Äußerst gefähr­li­che Gewalt­hand­lun­gen – und die nicht erkann­te Mög­lich­keit des Erfolgs­ein­tritts

Bedingt vor­sätz­li­ches Han­deln setzt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs vor­aus, dass der Täter den Ein­tritt des tat­be­stand­li­chen Erfol­ges als mög­lich und nicht ganz fern­lie­gend erkennt, wei­ter dass er ihn bil­ligt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len zumin­dest mit der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung abfin­det.

Äußerst gefähr­li­che Gewalt­hand­lun­gen – und die nicht erkann­te Mög­lich­keit des Erfolgs­ein­tritts

Bei äußerst gefähr­li­chen Gewalt­hand­lun­gen liegt es nahe, dass der Täter mit der Mög­lich­keit rech­net, das Opfer kön­ne zu Tode kom­men und – weil er mit sei­nem Han­deln gleich­wohl fort­fährt – einen sol­chen Erfolg bil­li­gend in Kauf nimmt 1.

Aller­dings kön­nen im Ein­zel­fall das Wis­sens- oder das Wil­lens­ele­ment des Even­tu­al­vor­sat­zes feh­len, wenn etwa dem Täter, obwohl er alle Umstän­de kennt, die sein Vor­ge­hen zu einer das Leben gefähr­den­den Behand­lung machen, das Risi­ko der Tötung infol­ge einer psy­chi­schen Beein­träch­ti­gung etwa bei Affekt oder alko­ho­li­scher Beein­flus­sung nicht bewusst ist.

Ein mög­li­ches Feh­len des Wis­sens­ele­ments hat der Bun­des­ge­richts­hof gera­de auch in Fäl­len aner­kannt, in denen der Täter sei­ne lebens­ge­fähr­li­chen Hand­lun­gen, mit denen er Drit­te töte­te oder in Todes­ge­fahr brach­te, in (prä) sui­zi­da­ler Situa­ti­on ohne feind­se­li­ge Gesin­nung gegen­über den Gefähr­de­ten vor­ge­nom­men hat 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Janu­ar 2017 – 5 StR 409/​16

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.03.2012 – 4 StR 558/​11, BGHSt 57, 183, 186; und vom 19.04.2016 – 5 StR 498/​15, NStZ-RR 2016, 204 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.11.2001 – 1 StR 369/​01, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz beding­ter 53; und vom 12.06.2008 – 4 StR 78/​08, NStZ-RR 2008, 309, 310; Beschluss vom 27.06.1986 – 2 StR 312/​86, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 1[]