Arzt­haf­tung und selb­stän­di­ges Beweis­ver­fah­ren

Ein recht­li­ches Inter­es­se an einer vor­pro­zes­sua­len Klä­rung der haf­tungs­recht­lich maß­geb­li­chen Grün­de für einen Gesund­heits­scha­den durch einen Sach­ver­stän­di­gen kann im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren auch dann gege­ben sein, wenn zwar die Fest­stel­lung der Ver­mei­dung eines Rechts­streits die­nen kann, jedoch für eine abschlie­ßen­de Klä­rung wei­te­re Auf­klä­run­gen erfor­der­lich erschei­nen. Sinn und Zweck der vor­pro­zes­sua­len Beweis­si­che­rung

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Vaku­um­ex­trak­ti­on oder Zan­gen­ge­burt?

Die Mut­ter muss nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he wäh­rend des Geburts­vor­gangs nicht über alter­na­ti­ve Ent­bin­dungs­me­tho­den auf­ge­klärt wer­den. Mit­hin besteht auch kei­ne Auf­klä­rungs­pflicht des Arz­tes über die Alter­na­ti­ve der Vaku­um­ex­trak­ti­on gegen­über der Zan­gen­ge­burt. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und des Senats ist die Wahl der Behand­lungs­me­tho­de pri­mär Sache des Arz­tes. Gibt

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Die Beur­tei­lung eines CTs ohne Neu­ro­lo­ge

Hat es ein Arzt in einem Kran­ken­haus behand­lungs­feh­ler­haft ver­säumt, noch am Auf­nah­me­tag einer Pati­en­tin einen Neu­ro­lo­gen zur Beur­tei­lung der Bild­ge­bung der nati­ven Com­pu­ter­to­mo­gra­phie hin­zu­zu­zie­hen, wodurch bei die­ser ein Hirn­stammin­farkt zu spät behan­delt wur­de, haf­tet das Kran­ken­haus und der Arzt für den durch die schwer­wie­gen­den Läh­mun­gen spä­ter ein­ge­tre­te­nen Tod der Pati­en­tin.

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Krebs­vor­sor­ge­un­ter­su­chung

Hat ein Frau­en­arzt einer Pati­en­tin im Rah­men einer durch­ge­führ­ten Krebs­vor­sor­ge­un­ter­su­chung nicht zu einem Mam­mo­gra­phie­s­cree­ning gera­ten und bei die­ser Pati­en­tin wird 2 Jah­re spä­ter Brust­krebs dia­gnos­ti­ziert, dann haf­tet der Frau­en­arzt auf Scha­dens­er­satz. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall unter teil­wei­ser Abän­de­rung der Ent­schei­dung des Land­ge­richts Essen

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Schmer­zens­geld für Erek­ti­ons­stö­run­gen

Liegt weder ein Behand­lungs­feh­ler noch ein Feh­ler bei der Auf­klä­rung des Pati­en­ten über mög­li­che Risi­ken einer mit einer Vasek­to­mie (Durch­tren­nung der Samen­lei­ter) durch­ge­führ­ten Pro­sta­ta­ope­ra­ti­on vor, besteht kein Anspruch des Pati­en­ten auf Scha­dens­er­satz wegen Eja­ku­la­ti­ons­stö­run­gen. Dar­über hin­aus kann die­se Ope­ra­ti­on kei­ne Erek­ti­ons­stö­run­gen ver­ur­sa­chen. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm der

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Fra­gen der Haf­tung eines Apo­the­kers

Die im Bereich der Haf­tung von Ärz­ten für Behand­lungs­feh­ler in der Recht­spre­chung seit lan­gem fol­gen­de Ver­tei­lung der Beweis­last hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln auf die Haf­tung von Apo­the­kern über­tra­gen und damit eine bis­her in der Recht­spre­chung unge­klär­te Fra­ge erst­mals ent­schie­den. Die Anwen­dung der Grund­sät­ze des gro­ben Behand­lungs­feh­lers auf ver­gleich­bar schwer­wie­gen­de Feh­ler

