Aus­set­zen eines frisch gebo­re­nen Säug­lings

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits zu § 221 StGB aF ent­schie­den, dass, wer den äuße­ren Tat­be­stand der Aus­set­zung mit wenn auch nur beding­tem Tötungs­vor­satz ver­wirk­licht, nur wegen voll­ende­ter oder ver­such­ter Tötung bestraft wer­den kann, nicht aber wegen Aus­set­zung 1.

Aus­set­zen eines frisch gebo­re­nen Säug­lings

Zur Begrün­dung hat er dar­auf abge­stellt, dass dem Aus­set­zungs­vor­satz des Gefähr­dungs­de­likts neben dem zugleich gege­be­nen Tötungs­vor­satz des Erfolgs­de­likts straf­recht­lich kei­ne eigen­stän­di­ge Bedeu­tung zukom­me 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof braucht aus Anlass des vor­lie­gen­den Fal­les nicht zu ent­schei­den, ob der Auf­fas­sung, zwi­schen einem ver­such­ten Tötungs­de­likt und dem Tat­be­stand der Aus­set­zung bestehe Geset­zes­kon­kur­renz, in die­ser All­ge­mein­heit zu fol­gen ist. Jeden­falls in Fäl­len, in denen – wie hier – die – mit direk­tem Vor­satz aus­ge­führ­te – ver­such­te Tötungs­hand­lung gera­de im Ver­brin­gen des Opfers in eine hilf­lo­se Lage im Sin­ne des § 221 StGB besteht (hier: das Able­gen des unbe­klei­de­ten, frisch­ge­bo­re­nen Säug­lings in einer Ein­kaufs­ta­sche auf einem schlecht ein­seh­ba­ren Beet nahe dem für Kraft­fahr­zeu­ge abge­sperr­ten Park­platz eines Elek­tro­mark­tes an einem Sonn­tag), ist an die­ser Recht­spre­chung fest­zu­hal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Sep­tem­ber 2016 – 4 StR 391/​16

  1. BGH, Urteil vom 27.03.1953 – 1 StR 689/​52, BGHSt 4, 113, 116[]
  2. BGH aaO; vgl. auch BGH, Urteil vom 24.10.1995 – 1 StR 465/​95, BGHR StGB § 221 Kon­kur­ren­zen 1; Beschluss vom 19.10.2011 – 1 StR 233/​11, BGHSt 57, 28, 31; eben­so SSW-StG­B/­Mom­sen, 2. Aufl., § 221 Rn. 17; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 221 Rn. 28; aA Eser in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 221 Rn. 18; ins­bes. zu § 221 Abs. 2 Nr. 1 StGB dif­fe­ren­zie­rend Münch­Komm-StG­B/Hard­tung, 2. Aufl., § 221 Rn. 50[]