Aussagen kindlicher Zeugen – und die Erforderlichkeit eines aussagepsychologischen Sachverständigengutachtens

31. Januar 2018 | Strafrecht
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Die Würdigung von Aussagen nicht nur erwachsener, sondern auch kindlicher oder jugendlicher Zeugen gehört zum Wesen richterlicher Rechtsfindung und ist daher grundsätzlich dem Tatrichter anvertraut.

Die Einholung eines aussagepsychologischen Sachverständigengutachtens ist nur dann geboten, wenn der Sachverhalt oder die Person des Zeugen solche Besonderheiten aufweist, dass Zweifel daran aufkommen können, ob die Sachkunde des Gerichts auch zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit unter den gegebenen besonderen Umständen ausreicht1.

Ein solcher Ausnahmefall liegt aber nicht allein deshalb vor, weil zwischen Tat und Urteil lange Zeit vergangen ist, die Zeugin zur Tatzeit noch ein Kind war und ihre Angaben in bestimmten Punkten keine Konstanz aufweisen. Dies sind Umstände, die ein Strafrichter aus eigener Sachkunde beurteilen kann.

Im vorliegenden Fall kam noch hinzu, dass das Landgericht nach der Auskunft der psychiatrischen Sachverständigen zudem ohne Rechtsfehler davon ausgehen konnte, dass kein psychopathologischer Befund bei der Zeugin vorliegt, der ausnahmsweise die Hinzuziehung eines aussagepsychologischen Sachverständigen nahegelegt hätte.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 4. Oktober 2017 – 2 StR 219/15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.04.2006 – 1 StR 579/05, NStZ-RR 2006, 242 f.

 
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