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Befund­er­he­bungs­feh­ler

In Fäl­len eines Befund­er­he­bungs­feh­lers sind dem Pri­mär­scha­den alle all­ge­mei­nen gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen des Pati­en­ten unter Ein­schluss der sich dar­aus erge­ben­den Risi­ken, die sich aus der unter­las­se­nen oder unzu­rei­chen­den Befund­er­he­bung erge­ben kön­nen, zuzu­ord­nen. Nach der Recht­spre­chung des erken­nen­den Bun­des­ge­richts­hofs erfolgt bei der Unter­las­sung der gebo­te­nen Befund­er­he­bung eine Beweis­last­um­kehr hin­sicht­lich der haf­tungs­be­grün­den­den Kau­sa­li­tät,

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Die nicht sofort erkann­te Schwei­ne­grip­pe

Ist beim ers­ten Arzt­be­such eines Pati­en­ten nicht dia­gnos­ti­ziert wor­den, dass er eine Schwei­ne­grip­pe mit einer Lun­gen­ent­zün­dung hat, kann der Pati­ent den­noch kei­nen Scha­dens­er­satz vom Arzt ver­lan­gen, wenn eine aus­rei­chen­de Unter­su­chung statt­ge­fun­den hat und kei­ne feh­ler­haf­te Behand­lung fest­zu­stel­len war. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall

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Die nicht ver­an­lass­ten wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen eines Arz­tes

Einem Arzt ist auf sei­nem gynä­ko­lo­gi­schen Fach­ge­biet kein Behan­d­­lungs- oder Befund­er­he­bungs­feh­ler vor­zu­wer­fen, wenn er eine Pati­en­tin mit Unter­leibs­schmer­zen nach einer gynä­ko­lo­di­schen Unter­su­chung an einen Uro­lo­gen über­weist und, nach­dem die Pati­en­tin nicht erneut bei ihm vor­stel­lig gewor­den ist, abwar­tet und annimmt, dass sich ihre Beschwer­den gebes­sert haben. Mit die­ser Begrün­dung hat

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Der Ein­zel­rich­ter in einer Arzt­haf­tungs­sa­che

Sieht der Geschäfts­ver­tei­lungs­plan kei­ne Spe­zi­al­zu­stän­dig­keit einer Zivil­kam­mer nach § 348 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e ZPO vor, ist bei einer Ent­schei­dung durch den Ein­zel­rich­ter nicht schon wegen des Umstands, dass Arzt­haf­tungs­sa­chen grund­sätz­lich vom voll besetz­ten Spruch­kör­per zu ver­han­deln sind, ein Ver­stoß gegen den Anspruch auf den gesetz­li­chen Rich­ter gege­ben. Allei­ne der Umstand,

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Die ärzt­li­che Doku­men­ta­ti­on und die hier­aus zu zie­hen­den Schluss­fol­ge­run­gen

Eine ärzt­li­che Doku­men­ta­ti­on indi­ziert in der Regel, dass dar­in genann­te Behand­lungs­maß­nah­men durch­ge­führt wur­den bzw. unter­blie­ben sind, wenn ent­spre­chend doku­men­ta­ti­ons­pflich­ti­ge Tat­sa­chen nicht erwähnt wer­den. Die­se Indi­zwir­kung gilt nur dann, wenn die Doku­men­ta­ti­on zeit­nah erstellt wor­den ist. Soll zusätz­lich eine zwei­te Doku­men­ta­ti­on (hier OP-Bericht) erstellt wor­den sein, hat der Arzt dar­zu­le­gen und

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Beweis­wür­di­gung durch den Sach­ver­stän­di­gen

Wird in Arzt­haf­tungs­sa­chen dem Sach­ver­stän­di­gen im Beweis­be­schluss nicht aus­rei­chend deut­lich gemacht, von wel­chen Fest­stel­lun­gen er bei der Begut­ach­tung aus­zu­ge­hen hat, begrün­det eine eige­ne Beweis­wür­di­gung des Sach­ver­stän­di­gen allein kei­ne Besorg­nis der Befan­gen­heit, ins­be­son­de­re dann nicht wenn der Sach­ver­stän­di­ge an der Beweis­auf­nah­me teil­ge­nom­men hat. Die gesetz­li­che Rege­lung über die Ableh­nung eines gericht­li­chen

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Behand­lungs­feh­ler – und die ver­wei­ger­te Zweit­be­hand­lung

