Wert­pa­pie­re im Betriebs­ver­mö­gen eines Arz­tes

In das Betriebs­ver­mö­gen eines Arz­tes kön­nen Wert­pa­pie­re ein­ge­legt wer­den, so der Bun­des­fi­nanz­hof in dem hier ent­schie­de­nen Fall, wenn ihre Anschaf­fung, das Hal­ten und ihr Ver­kauf ein Hilfs­ge­schäft der frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit dar­stel­len, z.B. in Form eines ver­bind­lich ver­ein­bar­ten Finan­zie­rungs­kon­zepts für den ärzt­li­chen Betrieb. Ihre Ein­la­ge min­dert den Betrag der Über­ent­nah­men i.S. des § 4 Abs. 4a EStG.

Wert­pa­pie­re im Betriebs­ver­mö­gen eines Arz­tes

§ 4 Abs. 4a EStG schließt nach Maß­ga­be der Sät­ze 2 bis 4 den Abzug von Schuld­zin­sen aus, wenn Über­ent­nah­men getä­tigt wor­den sind. Eine Über­ent­nah­me ist der Betrag, um den die Ent­nah­men die Sum­me des Gewinns und der Ein­la­gen des Wirt­schafts­jah­res über­stei­gen. Dabei wer­den die nicht abzieh­ba­ren Schuld­zin­sen typi­siert mit 6 % der Über­ent­nah­me des Wirt­schafts­jah­res zuzüg­lich der Über­ent­nah­men vor­an­ge­gan­ge­ner Wirt­schafts­jah­re und abzüg­lich der Beträ­ge, um die in den vor­an­ge­gan­ge­nen Wirt­schafts­jah­ren der Gewinn und die Ein­la­gen die Ent­nah­men über­stie­gen haben (Unter­ent­nah­men), ermit­telt.

Das Finanz­amt hat die im Streit­jahr nach § 4 Abs. 4a EStG zu berück­sich­ti­gen­de Über­ent­nah­me mit 764.358 DM ange­setzt. Der Ansatz die­ser Ent­nah­me beruht auf dem Ansatz der Ent­nah­men in den Bilan­zen des Klä­gers für die Jah­re 1999 und 2000, die ersicht­lich nicht die strei­ti­gen Wert­pa­pier­ge­schäf­te des Klä­gers, son­dern ledig­lich sons­ti­ge Pri­vat­ent­nah­men und ins­be­son­de­re Steu­er­zah­lun­gen sowie Spen­den betref­fen. Auf die­ser Grund­la­ge beträgt der Kür­zungs­be­trag nach § 4 Abs. 4a EStG 45.861 DM (764.358 DM x 6 %), der den Betrag der vom Finanz­amt errech­ne­ten ver­blei­ben­den betrieb­li­chen Schuld­zin­sen in Höhe von 42.809 DM ersicht­lich über­steigt und damit einen wei­te­ren Schuld­zin­sen­ab­zug aus­schließt.

Das Begeh­ren der Klä­ger kann mit­hin nur Erfolg haben, wenn durch Ein­la­ge der Wert­pa­pie­re in das Betriebs­ver­mö­gen der ärzt­li­chen Pra­xis der (neu zu berech­nen­de) Betrag der Über­ent­nah­men unter Ansatz der Ver­zin­sung von 6 % nur noch nicht abzieh­ba­re Schuld­zin­sen von 25.280 DM ergibt. Dies setzt eine Min­de­rung der Über­ent­nah­men auf 225.483 DM, mit­hin gegen­über dem Ansatz des Finanz­am­tes von 764.358 DM eine Min­de­rung auf 538.875 DM vor­aus.

