Aus­län­di­sche Fol­ter­haft und die deut­sche Bot­schaft

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz gegen ein Mit­glied von Al Qai­da bestä­tigt, dass auf einer Aus­sa­ge beruht, die der Ange­klag­te gegen­über einem deut­schen Bot­schafts­an­ge­hö­ri­gen wäh­rend sei­ner paki­stan­si­chen Fol­ter­haft getä­tigt hat.

Aus­län­di­sche Fol­ter­haft und die deut­sche Bot­schaft

Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz hat den Ange­klag­ten wegen Mit­glied­schaft in einer aus­län­di­schen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung in Tat­ein­heit mit meh­re­ren Ver­stö­ßen gegen das gegen Al Qai­da ver­häng­te Wirt­schafts-Embar­go zu einer Frei­heits­stra­fe von acht Jah­ren ver­ur­teilt 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit Zustim­mung des Gene­ral­bun­des­an­walts die Embar­go­ver­stö­ße von der Straf­ver­fol­gung aus­ge­nom­men, im Übri­gen jedoch die Revi­si­on des Ange­klag­ten ver­wor­fen.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz war der Ange­klag­te – ein 1962 in Paki­stan gebo­re­ner und 1992 in Deutsch­land ein­ge­bür­ger­ter sun­ni­ti­scher Mus­lim – spä­tes­tens ab Som­mer 2004 bis zu sei­ner Ver­haf­tung im Febru­ar 2008 Mit­glied in der aus­län­di­schen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung Al Qai­da. In die­ser Eigen­schaft brach­te er Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de und Geld für Al Qai­da von Deutsch­land in das paki­sta­nisch-afgha­ni­sche Grenz­ge­biet, bemüh­te sich um die Rekru­tie­rung von Kämp­fern, warb Unter­stüt­zer, nahm selbst an Aus­bil­dun­gen der Al Qai­da teil und stell­te sich als Kämp­fer zur Ver­fü­gung.

Kennt­nis von die­sen Taten erlang­ten die deut­schen Ermitt­lungs­be­hör­den, nach­dem der Ange­klag­te in Paki­stan fest­ge­nom­men wor­den war. Bei Ver­neh­mun­gen durch den paki­sta­ni­schen Geheim­dienst ISI, bei denen er zum Teil geschla­gen wor­den war, hat­te er die Taten zuge­ge­ben. Nach sei­ner Rück­kehr nach Deutsch­land hat­te der Ange­klag­te die Tat­vor­wür­fe bestrit­ten und sei­ne Anga­ben in Paki­stan als durch Fol­ter erzwun­ge­ne unwah­re Geständ­nis­se bezeich­net hat. Das Ober­lan­des­ge­richt hat sei­ne Über­zeu­gung von der Täter­schaft des Ange­klag­ten unter ande­rem auch auf die Bekun­dun­gen eines Mit­ar­bei­ters der deut­schen Bot­schaft in Islam­abad gestützt. Die­ser hat­te den Ange­klag­ten im Gewahr­sam des ISI auf­ge­sucht. Dabei war ihm vom Ange­klag­ten sowohl von den Miss­hand­lun­gen als auch von den Straf­ta­ten berich­tet wor­den.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ver­wer­tung der Aus­sa­ge des Bot­schafts­an­ge­hö­ri­gen über das ihm gegen­über abge­ge­be­ne Geständ­nis des Ange­klag­ten gebil­ligt. Des­sen Anhö­rung war kei­ne Ver­neh­mung im Sin­ne von § 136a StPO, son­dern dien­te der Für­sor­ge für im Aus­land in Haft genom­me­ne deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge. Das Gespräch war von der durch die Mit­ar­bei­ter des ISI in der Zeit davor aus­ge­üb­ten Gewalt auch nicht mehr beein­flusst. Eine Fern­wir­kung der vom Ange­klag­ten erlit­te­nen Miss­hand­lun­gen in der Form, alles, was er wäh­rend sei­ner Inhaf­tie­rung durch den ISI auch Drit­ten gegen­über geäu­ßert hat, mit einem Ver­wer­tungs­ver­bot zu bele­gen, hat der Bun­des­ge­richts­hof nicht ange­nom­men.

Das Gespräch, das ein Kon­su­lar­be­am­ter mit einem in aus­län­di­scher Haft befind­li­chen deut­schen Beschul­dig­ten in Erfül­lung sei­ner Hilfs­pflicht nach § 7 KonsG führt, ist kei­ne Ver­neh­mung im Sin­ne von § 136a StPO.

Wird ein Beschul­dig­ter in aus­län­di­scher Haft bei Ver­neh­mun­gen geschla­gen, so führt dies nicht zur Unver­wert­bar­keit sei­ner Äuße­run­gen im Rah­men eines Gesprächs, das er wäh­rend der Haft mit einem deut­schen Kon­su­lar­be­am­ten führt, wenn hier­bei die Miss­hand­lun­gen kei­nen Ein­fluss auf den Inhalt sei­ner Anga­ben mehr haben.

Obwohl der Vor­wurf, durch den mehr­fa­chen Trans­fer von Geld an ande­re Mit­glie­der der Al Qai­da auch gegen das Außen­wirt­schafts­ge­setz ver­sto­ßen zu haben, im Revi­si­ons­ver­fah­ren von der Ver­fol­gung aus­ge­nom­men wor­den ist, hat der Bun­des­ge­richts­hof die vom Ober­lan­des­ge­richt ver­häng­te Stra­fe bestehen las­sen; denn das Ober­lan­des­ge­richt hat die­se Ver­stö­ße bei der Straf­zu­mes­sung aus­drück­lich nicht zu Las­ten des Ange­klag­ten straf­schär­fend ver­wer­tet.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Sep­tem­ber 2010 – 3 StR 573/​09

  1. OLG Koblenz, Urteil vom 13.07.2009 – 2 StE 6/​08 – 8[]