Die Haf­tung eines Arz­tes wegen eines Behand­lungs­feh­lers kann aus­ge­schlos­sen sein, wenn sich der Pati­ent im Anschluss an die feh­ler­haf­te medi­zi­ni­schen Behand­lung einer drin­gend emp­foh­le­ne fach­ge­rech­te Behand­lung durch einen ande­ren Arzt ver­wei­gert und der gesund­heit­li­che Scha­den durch die rich­ti­ge Zweit­be­hand­lung nicht ein­ge­tre­ten wäre. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz in

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Über­be­schleu­ni­gung in Arzt­haf­tungs­sa­chen

In Arzt­haf­tungs­sa­chen kann ein Ver­stoß gegen das ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ver­bot einer "Über­be­schleu­ni­gung" ins­be­son­de­re dann vor­lie­gen, wenn das als ver­spä­tet zurück­ge­wie­se­ne Ver­tei­di­gungs­vor­brin­gen ein – in der Regel schrift­li­ches – Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ver­an­lasst hät­te, die­ses Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten aber in der Zeit zwi­schen dem Ende der Ein­spruchs­be­grün­dungs­frist und der dar­auf fol­gen­den münd­li­chen Ver­hand­lung ohne­hin nicht hät­te

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Ärzt­li­che Auf­klä­rungs­pflicht und die erneu­te Ope­ra­ti­on

Eine erneu­te Auf­klä­rung ist ent­behr­lich, wenn der Pati­ent inner­halb kur­zer Zeit wie­der­holt ope­riert wer­den muss, vor der ers­ten Ope­ra­ti­on ord­nungs­ge­mäß auf­ge­klärt wor­den ist und sich gegen­über der ers­ten Ope­ra­ti­on kei­ne wesent­li­chen neu­en Risi­ken erge­ben . Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2011 – 7 U 56/​10

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Gro­be Behand­lungs­feh­ler und die Umkehr der Beweis­last

War ein gro­ber Ver­stoß gegen den ärzt­li­chen Stan­dard grund­sätz­lich geeig­net, meh­re­re Gesund­heits­schä­den bekann­ter oder (noch) unbe­kann­ter Art zu ver­ur­sa­chen, kommt eine Aus­nah­me vom Grund­satz der Beweis­last­um­kehr bei gro­bem Behand­lungs­feh­ler regel­mä­ßig nicht des­halb in Betracht, weil der ein­ge­tre­te­ne Gesund­heits­scha­den als mög­li­che Fol­ge des gro­ben Behand­lungs­feh­lers zum maß­ge­ben­den Zeit­punkt noch nicht bekannt

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Die Wei­ter­bil­dung eines Arz­tes

Ver­säumt es ein Arzt, sich regel­mä­ßig z.B. mit Hil­fe von Fach­zeit­schrif­ten fort­zu­bil­den und neue wis­sen­schaft­lich gesi­cher­te Erkennt­nis­se zeit­nah in sei­ne Arbeit ein­zu­be­zie­hen, kann das zu einem Behand­lungs­feh­ler und Schmer­zens­geld­an­sprü­chen füh­ren. So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Pati­en­tin, die eine Über­em­pind­lich­keit gegen die übli­chen Nar­ko­se­mit­tel

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Putz­mit­tel für die Ope­ra­ti­ons­wun­de

Wird eine Ope­ra­ti­ons­wun­de mit einem Flä­chen­des­in­fek­ti­ons­mit­tel statt mit einem Wund­spü­lungs­mit­tel behan­delt, so muss die Haft­pflicht­ver­si­che­rung Schmer­zens­geld zah­len. Dabei bemisst sich die Höhe des Schmer­zens­gel­des danach, wie beson­ders grob und unver­ständ­lich der Behand­lungs­feh­ler gewe­sen ist. Ein ersicht­lich unzu­rei­chen­des Schmer­zens­geld, das vor­ge­richt­lich gezahlt wor­den ist, zeigt ein unver­ständ­li­ches Regu­lie­rungs­ver­hal­ten, dass für die

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Ärzt­li­cher Kunst­feh­ler und der erfor­der­li­che Zweit­ein­griff

In einer aktu­el­len Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men zur Ein­stands­pflicht des Arz­tes für die Fol­gen eines Zweit­ein­griffs durch einen nach­be­han­deln­den Arzt, der erfor­der­lich wird, weil dem vor­be­han­deln­den Arzt beim Erst­ein­griff ein Behand­lungs­feh­ler unter­lau­fen ist. Der Pati­ent kann von dem Arzt Beklag­ten wegen feh­ler­haf­ter ärzt­li­cher Behand­lung Ersatz der ihm infol­ge