Auf die­sen Betrag von 275.522,41 EUR sind die Über­ent­nah­men – durch den Ansatz der von den Klä­gern gel­tend gemach­ten Ein­la­ge der Wert­pa­pie­re – nur zu min­dern, wenn zum einen die am 5. Janu­ar 2000 ein­ge­leg­ten Geld­markt­fonds mit einem Kurs­wert zum 31. Dezem­ber 1999 von 166.693 DM und zum ande­ren zumin­dest ein Teil der zugleich ein­ge­leg­ten Akti­en mit einem Kurs­wert von etwa 329.152 DM Wirt­schafts­gü­ter sind, die ihrer Art nach geeig­net und bestimmt sind, dem Betrieb eines frei­be­ruf­lich täti­gen Arz­tes zu die­nen.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung kön­nen auch Frei­be­ruf­ler gewill­kür­tes Betriebs­ver­mö­gen bil­den 1. Dies gilt für Geld­ge­schäf­te – wie hier den Erwerb von Wert­pa­pie­ren – aber nur, wenn dafür aus­schließ­lich betrieb­li­che Grün­de maß­geb­lich sind 2.

Für einen sol­chen unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang der Wert­pa­pie­re mit dem frei­be­ruf­li­chen Betrieb reicht es weder aus, dass die Wert­pa­pie­re aus betrieb­li­chen Mit­teln erwor­ben wor­den sind 3 noch dass sie in der Gewinn­ermitt­lung aus­ge­wie­sen sind 4 noch dass sie als Sicher­heit für betrieb­li­che Schul­den die­nen 5.

Danach sind Geld­ge­schäf­te, die ihrer Art nach zu Ein­künf­ten i.S. des § 20 EStG füh­ren, grund­sätz­lich getrennt von der frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit zu beur­tei­len 6, ins­be­son­de­re wenn es dem Steu­er­pflich­ti­gen im Wesent­li­chen auf den Ertrag aus der Kapi­tal­an­la­ge ankommt 7. Den Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Arbeit sind sie nur zuzu­rech­nen, wenn sie als Hilfs­ge­schäft zur frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit ange­se­hen wer­den kön­nen. Ein sol­ches Hilfs­ge­schäft kann z.B. vor­lie­gen, wenn ein als Sicher­heit für betrieb­li­che Schul­den ver­pfän­de­tes Wert­pa­pier­de­pot in sei­ner Ver­wen­dung so fest­ge­legt ist, dass es aus der Sicht der kre­dit­ge­ben­den Bank untrenn­ba­rer Bestand­teil eines Finan­zie­rungs­kon­zepts für den frei­be­ruf­li­chen Betrieb ist, das über die Ver­wen­dung des Depots als Kre­dit­si­cher­heit hin­aus­geht 8.

Nach die­sen Grund­sät­zen kann auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts nicht abschlie­ßend beur­teilt wer­den, ob und in wel­chem Umfang die Geld­ge­schäf­te des Klä­gers (An- und Ver­käu­fe von Geld­markt­fonds sowie von Akti­en) als Hilfs­ge­schäf­te sei­ner frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit als Arzt zu beur­tei­len sind. Zum einen kann der Cha­rak­ter als Hilfs­ge­schäft der ärzt­li­chen Tätig­keit nicht allein aus dem Ein­satz der Wert­pa­pier­ge­schäf­te als Sicher­heit für betrieb­li­che Dar­le­hen oder als beab­sich­tig­te Liqui­di­täts­re­ser­ve – ohne kon­kre­te Inves­ti­ti­ons­pla­nung – gefol­gert wer­den. Etwas ande­res kann ins­be­son­de­re nicht dem von den Klä­gern in Bezug genom­me­nen BFH-Urteil 9 ent­nom­men wer­den.

Selbst nach die­ser Ent­schei­dung kommt näm­lich eine Zuord­nung zum gewill­kür­ten Betriebs­ver­mö­gen nicht in Betracht, wenn die vom Betriebs­in­ha­ber erwor­be­nen Wert­pa­pie­re der Erschlie­ßung einer eige­nen Ein­kunfts­quel­le die­nen. Danach las­sen ins­be­son­de­re kurz­fris­ti­ge Umschich­tun­gen der im Depot vor­han­de­nen Wert­pa­pie­re dar­auf schlie­ßen, dass eine eige­ne Ein­kunfts­quel­le aus Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten ange­strebt wer­den soll 10.

