Anstif­tung eines Drit­ten zur För­de­rung des eige­nen BTM-Han­dels

Unter "Bestim­men" im Sin­ne des § 30a Abs. 2 Nr. 1 BtMG ist nach den zu § 26 StGB ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen die Ein­fluss­nah­me auf den Wil­len eines ande­ren zu ver­ste­hen, die die­sen zu dem im Gesetz beschrie­be­nen Ver­hal­ten bringt 1. Das "Bestim­men" setzt einen kom­mu­ni­ka­ti­ven Akt vor­aus, der zu dem Betäu­bungs­mit­tel­han­del durch den Min­der­jäh­ri­gen führt 2, wobei es uner­heb­lich ist, in wel­cher Form und durch wel­ches Mit­tel die Ein­fluss­nah­me erfolgt 3.

Anstif­tung eines Drit­ten zur För­de­rung des eige­nen BTM-Han­dels

Die Wil­lens­be­ein­flus­sung muss auch nicht die allei­ni­ge Ursa­che für das Ver­hal­ten des ande­ren sein, viel­mehr genügt blo­ße Mit­ur­säch­lich­keit 4.

Bezugs­ge­gen­stand der Anstif­tung und damit auch des "Bestim­mens" ist eine kon­kre­t­in­di­vi­dua­li­sier­te Tat. Wel­che zur Tat­in­di­vi­dua­li­sie­rung taug­li­chen Merk­ma­le jeweils erfor­der­lich sind, ent­zieht sich dabei einer abs­trakt­ge­ne­rel­len Bestim­mung und kann nur nach den jewei­li­gen Umstän­den des Ein­zel­falls ent­schie­den wer­den 5. Ein zu einer kon­kre­ten Tat fest Ent­schlos­se­ner kann nicht mehr zu ihr bestimmt wer­den (sog. omni­mo­do fac­turus) 6.

Der Annah­me von Anstif­tung und damit auch des "Bestim­mens" steht es nicht ent­ge­gen, wenn der Haupt­tä­ter bereits all­ge­mein zu der­ar­ti­gen Taten bereit war und die­se Bereit­schaft auch auf­ge­zeigt hat oder sogar selbst die Initia­ti­ve zu den Taten ergrif­fen hat­te 7; denn hier fehlt es noch an einer kon­kre­t­in­di­vi­dua­li­sier­ten Tat, zu der der Haupt­tä­ter erst noch durch Her­vor­ru­fen des Tatent­schlus­ses ver­an­lasst wer­den muss 8.

Auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen erfüll­te im vor­lie­gen­den Fall das Ver­hal­ten des Ange­klag­ten V. die Tat­hand­lung des "Bestim­mens" im Sin­ne des § 30a Abs. 2 Nr. 1 BtMG. Indem der Ange­klag­te V. die zur Tat­zeit 17jährige S. bat, die drei abge­pack­ten Kon­sum­ein­hei­ten Mari­hua­na in ihrer Hand­ta­sche in sei­ner Beglei­tung zum Ort des ver­ab­re­de­ten Ver­kaufs­ge­sche­hens zu trans­por­tie­ren, hat er sie zum För­dern sei­nes uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln bestimmt. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass S. immer wie­der bereit war, ihn bei sei­nem Han­del­trei­ben zu unter­stüt­zen, sei es durch das Ver­wah­ren von Mari­hua­na in ihrer Woh­nung für den Ange­klag­ten V. , das Brin­gen einer Waa­ge zum Por­tio­nie­ren oder Tele­fo­na­ten mit Abneh­mern.

Erst durch das Ersu­chen, das Rausch­gift für ihn in sei­ner Beglei­tung zum Ort des ver­ab­re­de­ten Ver­kaufs­ge­sche­hens zu trans­por­tie­ren, ist S. zu der kon­kre­ten Tat des För­derns des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln ver­an­lasst wor­den. Dass sie – wie ihre bis­he­ri­gen Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen zeig­ten – bereits all­ge­mein zu der­ar­ti­gen Taten bereit war, ist dem­ge­gen­über unschäd­lich 4.

Im Anwen­dungs­be­reich des § 30a Abs. 2 Nr. 1 BtMG wird es sich häu­fig gera­de so ver­hal­ten, dass der Min­der­jäh­ri­ge bereits der Dro­gen­sze­ne ver­haf­tet ist und daher der Gefahr einer Beein­flus­sung sei­nes Wil­lens in Rich­tung auf ein Ver­hal­ten, wie es in § 30a Abs. 2 Nr. 1 BtMG umschrie­ben wird, in beson­ders star­kem Maße aus­ge­setzt ist 9. Der Tat­be­stand des § 30a Abs. 2 Nr. 1 BtMG ist nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en aus der Über­le­gung her­aus ein­ge­führt wor­den, dass die Benut­zung Min­der­jäh­ri­ger zur Durch­füh­rung des Betäu­bungs­mit­tel­ver­kehrs in beson­de­rem Maße ver­ab­scheu­ungs- und straf­wür­dig ist 10.

Wird ein Min­der­jäh­ri­ger erst durch die Über­ga­be des Rausch­gifts mit der Anwei­sung, die­ses zu bestimm­ten Bedin­gun­gen an einen bestimm­ten Ort zu trans­por­tie­ren, zu der kon­kre­ten Tat des uner­laub­ten För­derns des Han­del­trei­bens ver­an­lasst, "benutzt" der Täter in einem sol­chen Fall einen Min­der­jäh­ri­gen zum Betäu­bungs­mit­tel­ver­kehr auch dann, wenn die­ser hier­zu von vorn­her­ein (all­ge­mein) bereit war und die Bereit­schaft dem Täter gegen­über auch auf­ge­zeigt hat 11.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Novem­ber 2017 – 1 StR 195/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 05.08.2008 – 3 StR 224/​08, NStZ 2009, 393, 394; Urtei­le vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374; und vom 08.01.1985 – 1 StR 686/​84, NJW 1985, 924[]
  2. BGH, Urteil vom 07.09.1993 – 1 StR 325/​93, NStZ 1994, 29, 30[]
  3. BGH, Urtei­le vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374; und vom 08.01.1985 – 1 StR 686/​84, NJW 1985, 924[]
  4. BGH, Urtei­le vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374; und vom 07.09.1993 – 1 StR 325/​93, NStZ 1994, 29, 30[][]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 21.04.1986 – 2 StR 661/​85, BGHSt 34, 63, 64 ff.[]
  6. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.11.1987 – 3 StR 503/​87, BGHR StGB § 26 Bestim­men 1; und vom 08.08.1995 – 1 StR 377/​95, BGHR StGB § 26 Bestim­men 3 sowie Urtei­le vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374; und vom 17.08.2000 – 4 StR 233/​00, NStZ 2001, 41, 42[]
  7. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374; und vom 17.08.2000 – 4 StR 233/​00, NStZ 2001, 41, 42[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 07.09.1993 – 1 StR 325/​93, NStZ 1994, 29, 30[]
  9. BGH, Urteil vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374[]
  10. BGH, Urteil vom 20.01.2000 – 4 StR 400/​99, BGHSt 45, 373, 374 unter Hinw. auf BT-Drs. 12/​989 S. 54/​55 und 12/​6853 S. 41[]
  11. BGH, Urteil vom 17.08.2000 – 4 StR 233/​00, NStZ 2001, 41, 42[]