Auf­klä­rungs­hil­fe – erst in der Haupt­ver­hand­lung

Eine Straf­mil­de­rung wegen Auf­klä­rungs­hil­fe im Sin­ne von § 31 Satz 1 Nr. 1 BtMG kommt nicht in Betracht, wenn der Ange­klag­te Anga­ben zu dem mut­maß­lich am Betrieb der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Can­na­bis­plan­ta­ge Betei­lig­ten erst in der Haupt­ver­hand­lung gemacht hat und die­ser ver­typ­te Straf­mil­de­rungs­grund mit­hin prä­k­lu­diert ist (§ 31 Satz 3 BtMG, § 46b Abs. 3 StGB).

Auf­klä­rungs­hil­fe – erst in der Haupt­ver­hand­lung

In die­sen Fäl­len kön­nen eine Auf­klä­rungs­hil­fe oder jeden­falls dahin­ge­hen­de Bemü­hun­gen im Rah­men der all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen zu Guns­ten des Ange­klag­ten zu berück­sich­ti­gen sein1.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te das erst­in­stanz­lich täti­ge Land­ge­richt inso­weit aber nicht wider­spruchs­frei dar­ge­legt, ob es den Anga­ben des Ange­klag­ten Glau­ben geschenkt hat und ob nach sei­ner Über­zeu­gung – allein die­se ist maß­geb­lich2 – von einem Auf­klä­rungs­er­folg aus­zu­ge­hen ist: In den Fest­stel­lun­gen hat es aus­ge­führt, dass der ander­wei­tig Ver­folg­te V. "ver­mut­lich" zumin­dest am Betrieb der Plan­ta­ge betei­ligt war. In der Beweis­wür­di­gung hat die Straf­kam­mer dazu meh­re­re Indi­zi­en genannt, die für eine Betei­li­gung V. s spre­chen und hat die­se als Bestä­ti­gung für die Glaub­haf­tig­keit des Geständ­nis­ses des Ange­klag­ten gewer­tet. Damit nicht in Ein­klang zu brin­gen sind als­dann aber die Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen des ange­foch­te­nen Urteils, in denen das Land­ge­richt – ohne sich im Übri­gen damit zu befas­sen, ob die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen der Auf­klä­rungs­hil­fe gemäß § 31 Satz 1 und 2 BtMG vor­lie­gen – aus­ge­führt hat, dem Ange­klag­ten sei­en ledig­lich "gewis­se Auf­klä­rungs­be­mü­hun­gen" zugu­te zu hal­ten, aber kein Auf­klä­rungs­er­folg.

Bleibt damit unklar, wel­ches Gewicht die Straf­kam­mer den straf­mil­dernd zu berück­sich­ti­gen­den Anga­ben des Ange­klag­ten bei­gemes­sen und ob sie die Ein­ord­nung als Auf­klä­rungs­be­mü­hun­gen rechts­feh­ler­frei vor­ge­nom­men hat, kann der Bun­des­ge­richts­hof ange­sichts der mit Blick auf die fest­ge­stell­ten zahl­rei­chen und gewich­ti­gen all­ge­mei­nen Straf­mil­de­rungs­grün­de – Unbe­straft­heit des Ange­klag­ten, weit­ge­hen­des Geständ­nis, voll­stän­di­ge Sicher­stel­lung der Betäu­bungs­mit­tel – hohen Frei­heits­stra­fe nicht aus­schlie­ßen, dass das Land­ge­richt bei wider­spruchs­frei­er Dar­le­gung und Bewer­tung der genann­ten Anga­ben auf eine nied­ri­ge­re Frei­heits­stra­fe erkannt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Febru­ar 2016 – 3 StR 513/​15

  1. BGH, Beschluss vom 15.03.2011 – 1 StR 75/​11, BGHSt 56, 191, 193; Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., § 31 Rn. 32 mwN []
  2. vgl. Körner/​Patzak/​Volkmer, aaO, Rn. 44 mwN []