Abse­hen von Ver­fall und Wert­er­satz

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ergibt sich aus dem sys­te­ma­ti­schen Ver­hält­nis zwi­schen der bei "Annah­me unbil­li­ger Här­te" zwin­gend zum Aus­schluss der Ver­falls­an­ord­nung füh­ren­den Rege­lung in § 73c Abs. 1 Satz 1 StGB einer­seits und der Ermes­sens­vor­schrift in § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB ande­rer­seits, dass regel­mä­ßig zunächst auf der Grund­la­ge letzt­ge­nann­ter Vor­schrift zu prü­fen ist, ob von einer Anord­nung des Ver­falls oder Wert­er­satz­ver­falls abge­se­hen wer­den kann 1.

Abse­hen von Ver­fall und Wert­er­satz

Gemäß § 73c Abs. 1 Satz 2 StGB kann eine Ver­falls­an­ord­nung unter­blei­ben, soweit das Erlang­te oder des­sen Wert zum Zeit­punkt der tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dung im Ver­mö­gen des Betrof­fe­nen nicht mehr vor­han­den ist 2.

Es ist des­halb zunächst fest­zu­stel­len, was der Ange­klag­te aus der Tat "erlangt" hat, sodann ist die­sem Betrag der Wert sei­nes noch vor­han­de­nen Ver­mö­gens gegen­über zu stel­len 3.

Wenn hier­nach auch ein Gegen­wert des Erlang­ten im Ver­mö­gen des Ange­klag­ten nicht mehr vor­han­den ist, kann der Tatrich­ter von einer Ver­falls­an­ord­nung abse­hen.

Allein der Ver­weis dar­auf, dass der Ver­bleib des über­wie­gen­den "Teils der Beu­te unge­klärt" ist, trägt nicht die Ermes­sens­ent­schei­dung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2016 – 1 StR 225/​16

  1. BGH, Beschluss vom 21.03.2013 – 3 StR 52/​13, StV 2013, 630 f.; vgl. auch BGH, Urteil vom 26.03.2009 – 3 StR 579/​08, NStZ 2010, 86[]
  2. BGH, Urteil vom 12.09.1984 – 3 StR 333/​84, BGHSt 33, 37, 39 f.; Beschlüs­se vom 29.10.2002 – 3 StR 364/​02, inso­weit nicht abge­druckt in NStZ-RR 2003, 75; vom 14.05.2008 – 3 StR 136/​08, StV 2008, 576 f.; und vom 21.03.2013 – 3 StR 52/​13, StV 2013, 630 f.[]
  3. BGH, Urteil vom 26.03.2009 – 3 StR 579/​08, NStZ 2010, 86, 87; Beschluss vom 21.03.2013 – 3 StR 52/​13, StV 2013, 630 f.[]