Zum ande­ren spricht die Erfas­sung der Wert­pa­pie­re als Umlauf­ver­mö­gen gegen die Annah­me eines betrieb­li­chen Zusam­men­hangs und für die Annah­me einer von der ärzt­li­chen Tätig­keit zu tren­nen­den – auf die Erzie­lung von Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen durch An- und Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren gerich­te­ten – Tätig­keit des Klä­gers.

Ande­rer­seits kann im Streit­fall ange­sichts des Umstan­des, dass die Wert­pa­pie­re nur mit Zustim­mung der Bank ver­äu­ßert wer­den durf­ten, nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die strei­ti­gen Wert­pa­pie­re wie auch die Füh­rung des Wert­pa­pier­de­pots ins­ge­samt aus der Sicht der Bank untrenn­ba­rer Bestand­teil eines Finan­zie­rungs­kon­zepts der ärzt­li­chen Pra­xis des Klä­gers waren, das über eine blo­ße Ver­wen­dung des Wert­pa­pier­de­pots als Sicher­heit für die betrieb­li­chen Kre­di­te hin­aus­ging.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Mai 2011 – VIII R 1/​08

  1. vgl. BFH, Urteil vom 02.10.2003 – IV R 13/​03, BFHE 203, 373, BSt­Bl II 2004, 985, m.w.N. zur frü­he­ren abwei­chen­den Recht­spre­chung[]
  2. BFH, Beschluss vom 10.06.1998 – IV B 54/​97, BFH/​NV 1998, 1477 unter Bezug­nah­me auf BFH-Urteil vom 24.08.1989 – IV R 80/​88, BFHE 158, 254, BSt­Bl II 1990, 17, und unter Auf­ga­be der frü­he­ren Auf­fas­sung in den Urtei­len vom 22.01.1981 – IV R 107/​77, BFHE 133, 168, BSt­Bl II 1981, 564, sowie in BFHE 108, 304, BSt­Bl II 1973, 289; eben­so BFH-Urtei­le vom 15.12.1999 – XI R 11/​99, BFH/​NV 2000, 708; vom 23.09.2009 – IV R 14/​07, BFHE 226, 332, BSt­Bl II 2010, 227; BFH, Beschlüs­se vom 26.09.2007 – VIII B 216/​06, BFH/​NV 2008, 42; vom 29.01.2009 – III B 123/​07, BFH/​NV 2009, 916[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 06.03.1991 – X R 57/​88, BFHE 164, 246, BSt­Bl II 1991, 829[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 04.07.1990 – GrS 2 – 3/​88, BFHE 161, 290, BSt­Bl II 1990, 817[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le vom 04.04.1973 – I R 159/​71, BFHE 109, 337, BSt­Bl II 1973, 628; vom 10.11.2004 – XI R 32/​01, BFHE 208, 514, BSt­Bl II 2005, 431; vom 17.01.2006 – VIII R 60/​02, BFHE 213, 5, BSt­Bl 2006, 434[]
  6. BFH, Urtei­le vom 23.05.1985 – IV R 198/​83, BFHE 144, 53, BSt­Bl II 1985, 517; vom 31.05.2001 – IV R 49/​00, BFHE 195, 386, BSt­Bl II 2001, 828; vom 12.01.2010 – VIII R 34/​07, BFHE 228, 212, BSt­Bl II 2010, 612[]
  7. vgl. BFH, Urteil in BFHE 228, 212, BSt­Bl II 2010, 612, m.w.N.[]
  8. vgl. in die­sem Sin­ne auch BFH, Urteil vom 03.03.2011 – IV R 45/​08, BFHE 233, 137, BSt­Bl II 2011, 552 zum Abschluss einer Lebens­ver­si­che­rung durch eine Per­so­nen­ge­sell­schaft, um Mit­tel für die Til­gung betrieb­li­cher Kre­di­te anzu­spa­ren[]
  9. BFH, Urteil in BFHE 108, 304, BSt­Bl II 1973, 289[]
  10. vgl. dazu auch BFH, Urteil in BFHE 158, 254, BSt­Bl II 1990, 17[]