Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans – und die erfor­der­li­che Begrün­dung

Ein Prä­si­di­ums­be­schluss zur unter­jäh­ri­gen Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans bedarf einer Doku­men­ta­ti­on der für die Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans maß­geb­li­chen Grün­de 1.

Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans – und die erfor­der­li­che Begrün­dung

Eine feh­len­de Doku­men­ta­ti­on kann jedoch bis zum Zeit­punkt des Beschlus­ses, mit dem gemäß § 222b Abs. 2 StPO über den Beset­zungs­ein­wand ent­schie­den wird, nach­ge­holt wer­den 2.

Nach der als Aus­nah­me­vor­schrift eng aus­zu­le­gen­den Norm des § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG darf der Geschäfts­ver­tei­lungs­plan im Lau­fe des Geschäfts­jah­res geän­dert wer­den, wenn dies wegen Über­las­tung oder unge­nü­gen­der Aus­las­tung eines Rich­ters oder Spruch­kör­pers oder infol­ge Wech­sels oder dau­ern­der Ver­hin­de­rung ein­zel­ner Rich­ter uner­läss­lich ist. Nach­träg­li­che, auf die Vor­schrift des § 21e Abs. 3 GVG gestütz­te Ände­run­gen der Geschäfts­ver­tei­lung unter­lie­gen dabei im Revi­si­ons­ver­fah­ren einer umfas­sen­den inhalt­li­chen Recht­mä­ßig­keits­kon­trol­le 3.

Im hier ent­schie­de­nen Fall war die unter­jäh­ri­ge, weit­rei­chen­de Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans war mit § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG noch zu ver­ein­ba­ren:

Die Annah­me des Prä­si­di­ums, es lie­ge infol­ge des am 13.11.2013 begin­nen­den Mut­ter­schut­zes einer Rich­te­rin und der anschlie­ßen­den Eltern­zeit ein Fall dau­ern­der Ver­hin­de­rung im Sin­ne des § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG vor, der in Anse­hung der beson­de­ren Belas­tung eine Vakanz nicht gestat­te, ist nicht zu bean­stan­den. Eine dau­ern­de Ver­hin­de­rung liegt vor, wenn ein Rich­ter – wie hier – aus tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­den für län­ge­re oder der Dau­er nach unge­wis­se Zeit ver­hin­dert ist 4. Ange­sichts der Belas­tungs­si­tua­ti­on der von dem Aus­fall betrof­fe­nen 25. Zivil­kam­mer konn­te der erfor­der­li­che Aus­gleich auch nicht bis zum Ende des Geschäfts­jah­res zurück­ge­stellt wer­den 5.

Bei der gemäß § 21e Abs. 3 Satz 1 GVG zuläs­si­gen Ände­rung der Geschäfts­ver­tei­lung wäh­rend des lau­fen­den Geschäfts­jah­res durf­te das Prä­si­di­um alle Umstän­de berück­sich­ti­gen, die der Gewähr­leis­tung einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge dien­ten 6. Das Prä­si­di­um durf­te nament­lich beson­de­re Belas­tun­gen der Spruch­kör­per und beson­de­re Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten der in Fra­ge kom­men­den Rich­ter in sei­ne Erwä­gun­gen ein­be­zie­hen 7 und war nicht auf die Umbe­set­zung des unmit­tel­bar von der Über­las­tung betrof­fe­nen Spruch­kör­pers beschränkt 8. Eben­so war es zuläs­sig, bei der Ände­rung der Geschäfts­ver­tei­lung zu berück­sich­ti­gen, dass durch einen Wech­sel eines Bei­sit­zers der 9. Gro­ßen Straf­kam­mer die zügi­ge Bear­bei­tung anhän­gi­ger Sachen begüns­tigt und auf die­se Wei­se dem Beschleu­ni­gungs­ge­bot Rech­nung getra­gen wer­den konn­te 9. Schließ­lich begeg­net es kei­nen Beden­ken, dass das Prä­si­di­um die Zuwei­sung eines Pro­be­rich­ters zur 25. Zivil­kam­mer und zur 9. Gro­ßen Straf­kam­mer nicht in Betracht gezo­gen hat. Um den Belan­gen einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge Rech­nung zu tra­gen, kann das Prä­si­di­um auch auf die erfor­der­li­che Aus­bil­dung des rich­ter­li­chen Nach­wuch­ses Rück­sicht neh­men 10, sofern sich die Ände­rung der Geschäfts­ver­tei­lung nicht aus­schließ­lich auf die­se Erwä­gung stützt 11. Die ergän­zen­de Berück­sich­ti­gung die­ses Umstan­des im Prä­si­di­ums­be­schluss vom 07.10.2013 war daher zuläs­sig.

Der Beschluss des Prä­si­di­ums vom 20.09.2013 führ­te auch nicht zu einer Ände­rung der Geschäfts­ver­tei­lung, mit der ein Rich­ter einem Spruch­kör­per in unzu­läs­si­ger Wei­se nur für ein bestimm­tes Ver­fah­ren zuge­wie­sen wor­den ist 12. Die Zuwei­sung des Rich­ters am Land­ge­richt Wu. zur 9. Gro­ßen Straf­kam­mer erfolg­te nicht nur mit Blick auf das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren, son­dern betraf auch alle wei­te­ren bei der Straf­kam­mer anhän­gi­gen und künf­tig ein­ge­hen­den Straf­sa­chen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. März 2016 – 2 StR 344/​14

  1. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 09.04.2009 – 3 StR 376/​08, NJW 2010, 625, 626[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 18.03.2009 – 2 BvR 229/​09, NJW 2009, 1734, 1735; BGH, Beschluss vom 09.04.2009 – 3 StR 376/​08, BGHSt 53, 268, 276 f.; BGH, Urteil vom 21.05.2015 – 4 StR 577/​14, NStZ-RR 2015, 288, 289[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.02.2005 – 2 BvR 581/​03, NJW 2005, 2689, 2690; BGH, Urteil vom 21.05.2015 – 4 StR 577/​14, NStZ-RR 2015, 288[]
  4. BGH, Urteil vom 09.10.2002 – 5 StR 42/​02, NJW 2003, 150, 154 [län­ger als 3 Mona­te][]
  5. vgl. zu die­ser Vor­aus­set­zung Kissel/​Mayer, GVG, 8. Aufl., § 21e Rn. 112[]
  6. BGH, Beschluss vom 19.04.2000 – 3 StR 32/​00, BGHR GVG § 21e Abs. 3 Ände­rung 4[]
  7. BGH, Urteil vom 12.04.1978 – 3 StR 58/​78, BGHSt 27, 397, 398[]
  8. SK-StPO/­Vel­ten, 4. Aufl., § 21e GVG Rn. 41[]
  9. vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.03.2009 – 2 BvR 229/​09, NJW 2009, 1734 f.[]
  10. BGH, Urteil vom 12.04.1978 – 3 StR 58/​78, BGHSt 27, 397, 398 f.; vgl. auch KK-Geri­cke, StPO, 7. Aufl., § 338 Rn. 30[]
  11. vgl. BGH, Beschluss vom 05.08.1976 – 5 StR 314/​76, BGHSt 26, 382, 383[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 21.05.1963 – 2 StR 84/​63, BGHSt 18, 386, 387 ff.; vgl. auch KK-Geri­cke, StPO, 7. Aufl., § 388 Rn. 37[]