Auf­he­bung von Haupt­ver­hand­lungs­ter­mi­nen – wegen mög­li­cher Infek­ti­on mit Coro­na-Virus

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat einen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung abge­lehnt, da die zugleich erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Ableh­nung der Auf­he­bung zwei­er Haupt­ver­hand­lungs­ter­mi­ne – nach der­zei­ti­gem Stand – unzu­läs­sig ist:

Auf­he­bung von Haupt­ver­hand­lungs­ter­mi­nen – wegen mög­li­cher Infek­ti­on mit Coro­na-Virus

Soweit eine Ver­let­zung des Grund­sat­zes des fai­ren Ver­fah­rens und der Öffent­lich­keit der Haupt­ver­hand­lung gel­tend gemacht wird, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wegen des Ver­sto­ßes gegen den Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät unzu­läs­sig. Inso­weit ist der Beschwer­de­füh­rer auf das fach­ge­richt­li­che Ver­fah­ren zu ver­wei­sen; eine Über­prü­fung der Ter­mins­la­dung als gericht­li­che Zwi­schen­ent­schei­dung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kommt nicht in Betracht [1].

Soweit der Beschwer­de­füh­rer sich mit der Rüge, ihm dro­he im Rah­men der Haupt­ver­hand­lung eine gegen Arti­kel 2 Absatz 2 Satz 1 GG ver­sto­ßen­de Gesund­heits­ge­fahr durch die Infek­ti­on mit dem Coro­na-Virus, gegen die Bestä­ti­gung der Ter­mins­la­dung und die im Beschwer­de­weg ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Mün­chen II und des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen wen­det, steht dem der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät zwar nicht ent­ge­gen, weil die behaup­te­ten Gesund­heits­ge­fah­ren im Wege des nach­ge­la­ger­ten fach­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes nicht mehr beho­ben wer­den könn­ten [2]. Jedoch genügt die Antrags­schrift des Beschwer­de­füh­rers – nach der­zei­ti­gem Stand – den Begrün­dungs- und Sub­stan­ti­ie­rungs­er­for­der­nis­sen der § 23 Absatz 1 Satz 2, § 92 BVerfGG nicht. Sie setzt sich weder in tat­säch­li­cher noch in recht­li­cher Hin­sicht mit den vom Land­ge­richt durch­ge­führ­ten Schutz­vor­keh­run­gen aus­ein­an­der [3], son­dern behaup­tet pau­schal und ohne hin­rei­chen­den Beleg, nur ein „abso­lu­tes Kon­takt­ver­bot“ kön­ne eine Infek­ti­on ver­hin­dern. Ins­be­son­de­re hat der Beschwer­de­füh­rer nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, dass die getrof­fe­nen Schutz­maß­nah­men für einen Infek­ti­ons­schutz offen­sicht­lich unge­eig­net oder völ­lig unzu­läng­lich sind oder erheb­lich hin­ter dem Schutz­ziel zurück­blei­ben [4].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 1. April 2020 – 2 BvR 571/​20

  1. vgl. BVerfGE 21, 139, 143[]
  2. vgl. BVerfGE 51, 324, 342 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 105, 252, 264; BVerfGK 14, 402, 417[]
  4. vgl. BVerfGE 77, 170, 215; 92, 26, 46; 125, 39, 78 f.; 142, 313, 337 f. Rn. 70[]