Aus­lie­fe­rung, Gesamts­stra­fen­bil­dung – und der Spe­zia­li­täts­grund­satz

Erfasst ein Euro­päi­sche Haft­be­fehl ledig­lich die im hie­si­gen Ver­fah­ren gegen­ständ­li­che Straf­tat und ist der Ange­klag­te nur zur Ver­fol­gung die­ser Straf­tat aus­ge­lie­fert wor­den, so wird hier­von die Voll­stre­ckung einer frü­her ver­häng­ten Geld­stra­fe nicht umfasst.

Aus­lie­fe­rung, Gesamts­stra­fen­bil­dung – und der Spe­zia­li­täts­grund­satz

Solan­ge der Ange­klag­te daher nicht auf die Beach­tung des Spe­zia­li­täts­grund­sat- ver­zich­tet, ver­stößt bei die­ser Ver­fah­rens­la­ge die Ein­be­zie­hung der frü­he­ren Stra­fe in die Gesamt­frei­heits­stra­fe gegen den Grund­satz der Spe­zia­li­tät (Art. 83h Abs. 1 IRG).

Die Nicht­be­ach­tung des aus­lie­fe­rungs­recht­li­chen Spe­zia­li­täts­grund­sat­zes bewirkt ein Voll­stre­ckungs­hin­der­nis. Eine wegen die­ses Hin­der­nis­ses nicht voll­streck­ba­re Stra­fe darf nicht in eine Gesamt­stra­fe ein­be­zo­gen wer­den 1.

Dies gilt unge­ach­tet des Umstan­des, dass gegen den Ange­klag­ten durch das Urteil des Land­ge­richts Worms ledig­lich eine Geld­stra­fe fest­ge­setzt wur­de; ein Anwen­dungs­fall der Aus­nah­me­re­ge­lung des § 83h Abs. 2 Nr. 3 IRG liegt inso­weit nicht vor. Nach die­ser – ursprüng­lich für Geld­stra­fen vor­ge­se­he­nen – Vor­schrift ent­fällt die Spe­zia­li­tät, wenn die Straf­ver­fol­gung im kon­kre­ten Fall nicht zu einer Frei­heits­be­schrän­kung führt 2.

Zwar blei­ben bei einer nach § 55 StGB gebil­de­ten Gesamt­stra­fe – anders als bei der Ein­heits­ju­gend­stra­fe nach § 31 JGG – die zugrun­de lie­gen­den Ein­zel­stra­fen in gewis­sem Umfang selb­stän­dig, dies ändert jedoch nichts dar­an, dass – im Fal­le der Rechts­kraft – die Gesamt­frei­heits­stra­fe voll­streckt wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. April 2016 – 1 StR 661/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 04.02.2013 – 3 StR 395/​12, NStZ-RR 2013, 178; vom 25.06.2014 – 1 StR 218/​14, NStZ 2014, 590 m. w. N.[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.07.2011 – 4 StR 303/​11[]