Zeu­gen­la­dung durch den Bericht­erstat­ter

Nach § 79 Abs. 3 FGO darf der Bericht­erstat­ter ein­zel­ne Bewei­se nur inso­weit erhe­ben, als dies zur Ver­ein­fa­chung der Ver­hand­lung vor dem Gericht sach­dien­lich und von vorn­her­ein anzu­neh­men ist, dass das Gericht das Beweis­ergeb­nis auch ohne unmit­tel­ba­ren Ein­druck von dem Ver­lauf der Beweis­auf­nah­me sach­ge­mäß zu wür­di­gen ver­mag.

Zeu­gen­la­dung durch den Bericht­erstat­ter

Nach ein­hel­li­ger Auf­fas­sung in der Lite­ra­tur ‑BFH-Recht­spre­chung zur Aus­le­gung die­ser Vor­schrift liegt noch nicht vor- han­delt es sich bei § 79 Abs. 3 FGO um einen Aus­nah­me­tat­be­stand, der vor allem für die Beweis­erhe­bung durch Augen­scheins­ein­nah­me und Urkun­den­vor­la­ge geeig­net sei.

Die Ver­neh­mung eines Zeu­gen kom­me hin­ge­gen nur in Betracht, wenn von vorn­her­ein kei­ne Zwei­fel an des­sen Glaub­wür­dig­keit bestehen und zu erwar­ten sei, dass sich der Rechts­streit vor dem Bericht­erstat­ter erle­di­ge 1. Vor allem aber ist es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Par­al­lel­vor­schrift des § 87 Abs. 3 der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung 2 unzu­läs­sig, die Beweis­erhe­bung voll­stän­dig in das Ver­fah­ren nach § 79 Abs. 3 FGO zu ver­la­gern.

Nach § 358 ZPO i.V.m. § 82 FGO ist eine Beweis­auf­nah­me immer dann durch einen Beweis­be­schluss anzu­ord­nen, wenn sie ein beson­de­res Ver­fah­ren erfor­dert. An einem sol­chen "beson­de­ren Ver­fah­ren" fehlt es zwar, wenn die Beweis­auf­nah­me in der münd­li­chen Ver­hand­lung statt­fin­den soll 3. Anders ist dies aber, wenn ‑wie hier- ein zusätz­li­cher Ter­min für die Beweis­auf­nah­me erfor­der­lich wird 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. August 2015 – IX B 95/​15

  1. zum Gan­zen Thür­mer in HHSp, § 79 FGO Rz 107; Fu in Schwarz/​Pahlke, FGO § 79 Rz 22; Stal­bold in Beermann/​Gosch, FGO § 79 Rz 33[]
  2. s. BVerwG, Beschluss vom 15.08.1997 4 B 130/​97, NVwZ-RR 1998, 524[]
  3. BFH, Beschluss vom 11.09.2013 – XI B 111/​12, BFH/​NV 2013, 1944, Rz 7[]
  4. aus­drück­lich zu § 79 Abs. 3 FGO Stal­bold in Beermann/​Gosch, FGO § 79 Rz 32[]