Wer­bungs­kos­ten und die Auf­tei­lung bei Abbruch­kos­ten und Rest­wert eines abge­bro­che­nen Gebäu­des

Dem Grun­de nach sind neben den Abbruch­kos­ten auch die Rest­wer­te des Gebäu­des als Wer­bungs­kos­ten abzugs­fä­hig. Bei einer teil­wei­sen Fremd­ver­mie­tung und teil­wei­sen Eigen­nut­zung ist bei der Abzugs­fä­hig­keit eine Auf­tei­lung sowohl zeit­an­tei­lig als auch nach der Art der Nut­zung der Flä­chen vor­zu­neh­men. Dabei ist nach dem Ver­an­las­sungs­prin­zip eine pri­va­te Ver­an­las­sung von unter 10 % steu­er­lich uner­heb­lich und die Kos­ten in vol­lem Umfang abzugs­fä­hig.

Wer­bungs­kos­ten und die Auf­tei­lung bei Abbruch­kos­ten und Rest­wert eines abge­bro­che­nen Gebäu­des

Mit die­ser Begrün­dung hat das Finanz­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge statt­ge­ge­ben, mit der sich die Klä­ge­rin gegen das Finanz­amt gewehrt hat, das ihre Wer­bungs­kos­ten gekürzt hat­te. Im Dezem­ber 2011 erwarb die Klä­ge­rin einen Bun­ga­low, den sie zunächst voll­stän­dig ver­mie­te­te. Nach dem Tod der Mie­te­rin ver­mie­te­te sie ab dem 1.9.2014 ledig­lich einen Teil des Objekts mit Aus­nah­me der Kel­ler­räu­me an eine neue Mie­te­rin. Die Klä­ge­rin kün­dig­te den Miet­ver­trag zum 31.10.2016 und brach den Bun­ga­low im März 2017 ab. In der Fol­ge­zeit errich­te­te die Klä­ge­rin ein Mehr­par­tei­en­haus, das sie aus­schließ­lich ver­mie­te­te. Den Rest­wert des Bun­ga­lows, des Inven­tars sowie die Abbruch­kos­ten mach­te die Klä­ge­rin im Streit­jahr 2017 in vol­lem Umfang als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend. Das Finanz­amt kürz­te den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug um den Anteil der nicht mit­ver­mie­te­ten Kel­ler­räu­me. Dage­gen ist Kla­ge erho­ben wor­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Finanz­ge­richt Müns­ter betont, dass dem Grun­de nach neben den Abbruch­kos­ten auch die Rest­wer­te des Gebäu­des im Wege einer tech­ni­schen oder wirt­schaft­li­chen Abnut­zung als Wer­bungs­kos­ten abzugs­fä­hig sei­en. Sie sei­en vor­ran­gig durch die bis­he­ri­ge Nut­zung des Objekts ver­an­lasst, weil es nicht in Abbruch­ab­sicht erwor­ben wor­den sei und auch noch kein voll­stän­di­ger Ver­brauch der Sub­stanz ein­ge­tre­ten sei.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter weist dar­auf hin, dass die Abbruch­kos­ten und der Rest­wert grund­sätz­lich nicht in vol­ler Höhe, son­dern antei­lig abzugs­fä­hig. Die Auf­tei­lung sei sowohl zeit­an­tei­lig als auch nach der Art der Nut­zung der Flä­chen vor­zu­neh­men. Maß­geb­lich sei die gesam­te Nut­zungs­dau­er der Immo­bi­lie seit der Anschaf­fung durch die Klä­ge­rin von 57 Mona­ten. Hier­von ent­fie­len 31 Mona­te auf eine voll­stän­di­ge Ver­mie­tung und die übri­gen 26 Mona­te auf eine flä­chen­mä­ßig antei­li­ge Ver­mie­tung zu 78,4 %. Dies füh­re zu einer pri­va­ten Ver­an­las­sung des Abbruchs von 9,8 %.

Nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zum Ver­an­las­sungs­prin­zip sei eine Ver­an­las­sung von unter 10 % steu­er­lich uner­heb­lich und die Kos­ten in vol­lem Umfang abzugs­fä­hig. Aus die­sen Grün­den hat das Finanz­ge­richt Müns­ter der Kla­ge statt­ge­ge­ben.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 21. August 2020 – 4 K 855/​19 E

Werbungskosten und die Aufteilung bei Abbruchkosten und Restwert eines abgebrochenen Gebäudes