Auf­he­bung einer Gesamt­stra­fe durch das Revi­si­ons­ge­richt

Bei Auf­he­bung einer Gesamt­stra­fe durch das Revi­si­ons­ge­richt und Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Tat­ge­richt ist in der neu­en Ver­hand­lung die Gesamt­stra­fe nach Maß­ga­be der Voll­stre­ckungs­si­tua­ti­on zum Zeit­punkt der ers­ten tatrich­ter­li­chen Ver­hand­lung vor­zu­neh­men [1].

Auf­he­bung einer Gesamt­stra­fe durch das Revi­si­ons­ge­richt

Dabei ist das Ver­schlech­te­rungs­ver­bot des § 358 Abs. 2 StPO in den Blick zu neh­men.

Im Ein­zel­nen galt damit im hier ent­schie­de­nen Fall:

Soll­te nach dem Urteil des Amts­ge­richts Mün­chen vom 05.02.2007 bis zur Rechts­kraft am 8.10.2007 kei­ne Ver­hand­lung zur Sache mehr erfolgt sein, wäre eine ers­te Gesamt­stra­fe aus den Ein­zel­stra­fen für die Bei­hil­fe zur Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung für die Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me 2004 und 2005 durch D. (Ein­zel­frei­heits­stra­fen von fünf und sechs Mona­ten) unter Ein­be­zie­hung der Stra­fe von einem Jahr aus dem Urteil des Amts­ge­richts Mün­chen zu bil­den. Wegen der Zäsur­wir­kung die­ser Vor­ver­ur­tei­lung wäre aus den übri­gen Ein­zel­stra­fen eine wei­te­re Gesamt­stra­fe zu bil­den.

Hier­bei wäre – wie es das Land­ge­richt in dem ange­foch­te­nen Urteil zutref­fend gehand­habt hat – zu berück­sich­ti­gen, dass die im ers­ten Rechts­gang als ein­heit­li­che Hand­lung beur­teil­te Tat nun­mehr als Mehr­heit zwei­er selb­stän­di­ger Hand­lun­gen bewer­tet wor­den ist. Dem­entspre­chend sind hier­für zwei Ein­zel­stra­fen fest­ge­setzt wor­den. Die­se durf­ten wegen des Ver­bots der Schlech­ter­stel­lung jeweils ihrer Höhe nach die Ein­zel­stra­fe des ers­ten Urteils nicht über­stei­gen, jede der neu­en Ein­zel­stra­fen durf­te aber die Höhe der ursprüng­li­chen Ein­heits­stra­fe errei­chen. Die aus den neu­en Ein­zel­stra­fen zu bil­den­de Gesamt­stra­fe darf jedoch nicht höher bemes­sen wer­den, als jene Ein­zel­stra­fe des ers­ten Urteils [2], wes­we­gen gege­be­nen­falls eine Erhö­hung der ver­wirk­ten schwers­ten Stra­fe um die wei­te­re Stra­fe für den ursprüng­lich mit einer Ein­heits­stra­fe geahn­de­ten Lebens­sach­ver­halt zu unter­blei­ben hat [3].

Bei­de Gesamt­stra­fen dürf­ten in der Sum­me nicht mehr betra­gen als die Sum­me aus der nun auf­ge­ho­be­nen Gesamt­stra­fe und der rechts­feh­ler­haft nicht ein­be­zo­ge­nen ander­wei­tig rechts­kräf­tig gewor­de­nen Frei­heits­stra­fe.

Der Bun­des­ge­richts­hof weist vor­sorg­lich dar­auf hin, dass die Auf­he­bung nicht die Fra­ge der Kom­pen­sa­ti­on einer bis zur revi­si­ons­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ein­ge­tre­te­nen über­lan­gen Ver­fah­rens­dau­er erfasst [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2017 – 1 StR 136/​17

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 20.12 2011 – 3 StR 374/​11, NStZ-RR 2012, 106 mwN; und vom 10.01.2017 – 3 StR 497/​16, NStZ-RR 2017, 169; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 55 Rn. 37[]
  2. BGH, Urtei­le vom 13.10.1953 – 1 StR 710/​52; und vom 14.10.1959 – 2 StR 291/​59, BGHSt 14, 5, 7 f.; jeweils unter Hin­weis auf RGSt 67, 236, 241; BGH, Urteil vom 21.05.1991 – 4 StR 144/​91, BGHR StPO § 358 Abs. 2 Nach­teil 5; KK-StPO/­Paul, 7. Aufl., § 331 Rn. 2a; Mey­er-Goß­ner in Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 60. Aufl., § 331 Rn. 18[]
  3. BGH, Urteil vom 14.10.1959 – 2 StR 291/​59, BGHSt 14, 5, 8; vgl. auch BGH, Urteil vom 21.05.1991 – 4 StR 144/​91, BGHR StPO § 358 Abs. 2 Nach­teil 5[]
  4. vgl. nur BGH, Beschluss vom 22.01.2013 – 1 StR 234/​12, wis­tra 2013, 150, 151[]