Abge­kürz­te Urteils­grün­de – und die spä­te­re Fest­stel­lung der Wah­rung der Rechts­mit­tel­frist durch das Revi­si­ons­ge­richt

Die Fest­stel­lung der Wah­rung der Rechts­mit­tel­frist durch das Revi­si­ons­ge­richt hat ent­spre­chend § 267 Abs. 4 Satz 4 StPO zur Fol­ge, dass das Land­ge­richt inner­halb der in § 275 Abs. 1 Satz 2 StPO vor­ge­se­he­nen Frist die Urteils­grün­de noch ergän­zen kann.

Abge­kürz­te Urteils­grün­de – und die spä­te­re Fest­stel­lung der Wah­rung der Rechts­mit­tel­frist durch das Revi­si­ons­ge­richt

Die Inter­es­sen­la­ge ent­spricht der­je­ni­gen im Fall der Gewäh­rung von Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand. Die Straf­kam­mer durf­te bei Abfas­sung des abge­kürz­ten Urteils nach der Akten­la­ge von der Anwend­bar­keit des § 267 Abs. 4 Satz 1 StPO aus­ge­hen.

Die nach­träg­li­che Fest­stel­lung, dass ein sol­cher Fall nicht vor­lag, macht es erfor­der­lich, das wei­te­re Ver­fah­ren ent­spre­chend § 267 Abs. 4 Satz 4 StPO zu gestal­ten. Inso­weit besteht eine Rege­lungs­lü­cke im Gesetz, die durch ana­lo­ge Anwen­dung des § 267 Abs. 4 Satz 4 StPO zu schlie­ßen ist [1].

Die Frist für die Ergän­zung der Urteils­grün­de beginnt, sobald die Akten nach der Fest­stel­lung des Nicht­vor­lie­gens eines Abkür­zungs­grun­des gemäß § 267 Abs. 4 Satz 1 StPO bei dem für die Ergän­zung zustän­di­gen Gericht ein­ge­hen [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Okto­ber 2017 – 3 StR 397/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.06.2008 – 5 StR 114/​08, BGHR StPO § 267 Abs. 4 Ergän­zung 2[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.09.2008 – 2 StR 134/​08, BGHSt 52, 349, 352 ff.[]