Abfas­sung von Urtei­len in Straf­sa­chen

Soweit der Ange­klag­te ver­ur­teilt wird, müs­sen die Urteils­grün­de die für erwie­sen erach­te­ten Tat­sa­chen ange­ben, in denen die gesetz­li­chen Merk­ma­le der Straf­tat gefun­den wer­den (§ 267 Abs. 1 Satz 1 StPO).

Abfas­sung von Urtei­len in Straf­sa­chen

Dies soll­te in einer geschlos­se­nen Dar­stel­lung der ein­zel­nen Tat(en) erfol­gen (regel­mä­ßig unter II. der Urteils­grün­de), ehe in einem nach­fol­gen­den Abschnitt dar­ge­legt wird, auf wel­cher beweis­mä­ßi­gen Grund­la­ge das Gericht zu der Über­zeu­gung von dem zuvor fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt gekom­men ist.

Die Beweis­wür­di­gung soll kei­ne umfas­sen­de Doku­men­ta­ti­on der Beweis­auf­nah­me ent­hal­ten, son­dern ledig­lich bele­gen, war­um bestimm­te bedeut­sa­me Umstän­de so fest­ge­stellt wor­den sind. Es ist regel­mä­ßig untun­lich, die Aus­sa­gen von Zeu­gen aus der Haupt­ver­hand­lung der Rei­he nach und in ihren – teil­wei­se völ­lig unbe­deu­ten­den – Ein­zel­hei­ten mit­zu­tei­len. Ein sol­ches Vor­ge­hen kann die Besorg­nis begrün­den, der Tatrich­ter sei davon aus­ge­gan­gen, eine brei­te Dar­stel­lung der erho­be­nen Bewei­se kön­ne die gebo­te­ne eigen­ver­ant­wort­li­che Wür­di­gung erset­zen und unter Umstän­den den Bestand des Urteils gefähr­den [1].

Zum not­wen­di­gen Inhalt eines (teil­wei­se) frei­spre­chen­den Urteils ver­weist der Bun­des­ge­richts­hof auf die stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Sep­tem­ber 2015 – 3 StR 227/​15

  1. st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 31.03.2015 – 3 StR 630/​14 10[]
  2. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 10.08.1994 – 3 StR 705/​93, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 10 mwN; vom 24.07.2008 – 3 StR 261/​08 4; vom 29.07.2010 – 4 StR 190/​10 7 ff.; vom 02.04.2014 – 2 StR 554/​13, NStZ 2014, 419, 420[]