Wie­der­ein­set­zungs­an­trag – und die Ergän­zung unvoll­stän­di­ger oder unkla­rer Anga­ben

Nach Ablauf der Antrags­frist für die Wie­der­ein­set­zung kön­nen (selb­stän­di­ge) Wie­der­ein­set­zungs­grün­de nicht mehr nach­ge­scho­ben wer­den.

Wie­der­ein­set­zungs­an­trag – und die Ergän­zung unvoll­stän­di­ger oder unkla­rer Anga­ben

War jemand ohne Ver­schul­den ver­hin­dert, eine gesetz­li­che Frist ein­zu­hal­ten, so ist ihm auf Antrag ‑ggf. auch von Amts wegen, wie aus § 110 Abs. 2 Satz 4 AO folgt- Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren (§ 110 Abs. 1 Satz 1 AO). Der Antrag ist inner­halb eines Monats nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses zu stel­len. Die Tat­sa­chen zur Begrün­dung des Antrags sind bei der Antrag­stel­lung oder im Ver­fah­ren über den Antrag glaub­haft zu machen. Inner­halb der Antrags­frist ist die ver­säum­te Hand­lung nach­zu­ho­len (§ 110 Abs. 2 Sät­ze 1 bis 3 AO). Nach einem Jahr seit dem Ende der ver­säum­ten Frist kann die Wie­der­ein­set­zung nicht mehr bean­tragt oder die ver­säum­te Hand­lung nicht mehr nach­ge­holt wer­den, außer wenn dies vor Ablauf der Jah­res­frist infol­ge höhe­rer Gewalt unmög­lich war (§ 110 Abs. 3 AO).

Der Antrag­stel­ler muss inner­halb der Antrags­frist von einem Monat (§ 110 Abs. 2 Satz 1 AO) die­je­ni­gen Umstän­de dar­le­gen, aus denen sich ergibt, dass ihn hin­sicht­lich der Ver­säu­mung der gesetz­li­chen Frist ein Ver­schul­den nicht trifft. Nach Ablauf der Frist des § 110 Abs. 2 Satz 1 AO kön­nen (selb­stän­di­ge) Wie­der­ein­set­zungs­grün­de nicht mehr nach­ge­scho­ben wer­den. Jedoch kön­nen unkla­re oder unvoll­stän­di­ge Anga­ben auch nach Ablauf der Antrags­frist noch erläu­tert oder ergänzt wer­den, sofern inner­halb der Frist der Kern der Wie­der­ein­set­zungs­grün­de in sich schlüs­sig vor­ge­tra­gen ist.

Das erfor­dert eine sub­stan­ti­ier­te, in sich schlüs­si­ge Dar­stel­lung aller ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Umstän­de inner­halb der Monats­frist [1]. Dies folgt zunächst aus dem Wort­laut des § 110 Abs. 2 Satz 2 AO.

Danach sind die "Tat­sa­chen zur Begrün­dung des Antrags bei der Antrag­stel­lung oder im Ver­fah­ren über den Antrag glaub­haft zu machen". Das Ergeb­nis folgt aber auch aus dem Sinn und dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang der Sät­ze 1 und 2 in § 110 Abs. 2 AO. Zweck die­ser Befris­tung ist die Siche­rung einer zügi­gen und sach­ge­mä­ßen Behand­lung eines Wie­der­ein­set­zungs­be­geh­rens, um die Unsi­cher­heit, ob es bei den Fol­gen einer Frist­ver­säum­nis bleibt, in engen Gren­zen zu hal­ten. Der Antrag­stel­ler soll nicht neue, mög­li­cher­wei­se wech­seln­de Grün­de vor­tra­gen kön­nen, für deren Glaub­haft­ma­chung er sich bes­se­re Erfolgs­aus­sich­ten ver­spricht. Das spä­te­re Nach­schie­ben von Wie­der­ein­set­zungs­grün­den ist daher nicht zuläs­sig [2].

Sol­len wesent­li­che Lücken in der Sach­ver­halts­dar­stel­lung nach­träg­lich nach Frist­ab­lauf geschlos­sen wer­den, stellt dies ein unzu­läs­si­ges Nach­schie­ben von Grün­den dar [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 31. Janu­ar 2017 – IX R 19/​16

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 24.08.1990 – VI R 178/​85, BFH/​NV 1991, 140; vom 21.02.1995 – VIII R 76/​93, BFH/​NV 1995, 989; vom 13.12 2007 – VI R 75/​04, BFHE 220, 18, BStBl II 2009, 577, unter II. 1.a; vom 18.03.2014 – VIII R 33/​12, BFHE 246, 1, BStBl II 2014, 922, unter II. 2.b aa; BFH, Beschlüs­se vom 09.11.1999 – XI R 17/​99, BFH/​NV 2000, 583; vom 15.05.2003 – VII B 246/​02, BFH/​NV 2003, 1206; vom 26.04.2005 – I B 248/​04, BFH/​NV 2005, 1591; vom 17.06.2010 – IX B 32/​10, BFH/​NV 2010, 1655; Klein/​Rätke, AO, 13. Aufl., § 110 Rz 102; Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 110 AO Rz 32; Söhn in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 110 AO Rz 507, 510; Kuc­zyn­ski in Beermann/​Gosch, AO, § 110 Rz 81; Wag­ner in Kühn/​v. Wedel­städt, 21. Aufl., AO § 110 Rz 36[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 246, 1, BStBl II 2014, 922, unter II. 2.b aa; BFH, Beschluss vom 06.12 2011 – XI B 3/​11, BFH/​NV 2012, 707, unter II. 2.c bb[]
  3. vgl. Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 110 AO Rz 32; Söhn in HHSp, § 110 AO Rz 510; Kuc­zyn­ski in Beermann/​Gosch, a.a.O., § 110 Rz 81[]