Tan­te tot – und trotz­dem kei­ne Wie­der­ein­set­zung

Beim plötz­li­chen Tod eines nahen Ange­hö­ri­gen stellt die Recht­spre­chung dar­auf ab, ob die Fris­t­wah­rung den Umstän­den nach zumut­bar war [1]. Maß­ge­bend sind die Umstän­de des kon­kre­ten Ein­zel­falls.

Tan­te tot – und trotz­dem kei­ne Wie­der­ein­set­zung

Wie es nicht funk­tio­niert, zeigt ein aktu­ell vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­ner Fall:

In ihrem Antrag auf Wie­der­ein­set­zung hat die Klä­ge­rin ledig­lich mit­ge­teilt, sie sei wegen des plötz­li­chen Todes ihrer Tan­te am 23.08.2012 und deren Bei­set­zung am 30.08.2012 ohne Ver­schul­den ver­hin­dert gewe­sen, die Frist zur Begrün­dung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de, die am 5.09.2012 ablief, ein­zu­hal­ten. Mit Schrei­ben des BFHs­vor­sit­zen­den vom 24.04.2013 ist die Klä­ge­rin auf­ge­for­dert wor­den, die Grün­de für die Ver­hin­de­rung näher dar­zu­le­gen und ggf. glaub­haft zu machen. Sie hat hier­zu unter ande­rem aus­ge­führt, der Tod der Tan­te habe sie plötz­lich getrof­fen und sei eine gro­ße psy­chi­sche und phy­si­sche Belas­tung gewe­sen. Ein­zi­ge Ange­hö­ri­ge sei­en sie und ihre Cou­si­ne gewe­sen. Die Tan­te sei kurz vor ihrem Tod schwer erkrankt gewe­sen. Des­halb sei­en meh­re­re Fahr­ten von K nach G erfor­der­lich gewe­sen. Im Juli und im Sep­tem­ber habe sie im Zuge ihrer Tätig­keit als …pro­fes­so­rin Prü­fungs­leis­tun­gen zu erbrin­gen, was mit lan­gen Fahr­zei­ten ver­bun­den sei. Außer­dem hät­ten in ande­ren Gerichts­ver­fah­ren Ter­mi­ne und Fris­ten beach­tet wer­den müs­sen. Hin­zu kom­me die Sanie­rungs­be­dürf­tig­keit ihres Hau­ses, die Betreu­ung ihres pfle­ge­be­dürf­ti­gen Vaters sowie die Not­wen­dig­keit zum Kauf eines neu­en Autos.

Es bedarf kei­ner Ent­schei­dung, inwie­fern die­ses Vor­brin­gen neue Tat­sa­chen ent­hält, die im Ver­fah­ren nicht berück­sich­tigt wer­den könn­ten [2]. Selbst wenn zuguns­ten der Klä­ge­rin unter­stellt wird, dass zwi­schen ihr und ihrer am 23.08.2012 nach kur­zer schwe­rer Krank­heit ver­stor­be­nen Tan­te eine beson­ders inten­si­ve Bezie­hung bestand, ist –auch unter Berück­sich­ti­gung der sons­ti­gen Belan­ge, die von der Klä­ge­rin nach ihrem Vor­trag in die­ser Zeit bedacht und gere­gelt wer­den muss­ten– nicht davon aus­zu­ge­hen, dass es ihr unzu­mut­bar war, die Beschwer­de wegen Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on bis zum 5.09.2012, dem Tag des Frist­ab­laufs, zu begrün­den. Dies gilt umso mehr, als der Klä­ge­rin als Steu­er­be­ra­te­rin und Wirt­schafts­prü­fe­rin die beson­de­re Bedeu­tung gesetz­li­cher Fris­ten eben­so bekannt sein muss­te wie die Mög­lich­keit, die Frist zur Begrün­dung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auf Antrag um einen Monat ver­län­gern zu las­sen (§ 116 Abs. 3 Satz 4 FGO). Hin­zu kommt, dass die Klä­ge­rin zwar all­ge­mein ange­ge­ben hat, wel­che Auf­ga­ben sie im frag­li­chen Zeit­raum zu erle­di­gen hat­te. Sie hat jedoch weder kon­kre­ti­siert, ob sie die­se Auf­ga­ben unter dem Ein­druck des Todes ihrer Tan­te auch tat­säch­lich erle­digt hat noch wel­che orga­ni­sa­to­ri­schen oder sons­ti­gen Vor­keh­run­gen sie getrof­fen hat­te, um die Begrün­dungs­frist für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zu wah­ren. War die Klä­ge­rin tat­säch­lich nicht in der Lage, die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de frist­ge­recht selbst zu begrün­den, hät­te sie auch die Ver­tre­tung durch einen Berufs­kol­le­gen in Erwä­gung zie­hen müs­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Juni 2013 – VIII B 99/​12

  1. vgl. BFH-Beschlüs­se vom 29.09.1971 – I R 174/​70, BFHE 103, 135, BStBl II 1972, 19; vom 03.02.1987 – VII B 129/​86, BFHE 148, 489 , BStBl II 1987, 305, und BFH, Urteil vom 02.05.2001 – VIII R 3/​00, BFH/​NV 2001, 1418[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 14.12.2011 – X B 85/​11, BFH/​NV 2012, 749[]