Aus­lie­fe­rung oder frei­wil­li­ges Stel­len – und der aus­lie­fe­rungs­recht­li­che Spe­zia­li­täts­grund­satz

Ein Ver­stoß gegen § 83h Abs. 1 Nr. 1 IRG, der nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kein Ver­fah­rens, son­dern ledig­lich ein Voll­stre­ckungs­hin­der­nis begrün­det 1, kann nicht vor­lie­gen, wenn sich der Ange­klag­te aus frei­en Stü­cken gestellt hat.

Aus­lie­fe­rung oder frei­wil­li­ges Stel­len – und der aus­lie­fe­rungs­recht­li­che Spe­zia­li­täts­grund­satz

Dies gilt ins­be­son­de­re auch, wenn der Ange­klag­te sich wegen einer bereits recht­kräf­tig ver­häng­ten (frü­he­ren) Frei­heits­stra­fe zum Straf­an­tritt gestellt hat, nach­dem er zuvor nach Deutsch­land ein­ge­reist war. Die Voll­stre­ckung die­ser Frei­heits­stra­fe beruht dann nicht auf sei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­lie­fe­rung nach Deutsch­land auf­grund eines Euro­päi­schen Haftbefehls.Dem Straf­an­tritt im Inland war mit­hin kei­ne Über­ga­be des Ange­klag­ten durch einen ande­ren Staat an die deut­schen Voll­stre­ckungs­be­hör­den vor­aus­ge­gan­gen.

Es ist daher – unge­ach­tet des Umstands, dass der Ange­klag­te sich vor dem Hin­ter­grund sei­ner dro­hen­den Über­stel­lung zu die­sem Schritt ent­schlos­sen haben mag – recht­lich ohne Belang, dass die deut­schen Voll­stre­ckungs­be­hör­den auf der Grund­la­ge eines Euro­päi­schen Haft­be­fehls die Aus­lie­fe­rung des Ange­klag­ten zur Voll­stre­ckung der Gesamt­frei­heits­stra­fe aus dem bereits rechts­kräf­ti­gen Urteil betrie­ben, das Bezirks­ge­richt Dan­zig sei­ne Aus­lie­fe­rung bewil­lig­te und der Ange­klag­te im Rah­men des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens nicht auf die Ein­hal­tung des Grund­sat­zes der Spe­zia­li­tät ver­zich­te­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Febru­ar 2017 – 2 StR 162/​16

  1. BGH, Beschluss vom 16.11.2016 – 2 StR 246/​16, NStZ-RR 2017, 116; BGH, Beschluss vom 11.05.2016 – 1 StR 627/​15, NStZ-RR 2016, 290, 291; und vom 25.06.2014 – 1 StR 218/​14, NStZ 2014, 590 unter Bezug­nah­me auf das Urteil des EuGH vom 01.12 2008 – C‑388/​08, NStZ 2010, 35, 38 f. mit Anmer­kung Hei­ne[]