Aus­fuhr von Waf­fen nach Kolum­bi­en – und die Ein­zie­hung der Verkaufserlöse

Das Urteil des Land­ge­richts Kiel gegen den Waf­fen­pro­du­zen­ten „Sig Sau­er“ wegen Ein­zie­hung des durch die Aus­fuhr von Waf­fen nach Kolum­bi­en Erlang­ten ist weit­ge­hend rechts­kräf­tig, nach­dem der Bun­des­ge­richts­hof die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­si­on weit­ge­hend zurück­ge­wie­sen hat:

Aus­fuhr von Waf­fen nach Kolum­bi­en – und die Ein­zie­hung der Verkaufserlöse

Das Land­ge­richt Kiel hat drei Ange­klag­te wegen Aus­fuhr von Gütern ohne Geneh­mi­gung nach dem Außen­wirt­schafts­ge­setz in meh­re­ren Fäl­len zu Frei­heits­stra­fen ver­ur­teilt und deren Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt1. Gegen die Ein­zie­hungs­be­tei­lig­ten, drei Gesell­schaf­ten aus der SIG SAUER Unter­neh­mens­grup­pe, hat es die Ein­zie­hung von meh­re­ren Mil­lio­nen Euro angeordnet.

Nach den durch das Land­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ver­pflich­te­te sich die in den USA ansäs­si­ge Sig Sau­er Inc. gegen­über einer Beschaf­fungs­stel­le des US-Mili­tärs, Pis­to­len zur Aus­stat­tung der kolum­bia­ni­schen Natio­nal­po­li­zei unmit­tel­bar nach Kolum­bi­en zu lie­fern. Die Waf­fen wur­den auf­grund einer kon­zern­in­ter­nen Ent­schei­dung im Werk der Sig Sau­er Betei­li­gungs GmbH in Deutsch­land pro­du­ziert, sodann im Rah­men eines sog. Inter­com­pa­ny-Geschäfts in der Zeit von April 2009 bis April 2011 der Sig Sau­er Inc. zuge­lie­fert und von die­ser größ­ten­teils nach Kolum­bi­en re-expor­tiert. Ent­spre­chend den Anträ­gen der Sig Sau­er Betei­li­gungs GmbH, die die Bestä­ti­gung ent­hiel­ten, dass die Pis­to­len nicht ohne Geneh­mi­gung in ande­re Län­der re-expor­tiert wer­den, wur­de die Aus­fuhr aus­schließ­lich zum Ver­trieb und Ver­bleib der Güter in den USA geneh­migt. Tat­säch­lich war jedoch bereits vor Ein­ho­lung der Geneh­mi­gun­gen die Wei­ter­lie­fe­rung nach Kolum­bi­en geplant. Die Sig Sau­er Sau­er Betei­li­gungs GmbH erlös­te durch den Ver­kauf der Waf­fen an die Sig Sau­er Inc. 7.440.532,20 €, der Umsatz der Waf­fen­ge­schäf­te zwi­schen der Sig Sau­er Inc. und dem US-Mili­tär betrug 11.103.040,74 €. Im Jahr 2011 schloss die Sig Sau­er Betei­li­gungs GmbH einen Aus­glie­de­rungs- und Über­nah­me­ver­trag mit einer Ziel­ge­sell­schaft, die nun­mehr als Sig Sau­er GmbH & Co. KG fir­miert. Über­tra­gen wur­den sämt­li­che Akti­va und Pas­si­va mit Aus­nah­me des Grund­be­sit­zes, dar­auf bezo­ge­ne Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge und ihre Betei­li­gung an dem Grundbesitz.

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Das Land­ge­richt hat die Ange­klag­ten wegen Ver­sto­ßes gegen das Außen­wirt­schafts­ge­setz ver­ur­teilt, weil die Re-Expor­te gegen die Bedin­gun­gen der erteil­ten Geneh­mi­gun­gen ver­sto­ßen hät­ten. Die ursprüng­lich geneh­mig­ten Aus­fuh­ren in die USA sei­en daher rück­wir­kend ohne Geneh­mi­gung erfolgt. Inso­weit stand das Urteil nicht zur revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung durch den Bundesgerichtshof.

Bei den Ein­zie­hungs­be­tei­lig­ten hat das Land­ge­richt die Ein­zie­hung des Wer­tes der jeweils erziel­ten Umsatz­er­lö­se ange­ord­net. Hier­ge­gen wen­den sich die Ein­zie­hungs­be­tei­lig­ten mit ihren Revisionen.

Die durch die Rechts­mit­tel ver­an­lass­te Über­prü­fung des Urteils durch den 3. Straf­se­nat hat hin­sicht­lich der Ein­zie­hungs­be­tei­lig­ten Sig Sau­er Betei­li­gungs GmbH und Sig Sau­er Inc. kei­nen durch­grei­fen­den, sie belas­ten­den Rechts­feh­ler erge­ben. Das Land­ge­richt hat auf Grund­la­ge der rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen die Vor­aus­set­zun­gen der Ein­zie­hung im Ergeb­nis zu Recht bejaht und anhand der erziel­ten Ver­äu­ße­rungs­er­lö­se die Höhe der Ein­zie­hungs­be­trä­ge zutref­fend bestimmt.

Auf die Revi­si­on der Sig Sau­er GmbH & Co. KG hat der Bun­des­ge­richts­hof die sie betref­fen­de Ein­zie­hungs­an­ord­nung hin­ge­gen auf­ge­ho­ben und die Sache zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an eine ande­re Wirt­schafts­straf­kam­mer des Land­ge­richts zurück­ver­wie­sen. Das ange­grif­fe­ne Urteil ent­hält kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu, wel­chen Wert dem aus­ge­glie­der­ten Ver­mö­gen zukam und ob mit der Aus­glie­de­rung der staat­li­che Zugriff ver­ei­telt oder die Tat ver­schlei­ert wer­den soll­te. Die bis­he­ri­gen, für sich genom­men rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof auf­recht­erhal­ten. Das land­ge­richt­li­che Urteil ist somit weit­ge­hend rechtskräftig. 

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Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Juli 2021 – 3 StR 518/​19

  1. LG Kiel, Urti­el vom 03.04.2019 – 3 KLs 3/​18[]

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