Aus­sa­gen kind­li­cher Zeu­gen – und die Erfor­der­lich­keit eines aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens

Die Wür­di­gung von Aus­sa­gen nicht nur erwach­se­ner, son­dern auch kind­li­cher oder jugend­li­cher Zeu­gen gehört zum Wesen rich­ter­li­cher Rechts­fin­dung und ist daher grund­sätz­lich dem Tatrich­ter anver­traut.

Aus­sa­gen kind­li­cher Zeu­gen – und die Erfor­der­lich­keit eines aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens

Die Ein­ho­lung eines aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens ist nur dann gebo­ten, wenn der Sach­ver­halt oder die Per­son des Zeu­gen sol­che Beson­der­hei­ten auf­weist, dass Zwei­fel dar­an auf­kom­men kön­nen, ob die Sach­kun­de des Gerichts auch zur Beur­tei­lung der Glaub­wür­dig­keit unter den gege­be­nen beson­de­ren Umstän­den aus­reicht1.

Ein sol­cher Aus­nah­me­fall liegt aber nicht allein des­halb vor, weil zwi­schen Tat und Urteil lan­ge Zeit ver­gan­gen ist, die Zeu­gin zur Tat­zeit noch ein Kind war und ihre Anga­ben in bestimm­ten Punk­ten kei­ne Kon­stanz auf­wei­sen. Dies sind Umstän­de, die ein Straf­rich­ter aus eige­ner Sach­kun­de beur­tei­len kann.

Im vor­lie­gen­den Fall kam noch hin­zu, dass das Land­ge­richt nach der Aus­kunft der psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen zudem ohne Rechts­feh­ler davon aus­ge­hen konn­te, dass kein psy­cho­pa­tho­lo­gi­scher Befund bei der Zeu­gin vor­liegt, der aus­nahms­wei­se die Hin­zu­zie­hung eines aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­schen Sach­ver­stän­di­gen nahe­ge­legt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Okto­ber 2017 – 2 StR 219/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.04.2006 – 1 StR 579/​05, NStZ-RR 2006, 242 f. []