Auf­be­wah­rung frem­der Betäu­bungs­mit­teln – und die Teil­nah­me am Han­del­trei­ben

Zwar kann das Auf­be­wah­ren von zum gewinn­brin­gen­den Umsatz bestimm­ten Betäu­bungs­mit­teln ein Tat­bei­trag sein, der die Annah­me täter­schaft­li­chen Han­del­trei­bens bereits für sich genom­men recht­fer­tigt1. Dies gilt auch, wenn der Täter das Rausch­gift für einen Drit­ten auf­be­wahrt2.

Auf­be­wah­rung frem­der Betäu­bungs­mit­teln – und die Teil­nah­me am Han­del­trei­ben

Aller­dings ist bei einer sol­chen För­de­rung des Umsatz­ge­schäfts eines ande­ren stets auch zu prü­fen, ob nicht ledig­lich von Bei­hil­fe zum Han­del­trei­ben aus­zu­ge­hen ist.

Die Abgren­zung zwi­schen (Mit)Täter­schaft und Bei­hil­fe ist auch in die­sen Fäl­len der Depothal­tung für einen ande­ren nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen vor­zu­neh­men3.

Danach ist in wer­ten­der Betrach­tung unter Berück­sich­ti­gung des Gra­des des eige­nen Inter­es­ses am Erfolg, des Umfangs der Tat­be­tei­li­gung und der Tat­herr­schaft oder doch wenigs­tens des Wil­lens zur Tat­herr­schaft zu beur­tei­len, ob ein Betei­lig­ter, der einen nicht ganz unter­ge­ord­ne­ten, die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­den Bei­trag leis­tet, auf der Grund­la­ge gemein­sa­men Wol­lens die Tat als eige­ne oder ob er ledig­lich frem­des Tun för­dern woll­te4.

Nach die­sen Grund­sät­zen sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall kein täter­schaft­li­ches Han­del­trei­ben:

Der Tat­bei­trag erschöpf­te sich in den Fäl­len eins bis elf der Urteils­grün­de in der blo­ßen Auf­be­wah­rung der Betäu­bungs­mit­tel für den geson­dert Ver­folg­ten I. , der die Por­tio­nie­rung und den Ver­kauf des Mari­hua­nas allein durch­führ­te; die­ser war im Ver­hält­nis zu dem Ange­klag­ten auch allein für die Beschaf­fung der Dro­gen zustän­dig und trug das Risi­ko für das gesam­te Gelin­gen der Rausch­gift­ge­schäf­te. Schon die ange­sichts des­sen nur unter­ge­ord­ne­te Betei­li­gung des Ange­klag­ten lässt hier die Annah­me von Bei­hil­fe nahe­lie­gend erschei­nen5.

Auch dass der Ange­klag­te „mehr­mals” auch selbst klei­ne­re Men­gen Mari­hua­na an Per­so­nen ver­kauf­te, die zu ihm geschickt wor­den waren, führt für den Bun­des­ge­richts­hof nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung. Denn man­gels dahin­ge­hen­der Fest­stel­lun­gen konn­ten sol­che Ver­käu­fe kei­ner der Lie­fe­run­gen I.s ein­deu­tig zuge­ord­net wer­den, so dass sie – nicht zuletzt unter Beach­tung des Zwei­fels­sat­zes – in kei­nem der Ein­zel­fäl­le dafür her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen, eine schwer wie­gen­de Tat­be­tei­li­gung des Ange­klag­ten zu bele­gen. Da das Land­ge­richt auch kei­ne genau­en Anga­ben zur Häu­fig­keit sol­cher Ver­käu­fe machen konn­te, kön­nen sie erst recht nicht bei allen elf fest­ge­stell­ten Fäl­len zu Las­ten des Ange­klag­ten berück­sich­tigt wer­den.

Gegen die Annah­me von Täter­schaft und für die Ein­ord­nung der Tat­be­tei­li­gung des Ange­klag­ten als Bei­hil­fe spricht zudem die beschränk­te Eigen­nüt­zig­keit sei­nes Ver­hal­tens: Die Straf­kam­mer hat nicht aus­schlie­ßen kön­nen, dass das ihm als Gegen­leis­tung über­las­se­ne Mari­hua­na aus­schließ­lich der Deckung sei­nes Eigen­be­darfs dien­te. Die Gegen­leis­tung war zudem nicht umsatz­ab­hän­gig und ver­hält­nis­mä­ßig gering6.

In eini­gen Fäl­len kam vor­lie­gend zu der Ver­wah­rung der Betäu­bungs­mit­tel als ein­zi­ge wei­te­re Tat­be­tei­li­gung hin­zu, dass der Ange­klag­te das Mari­hua­na gemein­sam mit dem geson­dert Ver­folg­ten M. por­tio­nier­te. Auch eine sol­che ganz unter­ge­ord­ne­te Hilfs­tä­tig­keit7 trägt hier ange­sichts des Umstands, dass der Ange­klag­te in An- und Ver­kauf der Betäu­bungs­mit­tel nicht ein­ge­bun­den war, und mit Blick auf sei­ne beschränk­te Eigen­nüt­zig­keit – er erhielt wie­der­um nicht aus­schließ­bar zum Eigen­be­darf nur ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ge Men­gen Mari­hua­na – nicht die Wer­tung, er habe „einen nicht nur uner­heb­li­chen Tat­bei­trag” erbracht und des­halb täter­schaft­lich Han­del mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge getrie­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Mai 2017 – 3 StR 166/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 18.03.1981 – 3 StR 68/​81, NStZ 1981, 263; vom 20.01.1982 – 2 StR 593/​81, BGHSt 30, 359, 361; vom 02.01.1990 – 1 StR 642/​89, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 20; vom 23.09.1992 – 3 StR 275/​92, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 35
  2. BGH, Beschlüs­se vom 25.05.1994 – 2 StR 203/​94, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 42; vom 29.11.1994 – 4 StR 637/​94, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 47; vom 04.06.2003 – 2 StR 139/​03, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 59; Urteil vom 19.12 2013 – 4 StR 300/​13, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 83
  3. BGH, Beschluss vom 04.06.2003 – 2 StR 139/​03, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 59 mwN
  4. BGH, Beschluss vom 05.10.2010 – 3 StR 339/​10, NStZ-RR 2011, 57 mwN
  5. vgl. Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., § 29 Rn. 241 mwN; vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 29.11.1994 – 4 StR 637/​94, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 47; vom 04.06.2003 – 2 StR 139/​03, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 59
  6. vgl. Körner/​Patzak/​Volkmer aaO, § 29 Rn. 240 mwN; BGH, Beschluss vom 04.03.1993 – 4 StR 69/​93, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 36
  7. vgl. BGH, Urteil vom 28.11.1990 – 3 StR 395/​90, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 25; Körner/​Patzak/​Volkmer aaO, § 29 Rn. 243