Auf­las­sungs­vor­mer­kung zuguns­ten einer nicht­exis­ten­ten Per­son – und die mit­tel­ba­re Falsch­be­ur­kun­dung

Die Ver­an­las­sung des gut­gläu­bi­gen Notars, beim Grund­buch­amt eine Auf­las­sungs­vor­mer­kung zuguns­ten einer nicht exis­ten­ten Per­son im Grund­buch zu erwir­ken, erfüllt nicht den Tat­be­stand der mit­tel­ba­ren Falsch­be­ur­kun­dung (§ 271 Abs. 1 StGB).

Auf­las­sungs­vor­mer­kung zuguns­ten einer nicht­exis­ten­ten Per­son – und die mit­tel­ba­re Falsch­be­ur­kun­dung

Zwar han­delt es sich bei dem Grund­buch um ein öffent­li­ches Buch im Sin­ne des § 271 Abs. 1 StGB; dies ergibt sich aus den Vor­schrif­ten der §§ 891, 892 BGB 1. Auch war die ein­ge­tra­ge­ne Auf­las­sungs­vor­mer­kung unrich­tig. Indes wird nicht durch jede in einem öffent­li­chen Buch ent­hal­te­ne unrich­ti­ge Anga­be, die ein Außen­ste­hen­der durch Täu­schung des gut­gläu­bi­gen Amts­trä­gers bewirkt, der Tat­be­stand des § 271 Abs. 1 StGB ver­wirk­licht. Straf­be­wehrt beur­kun­det im Sin­ne der Straf­norm sind viel­mehr nur die­je­ni­gen Erklä­run­gen, Ver­hand­lun­gen oder Tat­sa­chen, auf die sich der öffent­li­che Glau­be, das heißt die "vol­le Beweis­wir­kung für und gegen jeder­mann" erstreckt. Für die inhalt­li­che Reich­wei­te die­ser erhöh­ten Beweis­kraft ist, soweit eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Rege­lung zur Beweis­wir­kung besteht, die­se aus­schlag­ge­bend. Fehlt eine sol­che, kann sich die erhöh­te Beweis­kraft mit­tel­bar – unter Beach­tung der Anschau­ung des Rechts­ver­kehrs – aus den Rechts­vor­schrif­ten erge­ben, die für die Errich­tung und den Zweck der Urkun­de maß­geb­lich sind 2.

Gemes­sen dar­an, besteht hin­sicht­lich der Ein­tra­gung einer Auf­las­sungs­vor­mer­kung zuguns­ten einer nicht exis­ten­ten Per­son im Grund­buch kein öffent­li­cher Glau­ben. Die erhöh­te Beweis­kraft des Grund­buchs nach §§ 891, 892 BGB erstreckt sich nicht auf die Exis­tenz (und Rechts­fä­hig­keit) des Ein­ge­tra­ge­nen. Die Grund­buch­fä­hig­keit ist zwar Vor­aus­set­zung der Ein­tra­gung; als vom Grund­buch­amt ledig­lich über­nom­me­ne Erklä­rung wird sie aber nicht selbst zur Rechts­be­haup­tung des Grund­buchs. Daher ist das für einen nicht exis­tie­ren­den (bzw. nicht rechts­fä­hi­gen) Berech­tig­ten ein­ge­tra­ge­ne Recht nicht gut­glau­bens­schutz­fä­hig 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. August 2018 – 3 StR 205/​18

  1. vgl. OLG Stutt­gart, Beschluss vom 14.03.1985 – 3 Ss (14) 823/​84, NStZ 1985, 365; S/​S‑Heine/​Schuster, StGB, 29. Aufl., § 271 Rn. 13[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.06.2016 – 3 StR 128/​16, BGHR StGB § 271 Abs. 1 Öffent­li­cher Glau­be 5; Urteil vom 11.01.2018 – 3 StR 378/​17, NStZ 2018, 406, 407, jeweils mwN[]
  3. vgl. OLG Frank­furt, Beschluss vom 24.06.2003 – 20 W 274/​02, ZfIR 2005, 254, 255; Münch­Komm-BGB/­Koh­ler, 7. Aufl., § 891 Rn. 10 aE; fer­ner Jauernig/​Berger, BGB, 17. Aufl., § 891 Rn. 3, § 892 Rn. 7[]