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Wenn der Pati­ent dem Arzt die Arbeit abnimmt

Ein Arzt ist unab­hän­gig von sei­nem Fach­ge­biet gegen­über dem Pati­en­ten ver­pflich­tet, alles zur Erfor­schung und Behe­bung einer Erkran­kung Erfor­der­li­che zu unter­neh­men und hat lai­en­haf­te „Eigen­dia­gno­sen“ von einem selbst­be­wusst und sach­kun­dig auf­tre­ten­den Pati­en­ten mit kri­ti­scher Distanz auf­zu­neh­men, um dann eigen­ver­ant­wort­lich sämt­li­che objek­ti­ve Befun­de zu erhe­ben. So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz

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Arzt­haf­tung für ein 100% schwer­be­schä­dig­tes Kind

Wird einem vier­ein­halb Jah­re alten Kind, das infol­ge eines ärzt­li­chen Behand­lungs­feh­lers zu 100 % schwer­be­schä­digt ist, Schmer­zens­geld zuge­spro­chen, so wirkt es sich schmer­zens­geld­er­hö­hend aus, dass eine Erin­ne­rung des Kin­des an den Zustand vor der schick­sal­haf­ten Ope­ra­ti­on nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Mit die­ser Begrün­dung hat das Kam­mer­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den

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Arzt­haf­tung bei unter­las­se­ner Auf­klä­rung – scha­dens­be­grün­den­de Kau­sa­li­tät und Alter­na­tiv­ver­hal­ten

Besteht die Pflicht­ver­let­zung in einer Unter­las­sung, ist die­se für den Scha­den nur dann kau­sal, wenn pflicht­ge­mä­ßes Han­deln den Ein­tritt des Scha­dens ver­hin­dert hät­te. Die Dar­­­le­gungs- und Beweis­last hier­für trägt regel­mä­ßig der Geschä­dig­te. Die haf­tungs­be­gren­zen­de Rechts­fi­gur des hypo­the­ti­schen Kau­sal­ver­laufs bei recht­mä­ßi­gem Alter­na­tiv­ver­hal­ten kommt erst dann zum Tra­gen, wenn die Ursäch­lich­keit der

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Gro­ber Behand­lungs­feh­ler

Ein Behand­lungs­feh­ler ist nur dann als grob zu bewer­ten, wenn der Arzt ein­deu­tig gegen bewähr­te ärzt­li­che Behand­lungs­re­geln oder gesi­cher­te medi­zi­ni­sche Erkennt­nis­se ver­sto­ßen und einen Feh­ler began­gen hat, der aus objek­ti­ver Sicht nicht mehr ver­ständ­lich erscheint, weil er einem Arzt schlech­ter­dings nicht unter­lau­fen darf . Die Beur­tei­lung, ob ein Behand­lungs­feh­ler als

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Unstatt­haf­te Rechts­be­schwer­de

Eine Rechts­be­schwer­de ist unstatt­haft, wenn das Beschwer­de­ge­richt dem – in ers­ter Instanz zurück­ge­wie­se­nen – Antrag auf Durch­füh­rung des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens in einer Arzt­haf­tungs­sa­che statt­ge­ge­ben hat. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof nun­mehr ent­schie­den. Die Rechts­be­schwer­de ist nur statt­haft, wenn dies im Gesetz aus­drück­lich bestimmt ist (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO) oder

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Auf­klä­rung bei der Blut­ent­nah­me

Vor Durch­füh­rung einer medi­zi­nisch indi­zier­ten Blut­ent­nah­me bedarf es – anders als im Fall einer fremd­nüt­zi­gen Blut­spen­de – kei­ner Auf­klä­rung des Pati­en­ten über das Risi­ko einer Ner­ve­n­ir­ri­ta­ti­on durch die ein­ge­führ­te Nadel. Zwar hat ein Pati­ent grund­sätz­lich sei­ne Ein­wil­li­gung in den Ein­griff einer Blut­ent­nah­me zu ertei­len . Dass der Klä­ger die Blut­ent­nah­me

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