Zen­sus 2011

Bei dem stan­dard­mä­ßi­gen Fra­ge­bo­gen für die Gebäu­de- und Woh­nungs­zäh­lung gemäß § 6 des Zen­sus­ge­set­zes 2011 und für die Haus­halts­stich­pro­be gemäß § 7 des Zen­sus­ge­set­zes 2011 han­delt es sich jeweils nicht um einen Ver­wal­tungs­akt. Erst wenn der Fra­ge­bo­gen nicht oder unvoll­stän­dig beant­wor­tet wird, ist es Auf­ga­be der mit der Durch­füh­rung der Befra­gung beauf­trag­ten Behör­den, den Aus­kunfts­pflich­ti­gen zur Aus­kunfts­er­tei­lung durch Ver­wal­tungs­akt auf­zu­for­dern.

Zen­sus 2011

Im hier vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall wen­det sich der Antrag­stel­ler gegen die Voll­zie­hung des Zen­sus­ge­set­zes 2011 vom 8. Juli 20091. Soweit sich die­ser Antrag u. a. gegen die Haus­halts­be­fra­gung auf Stich­pro­ben­ba­sis nach § 7 ZensG rich­ten soll­te, fehl­te dem Antrags­geg­ner bereits die erfor­der­li­che Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on. Denn die­se Befra­gung wird in Nie­der­sach­sen nach §§ 1 Abs. 4, 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Nds. AG ZensG von ört­li­chen kom­mu­na­len Erhe­bungs­stel­len im über­tra­ge­nen Wir­kungs­kreis wahr­ge­nom­men, so dass ein ent­spre­chen­des Anfech­tungs- oder Unter­las­sungs­be­geh­ren gegen die jeweils zustän­di­ge Kom­mu­ne zu rich­ten wäre, § 78 Abs. 1 VwGO, § 8 Abs. 2 Nds. AG VwGO.

Ergän­zend ist inso­weit auf die aus­drück­li­che gesetz­li­che Rege­lung in § 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3, Satz 2 Nds. AG ZensG 2011 zu ver­wei­sen. Danach haben die ört­li­chen Erhe­bungs­stel­len die Aus­kunfts­pflich­ti­gen "erfor­der­li­chen­falls" durch Ver­wal­tungs­akt zur Aus­kunfts­er­tei­lung auf­zu­for­dern. Dar­aus folgt, dass es sich aus Sicht des nie­der­säch­si­schen Gesetz­ge­bers2 nicht schon bei der stan­dard­mä­ßi­gen Über­sen­dung von Fra­ge­bö­gen zur Haus­halts­be­fra­gung um einen Ver­wal­tungs­akt han­delt, son­dern ein sol­cher ein­zel­fall­be­zo­gen erst dann erfor­der­lich ist, wenn dar­auf­hin kei­ne bzw. eine unvoll­stän­di­ge Ant­wort erfolgt. Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat das Ver­wal­tungs­ge­richt3 zu Recht die Antrag­stel­ler daher inso­weit auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz nach § 80 Abs. 5 VwGO gegen eine etwai­ge spä­te­re förm­li­che Her­an­zie­hung (zur Haus­halts­be­fra­gung) durch Ver­wal­tungs­akt ver­wie­sen4.

Glei­ches gilt hin­sicht­lich der vom Antrags­geg­ner in Nie­der­sach­sen durch­zu­füh­ren­den Gebäu­de- und Woh­nungs­zäh­lung nach § 6 ZensG. Zwar fehlt inso­weit eine § 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3, Satz 2 Nds. AG ZensG 2011 ent­spre­chen­de aus­drück­li­che Rege­lung, da sie offen­bar für nicht erfor­der­lich gehal­ten wor­den ist. Jeden­falls ist aber kein Grund dafür ersicht­lich, war­um der Antrags­geg­ner – wie vom ihm vor­ge­tra­gen – bei der Erhe­bung nach § 6 ZensG nicht ent­spre­chend vor­ge­hen, also erst nach einem erfolg­lo­sen Bemü­hen um eine "frei­wil­li­ge" voll­stän­di­ge Aus­kunft die Aus­kunfts­pflicht der Betrof­fe­nen förm­lich durch Ver­wal­tungs­akt und ent­spre­chen­de Voll­stre­ckungs­maß­nah­men durch­set­zen darf. Dass der Antrags­geg­ner beab­sich­ti­ge, die nach § 6 ZensG von den Antrag­stel­lern zu erhe­ben­den Daten zukünf­tig ander­wei­tig zu erlan­gen, und sie des­halb nicht auf einen Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO gegen ihre förm­li­che Her­an­zie­hung ver­wie­sen wer­den dürf­ten, ist von ihnen nicht kon­kret vor­ge­tra­gen wor­den und auch sonst nicht zu erken­nen.

Soweit sich die Antrag­stel­ler schließ­lich gegen eine "Daten­zu­sam­men­füh­rung nach § 12 ZensG" wen­den, ist im Hin­blick auf die Viel­zahl der unter­schied­li­chen Rege­lun­gen und Zustän­dig­kei­ten in § 12 ZensG nicht ansatz­wei­se zu erken­nen, woge­gen sich ihr Begeh­ren kon­kret rich­tet. Im Übri­gen kön­nen bis­lang von ihnen noch gar nicht nach §§ 6, 7 ZensG erho­be­ne Daten auch nicht zusam­men­ge­führt wer­den. Wel­che ande­ren per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten in Voll­zug des Zen­sus­ge­set­zes bereits erho­ben wor­den sein und künf­tig vom Antrags­geg­ner nach § 12 ZensG – nach Ansicht der Antrag­stel­ler zu Unrecht – zusam­men­ge­führt wer­den sol­len, erschließt sich aus ihrem Vor­brin­gen eben­falls nicht.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, Beschluss vom 12.09.2011 – 11 ME 261/​11

  1. BGBl. I S. 1781 []
  2. vgl. ergän­zend LT-Drs. 16/​2583, S. 21 []
  3. VG Lüne­burg, Beschluss vom 02.08.2011 – 1 B 17/​11 []
  4. vgl. ergän­zend zu dor­ti­gen lan­des­recht­li­chen Ver­fah­ren neben dem bereits vom Antrags­geg­ner ange­führ­ten Beschluss des VG Frank­furt v. 22.6.2011 – 5 L 1559/​11F; auch den Beschluss des VG Ber­lin v. 22.8.2011 – 6 L 1/​11; sowie aus der Recht­spre­chung zur Volks­zäh­lung 1987 etwa Beschl. des OVG Bre­men v. 21.10.1987 – 1 B 86/​87, NVwZ 1988, 2058 []