Aus­schlie­ßung eines Ver­tei­di­gers

Vor­aus­set­zung für den von der Staats­an­walt­schaft gel­tend gemach­ten Aus­schluss­grund des §138a Abs. 1 Nr. 1 StPO ist, dass Rechts­an­walt … drin­gend oder jeden­falls in einem die Eröff­nung des Haupt­ver­fah­rens gegen ihn recht­fer­ti­gen­den Gra­de (= hin­rei­chend im Sin­ne von §203 StPO) ver­däch­tig ist, an der Tat, die den Gegen­stand der Unter­su­chung gegen sei­nen Man­dan­ten bil­det, betei­ligt gewe­sen zu sein.

Aus­schlie­ßung eines Ver­tei­di­gers

Für den Antrag gel­ten nach ein­hel­li­ger Auf­fas­sung die von der Recht­spre­chung für das Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren auf­ge­stell­ten stren­gen Vor­aus­set­zun­gen1. Damit das Aus­schlie­ßungs­ver­fah­ren ord­nungs­ge­mäß­durch­ge­führt wer­den kann, muss der Antrag des­halb min­des­tens die Tat­sa­chen ent­hal­ten, aus denen sich im Fal­le ihres Nach­wei­ses das den Aus­schluss des Ver­tei­di­gers recht­fer­ti­gen­de Fehl­ver­hal­ten im Sin­ne des §138a Abs. 1 Nr. 1 StPO ergibt. Auch sind die Beweis­mit­tel in der Antrags­schrift anzu­ge­ben. Sowohl die Tat­sa­chen wie auch die Beweis­mit­tel müs­sen sich schlüs­sig allein aus der Begrün­dung des Vor­la­ge­an­trags erge­ben (§172 Abs. 3 Satz 1 StPO ent­spre­chend). Es obliegt nicht dem für das Aus­schlie­ßungs­ver­fah­ren zustän­di­gen Ober­lan­des­ge­richt, selbst nach den Grund­la­gen für eine Aus­schlie­ßung des Ver­tei­di­gers2 oder nach not­wen­di­gen Ergän­zun­gen für die Bestä­ti­gung eines vor­han­de­nen Ver­dachts zu suchen bzw. sich die­se aus Bezugs­fund­stel­len zu erschlie­ßen3.

Wird – wie hier – der Aus­schluss­grund des §138a Abs. 1 Nr. 1 StPO gel­tend gemacht, sind die­se sehr detail­lier­ten Anfor­de­run­gen nicht nur an die Dar­le­gung der­je­ni­gen Tat­sa­chen und Bewei­se zu stel­len, aus denen sich die straf­ba­re Betei­li­gung des Rechts­an­walts an der behaup­te­ten Tat des Beschul­dig­ten W. erge­ben soll, son­dern wegen des Grund­sat­zes der Akzess­orie­tät einer sol­chen Tat­be­tei­li­gung auch an die Dar­stel­lung der tat­säch­li­chen Umstän­de und Beweis­mit­tel, die zumin­dest den hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht der Haupt­tat selbst erge­ben. Dabei müs­sen sowohl hin­sicht­lich der Haupt­tat wie auch der straf­ba­ren Betei­li­gung an ihr nicht nur die objek­ti­ven, son­dern auch die sub­jek­ti­ven Tat­be­stands­merk­ma­le dar­ge­legt wer­den. Es müs­sen sich mit ande­ren Wor­ten alle in objek­ti­ver und sub­jek­ti­ver Hin­sicht benö­tig­ten Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel hin­sicht­lich bei­der Tat­vor­wür­fe schlüs­sig und unmit­tel­bar aus der Antrags­schrift selbst erge­ben.

In dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock ent­schie­de­nen Fall kon­sta­tier­te die Staats­an­walt­schaft inso­weit selbst, dass die Fra­ge „inwie­weit hier­durch bei dem Beschul­dig­ten W. ein Tatent­schluss her­vor­ge­ru­fen wur­de oder er zumin­dest bei sei­ner Tat durch das Ver­hal­ten des Rechts­an­walts … durch Rat und Tat unter­stützt wur­de, …noch nicht abschlie­ßend ermit­telt bzw. recht­lich bewertet„worden sei. Damit ent­zieht die Staats­an­walt­schaft jedoch ihrem eige­nen Antrag, der damit unschlüs­sig ist, den recht­li­chen Boden, denn sie bekun­det selbst, den Vor­wurf gegen den Rechts­an­walt noch nicht bis zur Ankla­ge­rei­fe, die nach einem „hinreichenden„Verdachtsgrad ver­langt, aus­er­mit­telt zu haben. Es ist nicht Auf­ga­be des Ober­lan­des­ge­richts, zu über­prü­fen, ob ent­ge­gen die­ser Rechts­auf­fas­sung der antrag­stel­len­den Staats­an­walt­schaft mög­li­cher­wei­se doch bereits hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht besteht.

Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock, Beschluss vom 2. April 2015 – 20 Ws 74/​15

  1. OLG, Beschluss vom 27.06.2000, – I Ws 209/​01, juris; vgl. auch grund­le­gend schon OLG Karls­ru­he NJW 1975, 943, 944 und OLG Düs­sel­dorf StV 1983, 117 sowie OLG Hamm, Beschluss vom 19.10.1998 – 2 Ws 481/​98, NStZ-RR 1999, 50; aus neue­rer Zeit: OLG Cel­le, Beschluss vom 28.10.2014, – 2 Ws 84/​14, Stra­Fo 2015, 21 jeweils m.w.N.; Mey­er-Goß­ner, StPO, 57. Aufl., §138c Rn. 9 m.w.N.
  2. OLG Düs­sel­dorf a.a.O. m.w.N.
  3. vgl. OLG Jena, Beschluss vom 14.10.2002 – 1 Ws 351/​02, NStZ 2005, 49