Antritts­frist für ein Fahr­ver­bot und die Til­gungs­rei­fe der Vor­ent­schei­dung

Bei der Berech­nung der Zwei-Jah­res-Frist des § 25 Abs. 2a StVG dür­fen til­gungs­rei­fe, noch nicht gelösch­te Vor­ein­tra­gun­gen nicht berück­sich­tigt wer­den.

Antritts­frist für ein Fahr­ver­bot und die Til­gungs­rei­fe der Vor­ent­schei­dung

Soll ein Fahr­ver­bot ver­hängt wer­den und wur­de in den letz­ten zwei Jah­ren vor der (neu­en) Ord­nungs­wid­rig­keit kein Fahr­ver­bot ver­hängt, so bestimmt die Buß­geld­be­hör­de gemäß § 25 Abs. 2a StVG für das Fahr­ver­bot eine Antritts­frist von vier Mona­ten.

Die – nicht im Ermes­sen ste­hen­de – Pri­vi­le­gie­rung des § 25 Abs. 2a StVG ist aus­zu­spre­chen, wenn in den zwei Jah­ren vor der Ord­nungs­wid­rig­keit ein Fahr­ver­bot nicht ver­hängt wor­den ist und auch bis zur Buß­geld­ent­schei­dung ein Fahr­ver­bot nicht ver­hängt wird.

Der Beginn der Zwei-Jah­res-Frist bemisst sich nach der Rechts­kraft der frü­he­ren, ein Fahr­ver­bot anord­nen­den Ent­schei­dung 1. Das Fris­ten­de knüpft nach sei­nem Wort­laut zwar an die Bege­hung der Ord­nungs­wid­rig­keit an. Den­noch dür­fen Vor­ein­tra­gun­gen, bei denen die Frist bis zur Bege­hung der neu­en Ord­nungs­wid­rig­keit noch nicht abge­lau­fen waren, bei denen zum Zeit­punkt der tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dung aber bereits Til­gungs­rei­fe nach § 29 Abs. 1, Abs. 4 StVG ein­ge­tre­ten ist, auch für die Ent­schei­dung nach § 25 Abs. 2a StVG nicht zu Las­ten des Betrof­fe­nen ver­wer­tet wer­den 2.

Ein­tra­gun­gen im Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter wegen einer Ord­nungs­wid­rig­keit unter­lie­gen einer Til­gungs­frist von zwei Jah­ren (§ 29 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StVG). Die­se beginnt bei Buß­geld­ent­schei­dun­gen mit dem Tag der Rechts­kraft oder Unan­fecht­bar­keit (§ 29 Abs. 4 Nr. 3 StVG). Nach Ein­tritt der Til­gungs­rei­fe unter­lie­gen Ein­tra­gun­gen nach herr­schen­der ober­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung gemäß § 29 Abs. 8 Satz 1 StVG einem Ver­wer­tungs­ver­bot; maß­geb­li­cher Zeit­punkt hier­für ist der Tag der das neue Ver­fah­ren abschlie­ßen­den tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dung. Das Ver­wer­tungs­ver­bot gilt auch, wenn der neue Ver­stoß bereits vor Ablauf der Til­gungs­frist began­gen wur­de und die Ein­tra­gung zum Zeit­punkt der neu­en Ent­schei­dung wegen der Über­lie­ge­frist nach § 29 Abs. 7 StVG noch nicht gelöscht ist 3.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 25. März 2013 – 322 SsBs 54/​13

  1. Hent­schel-König, StVG, 41. Aufl., § 25 Rn. 30[]
  2. KG, Beschluss vom 20.02.2004 – 2 Ss 174/​03; OLG Dres­den, DAR 2006, 161[]
  3. OLG Braun­schweig DAR 2008, 218; OLG Mün­chen NStZ-RR 2008, 89; OLG Bam­berg DAR 2007, 38; OLG Hamm NZV 2006, 487, 488; OLG Hamm VRS 111, 67, 69; KG DAR 2004, 101; OLG Naum­burg VRS 100, 201, 203; OLG Köln NZV 2000, 430; Hent­schel-Dau­er, StVG, § 29 Rdnr. 12; Jan­ker in: Jagow/​Burmann/​Heß, § 29 StVG Rdnr. 3, 17 m. w. N.; a. A. [wohl nur] AG Wolf­rats­hau­sen NZV 2006, 488[]