Aus­sch­witz und sei­ne Hel­fer

Das „Ausch­witz, Urteil“ des Land­ge­richts Lüne­burg ist rechts­kräf­tig, der Bun­des­ge­richts­hof hat sowohl die Revi­si­on des Ange­klag­ten wie auch die Revi­sio­nen meh­re­rer Neben­klä­ger zurück­ge­wie­sen. Das Land­ge­richt Lüne­burg hat­te den Ange­klag­ten, einen im Tat­zeit­raum 22 bzw. 23 Jah­re alten SS-Ange­hö­ri­gen, wegen Bei­hil­fe zum Mord in 300.000 recht­lich zusam­men­tref­fen­den Fäl­len zu einer Frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren ver­ur­teilt [1].

Aus­sch­witz und sei­ne Hel­fer

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts war der Ange­klag­te, der seit 1942 im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz ein­ge­setzt war, an der sys­te­ma­ti­schen Tötung der in Ungarn leben­den jüdi­schen Bevöl­ke­rung im Jahr 1944 betei­ligt. Im Rah­men die­ser sog. Ungarn-Akti­on wur­den in der Zeit vom 16.05.bis zum 11.07.1944 min­des­tens 300.000 Juden nach Ausch­witz depor­tiert und dort unmit­tel­bar nach ihrer Ankunft in Gas­kam­mern ermor­det. Der Ange­klag­te war in die Mas­sen­tö­tun­gen in ver­schie­de­ner Wei­se ein­ge­bun­den. An min­des­tens drei Tagen war er an der Ram­pe ein­ge­setzt, an der die Züge im Lager ein­tra­fen. Dort hat­te er in ers­ter Linie die Auf­ga­be, das Gepäck der Depor­tier­ten zu bewa­chen. Dadurch soll­te ver­hin­dert wer­den, dass die­ses vor den Augen der Opfer geöff­net, durch­sucht und geplün­dert wur­de, was deren für den wei­te­ren Ablauf als uner­läss­lich ange­se­he­ne Arg­lo­sig­keit hät­te besei­ti­gen und zu Unru­he hät­te füh­ren kön­nen. Zugleich war der Ange­klag­te bei sei­ner Tätig­keit an der Ram­pe auch Teil einer Droh­ku­lis­se, die jeden Gedan­ken an Wider­stand oder Flucht bereits im Keim ersti­cken soll­te. Dane­ben wirk­te der Ange­klag­te bei der Ver­wer­tung der Ver­mö­gens­wer­te der Depor­tier­ten zuguns­ten der SS mit. Schließ­lich oblag es ihm wäh­rend sei­ner gesam­ten Dienst­tä­tig­keit, die Depor­tier­ten zu über­wa­chen und Wider­stand oder Flucht­ver­su­che mit Waf­fen­ge­walt zu ver­hin­dern.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die auf die Bean­stan­dung der Ver­let­zung sach­li­chen Rechts und meh­re­re Ver­fah­rens­rü­gen gestütz­te Revi­si­on des Ange­klag­ten eben­so ver­wor­fen wie die Revi­sio­nen meh­re­rer Neben­klä­ger, die mit ihren Rechts­mit­teln eine Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten als Mit­tä­ter ange­strebt hat­ten; wei­te­re Neben­klä­ger­re­vi­sio­nen waren nicht in zuläs­si­ger Wei­se erho­ben und sind daher eben­falls ver­wor­fen wor­den. Das Urteil ist damit rechts­kräf­tig.

Ein Urteil, dass uns vor 50 Jah­ren gut ange­stan­den hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 20. Sep­tem­ber 2016 – – 3 StR 49/​16

  1. LG Lüne­burg, Urteil vom 15.07.2015 – 1191 Js 98402/​13 27 Ks 9/​14[]