Zugangs­fik­ti­on im Besteue­rungs­ver­fah­ren

Nach § 122 Abs. 2 AO gilt ein durch die Post über­mit­tel­ter Steu­er­be­scheid am drit­ten Tage nach der Auf­ga­be zur Post als bekannt gege­ben, außer wenn er nicht oder zu einem spä­te­ren Zeit­punkt zuge­gan­gen ist.

Zugangs­fik­ti­on im Besteue­rungs­ver­fah­ren

Bestrei­tet näm­lich der Emp­fän­ger den Erhalt inner­halb der Drei-Tages-Frist eines mit der Post über­mit­tel­ten Ver­wal­tungs­akts, hat er sub­stan­ti­iert Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen, die schlüs­sig auf den spä­te­ren Zugang hin­deu­ten und damit Zwei­fel an der Zugangs­ver­mu­tung begrün­den 1. Zur Begrün­dung von Zwei­feln am Zugang inner­halb der Drei-Tages-Frist reicht ein abwei­chen­der Ein­gangs­ver­merk allein nicht aus 2, auch wenn die­ser als pri­va­te Urkun­de zu beur­tei­len wäre.

Eine als mög­li­che anwalt­li­che Ver­si­che­rung zu wer­ten­de Erklä­rung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers im Ver­lauf des Kla­ge­ver­fah­rens genügt indes zur Glaub­haft­ma­chung des Zugangs­zeit­punkts eines Ver­wal­tungs­ak­tes nicht, wenn objek­ti­ve Beweis­mit­tel zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten 3. Erfor­der­lich ist daher zumin­dest, dass der betref­fen­de Brief­um­schlag vor­ge­legt oder die Post­ein­gangs­be­ar­bei­tung im Büro des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten näher beschrie­ben wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. Febru­ar 2010 – IX B 149/​09

  1. BFH, Urtei­le vom 17.06.1997 – IX R 79/​95, BFH/​NV 1997, 828; vom 03.05.2001 – III R 56/​98, BFH/​NV 2001, 1365; BFH, Beschluss vom 30.11.2006 – XI B 13/​06, BFH/​NV 2007, 389[]
  2. so BFH, Beschlüs­se vom 27.02.1998 – IX B 29/​96, BFH/​NV 1998, 1064; und in BFH/​NV 2007, 389[]
  3. sie­he BFH, Beschlüs­se vom 10.10.2003 – VI B 95/​03, BFH/​NV 2004, 219; vom 13.10.2005 – IV B 21/​05, BFH/​NV 2006, 328[]