Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung – und der nicht nach­ge­las­se­ne Schrift­satz

Nach § 121 Satz 1, § 93 Abs. 3 Satz 2 FGO hat das Gericht nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu ent­schei­den, ob eine bereits geschlos­se­ne münd­li­che Ver­hand­lung wie­der­eröff­net wird.

Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung – und der nicht nach­ge­las­se­ne Schrift­satz

Das Ermes­sen ist aller­dings auf Null redu­ziert, wenn durch die Ableh­nung der Wie­der­eröff­nung wesent­li­che Pro­zess­grund­sät­ze ver­letzt wür­den, z.B. weil ande­ren­falls der Anspruch eines Betei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör ver­letzt oder die Sach­auf­klä­rung unzu­rei­chend ist 1.

Zu einer sol­chen Ent­schei­dung gibt ein nach Schlie­ßung der münd­li­chen Ver­hand­lung ein­ge­gan­ge­ner Schrift­satz der Klä­ge­rin kei­ne Ver­an­las­sung, wenn das Gericht auch unter Berück­sich­ti­gung der dar­in ent­hal­te­nen Aus­füh­run­gen, die bereits Gegen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung waren, zu kei­nem ande­ren Ent­schei­dungs­er­geb­nis kommt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 31. Mai 2017 – XI R 2/​14

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 05.11.2014 – IV R 30/​11, BFHE 248, 81, BSt­Bl II 2015, 601, Rz 49, m.w.N.[]