Adhä­si­ons­ent­schei­dung ohne Antrag – und die Revi­si­ons­be­schrän­kung

Der Adhä­si­ons­an­trag des Ver­letz­ten ist eine von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung für den Aus­spruch über die Ent­schä­di­gung 1.

Adhä­si­ons­ent­schei­dung ohne Antrag – und die Revi­si­ons­be­schrän­kung

Hat der Ange­klag­te eine gleich­wohl getrof­fe­ne Adhä­si­ons­ent­schei­dung mit sei­nem Revi­si­ons­an­trag nicht ange­foch­ten 2, so unter­liegt die­se gemäß § 352 StPO nicht der Prü­fung des Revi­si­ons­ge­richts. Die Beschrän­kung des Rechts­mit­tels hat dazu geführt, dass die Adhä­si­ons­ent­schei­dung in Rechts­kraft erwach­sen ist 3.

Wenn im Ver­fah­ren wegen einer oder meh­re­rer Taten nur ein­zel­ne Bestand­tei­le des Urteils, etwa der Straf­aus­spruch, ange­foch­ten wer­den (sog. hori­zon­ta­le Teil­rechts­kraft), sind Ver­fah­rens­vor­aus­set­zun­gen stets zu prü­fen; denn sie betref­fen unmit­tel­bar auch die ange­foch­te­nen Bestand­tei­le. Wenn im Ver­fah­ren wegen meh­re­rer Taten das Rechts­mit­tel auf die Ver­ur­tei­lung wegen ein­zel­ner Taten beschränkt wird (sog. ver­ti­ka­le Teil­rechts­kraft), ist danach zu dif­fe­ren­zie­ren, ob die Ein­zel­stra­fen, gegen die sich die Revi­si­on wen­det, mit den rechts­kräf­ti­gen Ein­zel­stra­fen auf eine Gesamt­stra­fe zurück­zu­füh­ren waren. In die­sem (Regel)Fall ist durch die Beschrän­kung des Rechts­mit­tels auch hin­sicht­lich der von ihm aus­ge­nom­me­nen Taten inso­weit kei­ne Rechts­kraft ein­ge­tre­ten, als die Gesamt­stra­fe in Fra­ge steht, so dass Ver­fah­rens­vor­aus­set­zun­gen zu prü­fen sind.

Hat­te das Tat­ge­richt eine sol­che Gesamt­stra­fe indes nicht zu bil­den, wirkt sich das Feh­len einer Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung, soweit Rechts­kraft ein­ge­tre­ten ist, nicht mehr aus 4.

Über­tra­gen auf die hier zu beur­tei­len­de Ver­fah­rens­kon­stel­la­ti­on bedeu­ten die­se Grund­sät­ze, dass das Feh­len der Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung der wirk­sa­men Antrag­stel­lung nicht mehr zu prü­fen ist, wenn die Adhä­si­ons­ent­schei­dung in Rechts­kraft erwach­sen ist. Bei dem teil­an­ge­foch­te­nen straf­recht­li­chen Teil des Urteils einer­seits und sei­nem nicht ange­foch­te­nen bür­ger­lich­recht­li­chen Teil ande­rer­seits han­delt es sich um von­ein­an­der ver­schie­de­ne Pro­zess­ge­gen­stän­de, wobei die Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung aus­schließ­lich den Adhä­si­ons­aus­spruch betrifft, für den Straf­aus­spruch indes kei­ne Bedeu­tung gewin­nen kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Febru­ar 2017 – 3 StR 546/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.10.2007 – 3 StR 426/​07, StV 2008, 127; vom 16.12 2008 – 4 StR 542/​08, BGHR StPO § 404 Abs. 1 Antrag­stel­lung 6; LR/​Hilger, StPO, 26. Aufl., § 404 Rn. 1 mwN[]
  2. s. auch § 406a Abs. 3 Satz 2 StPO[]
  3. vgl. – für die Anfech­tung des Schuld- und Straf­aus­spruchs durch die Staats­an­walt­schaft – BGH, Urteil vom 28.11.2007 – 2 StR 477/​07, BGHSt 52, 96, 98; so auch Radtke/​Hohmann/​Merz, StPO, § 406a Rn. 3; enger – nur bei Rechts­kraft auch des Schuld­spruchs – OLG Cel­le, Beschluss vom 23.02.2015 – 32 Ss 184/​14, Stra­Fo 2015, 327 f.; LR/​Hilger aaO, § 406a Rn. 9; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl., § 406 Rn. 6 mwN[]
  4. so BGH, Urteil vom 11.11.1955 – 1 StR 409/​55, BGHSt 8, 269, 270 f.; vgl. zum Gan­zen – wei­ter­ge­hend gegen die Beacht­lich­keit von Ver­fah­rens­hin­der­nis­sen in den Fäl­len ver­ti­ka­ler Teil­rechts­kraft – LR/​Franke aaO, § 337 Rn. 26, § 344 Rn. 66; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt aaO, Einl Rn. 151 ff., jew. mwN[]