf­grund des § 8 Abs. 2 Satz 2 StBerG aF ergan­ge­ne Ver­ord­nung über Art und Inhalt der zuläs­si­gen Hin­wei­se auf die Befug­nis zur Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen vom 25.11.1976 6 galt, die in ihrem § 3 stren­ge inhalt­li­che Vor­ga­ben für Wer­be­an­ga­ben von Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­nen ent­hielt. Seit der Auf­he­bung die­ser Ver­ord­nung durch das Sieb­te Gesetz zur Ände­rung des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes vom 24.06.2000 7 sind anstel­le der dor­ti­gen Rege­lung gemäß § 26 Abs. 1 StBerG die all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen des § 8 Abs. 1 und 2 StBerG anzu­wen­den, die auch für die ande­ren zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen berech­tig­ten Per­so­nen gel­ten 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Okto­ber 2010 – I ZR 5/​09 – "Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein Preu­ßen"

  1. Urteil vom 21.06.1990 – I ZR 258/​88, GRUR 1990, 1024 = WRP 1991, 92[]
  2. BGH, ebd. S. 1025[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.10.1999 – I ZR 167/​97, GRUR 2000, 619, 621 = WRP 2000, 517 – Ori­ent-Tep­pich­mus­ter; vom 27.02.2003 – I ZR 253/​00, BGHZ 154, 105, 109 – Gesamt­preis­an­ge­bot; vom 07.07.2005 – I ZR 253/​02, GRUR 2005, 877, 879 = WRP 2005, 1242 – Wer­bung mit Test­ergeb­nis; und vom 12.12. 2009 – I ZR 189/​07, GRUR 2010, 754 Rn. 23 = WRP 2010, 869 – Gol­ly Tel­ly mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 29.07.2009 – I ZR 77/​07, GRUR 2010, 349 Rn. 22 = WRP 2010, 518 – EKW-Steu­er­be­ra­ter mwN[]
  5. vgl. dazu BGH, Urteil vom 01.03.2001 – I ZR 300/​98, BGHZ 147, 71, 74 ff. – Anwalts­wer­bung II; gegen BGH, Urteil vom 04.07.1991 – I ZR 2/​90, BGHZ 115, 105, 110 ff. – Anwalts­wer­bung I[]
  6. BGBl. I S. 3245 – Wer­be­VOSt­BerG[]
  7. BGBl. I S. 874[]
  8. MünchKomm.UWG/Schaffert, § 4 Nr. 11 Rn. 162 mwN[]