Zwei­fel an der Pro­zess­fä­hig­keit

Die Vor­nah­me von Ver­fah­rens­hand­lun­gen ‑wozu auch die Ein­le­gung einer Anhö­rungs­rü­ge gehört- setzt Pro­zess­fä­hig­keit des Betei­lig­ten vor­aus. Nach § 58 Abs. 1 Nr. 1 FGO sind alle nach bür­ger­li­chem Recht geschäfts­fä­hi­gen Per­so­nen pro­zess­fä­hig. Die Pro­zess­fä­hig­keit eines Betei­lig­ten ist als Sach­ent­schei­dungs­vor­aus­set­zung und zugleich Pro­zess­hand­lungs­vor­aus­set­zung in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen (§ 58 Abs. 2 Satz 2 FGO i.V.m. § 56 Abs. 1 ZPO) [1].

Zwei­fel an der Pro­zess­fä­hig­keit

Dabei ent­schei­det das Gericht nach sei­ner frei­en Über­zeu­gung im Wege des Frei­be­wei­ses unter Wür­di­gung des gesam­ten Pro­zess­stof­fes über die Fra­ge der Pro­zess­fä­hig­keit eines Betei­lig­ten [2].

Sofern außer der blo­ßen Behaup­tung des Klä­gers kei­ne wei­te­ren Anhalts­punk­te vor­lie­gen, die an sei­ner Pro­zess­fä­hig­keit Zwei­fel erwe­cken könn­ten ‑etwa ein unver­ständ­li­cher Sach­vor­trag- ist das Gericht nicht gehal­ten, von sich aus eine ärzt­li­che Begut­ach­tung des Klä­gers anzu­ord­nen [3] oder etwai­gen Beweis­an­trä­gen (hier: Bei­zie­hung von Akten) nach­zu­ge­hen. Dies ins­be­son­de­re dann nicht, wenn nach Akten­la­ge ‑unter Berück­sich­ti­gung des Vor­trags des Klä­gers- in die­sem Ver­fah­ren kei­ne Anhalts­punk­te erkenn­bar sind, wonach der Klä­ger zur Über­zeu­gung des Bun­des­fi­nanz­hofs pro­zess­un­fä­hig wäre [4].

Die im gesam­ten Ver­fah­ren vom Klä­ger selbst ver­fass­ten Schrift­sät­ze ‑sowohl an das Finanz­ge­richt als auch an den BFH- las­sen erken­nen, dass er sich aus­zu­drü­cken sowie sein Anlie­gen in ver­ständ­li­cher und ange­mes­se­ner Form vor­zu­brin­gen ver­mag. Hier­in sieht der Bun­des­fi­nanz­hof ein gewich­ti­ges Indiz für die Geis­tes­fä­hig­keit des Klä­gers, die ihm eine freie Wil­lens­be­stim­mung ermög­licht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 3. Juli 2014 – V S 13/​14

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 28.06.2011 – IX B 11/​11, BFH/​NV 2011, 1891, unter 2.b, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Beschluss vom 01.09.2005 – IX B 87/​05, BFH/​NV 2006, 94, unter II. 3.a, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 09.09.2004 – III B 165/​03[]
  4. vgl. z.B. BGH, Urteil vom 06.12 2013 – V ZR 8/​13, Wert­pa­pier-Mit­tei­lun­gen 2014, 1054, unter II. 2.a aa, m.w.N.[]