Wie­der­auf­nah­me eines PKH-Ver­fah­ren

Die Wie­der­auf­nah­me eines abge­wie­se­nen PKH-Antra­ges kann nicht über die Vor­schrif­ten der §§ 134 FGO i. V. m. § 578 ZPO erreicht wer­den.

Wie­der­auf­nah­me eines PKH-Ver­fah­ren

Der Antrag des Antrag­stel­lers wur­de vom Finanz­ge­richt im vor­lie­gen­den Streit­fall nicht als erneu­ter Antrag auf Gewäh­rung von PKH gewer­tet, son­dern als Antrag auf Wie­der­auf­nah­me des mit Beschluss vom 23.03.2016 abge­schlos­se­nen PKH-Ver­fah­rens.

Zwar ist grund­sätz­lich die Aus­le­gung eines Antra­ges auf Wie­der­auf­nah­me eines PKH-Ver­fah­rens als erneu­ter Antrag auf Gewäh­rung von PKH mög­lich und sinn­voll 1. Eine sol­che Aus­le­gung ver­bie­tet sich im Streit­fall, denn der Antrag­stel­ler hat ein­deu­tig auf die Durch­füh­rung eines Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­rens trotz ent­spre­chen­der Hin­wei­se des Finanz­ge­richt und des Bun­des­fi­nanz­hofs 2 bestan­den.

Auch ein durch Beschluss rechts­kräf­tig been­de­tes Ver­fah­ren kann wie­der­auf­ge­nom­men wer­den. Anstel­le einer Nich­tig­keits­kla­ge oder einer Resti­tu­ti­ons­kla­ge ist ein Antrag auf Wie­der­auf­nah­me zu stel­len 3. Über den Antrag auf Wie­der­auf­nah­me eines mit Beschluss abge­schlos­se­nen Ver­fah­rens – wie hier eines PKH-Ver­fah­rens – ist durch Beschluss ohne münd­li­che Ver­hand­lung zu ent­schei­den 4.

Der Antrag auf Wie­der­auf­nah­me hat jedoch kei­nen Erfolg.

Die Wie­der­auf­nah­me eines abge­wie­se­nen PKH-Antra­ges kann nicht über die Vor­schrif­ten der §§ 134 FGO i. V. m. § 578 ZPO erreicht wer­den, weil ein Wie­der­auf­nah­me­an­trag vor­aus­setzt, dass die Ent­schei­dung der mate­ri­el­len Rechts­kraft fähig ist. Dar­an fehlt es bei einem Beschluss über die Zurück­wei­sung eines PKH-Antra­ges 5. Der Wie­der­auf­nah­me­an­trag des Antrag­stel­lers ist dem­ge­mäß nicht statt­haft.

Im Übri­gen ist der Antrag auf Wie­der­auf­nah­me des PKH-Ver­fah­rens auch des­halb unzu­läs­sig, da die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für den Inhalt des Antra­ges nicht erfüllt sind. Die Zuläs­sig­keit einer Wie­der­auf­nah­me­kla­ge (§ 134 FGO i. V. m. § 578 ZPO), also einer Nich­tig­keits­kla­ge (§ 134 FGO i. V. m. § 579 ZPO) oder einer Resti­tu­ti­ons­kla­ge (§ 134 FGO i. V. m. § 580 ZPO), erfor­dert gemäß § 134 FGO i. V. m. § 589 Abs. 1 Satz 1 ZPO die (schlüs­si­ge) Dar­le­gung eines Nich­tig­keits- oder eines Resti­tu­ti­ons­grun­des 6. Die­se Vor­aus­set­zun­gen gel­ten ent­spre­chend für einen Antrag auf Wie­der­auf­nah­me eines PKH-Ver­fah­rens. Die­ser Min­dest­vor­aus­set­zung genügt im Streit­fall der Antrag des Antrag­stel­lers nicht, ein Nich­tig­keits- oder Resti­tu­ti­ons­grund ist nicht ange­ge­ben.

Finanz­ge­richt Mün­chen, Beschluss vom 18. August 2016 – – 10 K 1868/​16

  1. BFH, Beschluss vom 26.03.1998, – XI S 32/​97, BFH/​NV 1998, 1252[]
  2. BFH, Beschluss vom 09.05.2016 – VII S 12/​16 (PKH) []
  3. BFH, Beschlüs­se vom 18.März 1988 – V K 1/​88, BFHE 152, 426, BSt­Bl II 1988, 586; vom 29.05.1992 – VIII K 1/​92, BFH/​NV 1992, 538; vom 15.04.1987 – VIII K 1/​86, BFH/​NV 1987, 591[]
  4. Gräber/​Ratschow, FGO, 8. Aufl.2015, § 134 Rz. 2 m. w. N.[]
  5. BFH, Beschlüs­se vom 26.03.1998 – XI S 32/​97, BFH/​NV 1998, 1252; vom 08.07.2010 – V B 129/​09, BFH/​NV 2010, 2088; Berg­kem­per in: Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, AO/​FGO, § 134 FGO, Rz. 10 [Aug.2015] m. w. N.; Gräber/​Ratschow, FGO, 8. Aufl.2015, § 134 Rz. 2; FG des Saar­lan­des, Beschluss vom 24.09.2009 1 S 1419/​09, n.v. []
  6. BFH, Beschluss vom 08.07.2015 – VI B 5/​15, BFH/​NV 2015, 1426[]