Aus­wechs­lung des Pflicht­ver­tei­di­gers

Eine Aus­wechs­lung des Pflicht­ver­tei­di­gers ist bei all­sei­ti­gem Ein­ver­ständ­nis, dem Aus­schluss einer Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung und der Ver­mei­dung von Mehr­kos­ten grund­sätz­lich mög­lich. Der Ver­zicht des neu­en Ver­tei­di­gers auf Gel­tend­ma­chung der durch den Ver­tei­di­ger­wech­sel ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten ist zuläs­sig.

Aus­wechs­lung des Pflicht­ver­tei­di­gers

Auch wenn ine Ent­pflich­tung des bis­he­ri­gen Ver­tei­di­gers aus wich­ti­gem Grund nicht in Betracht kommt, weil die dazu erfor­der­li­che nach­hal­ti­ge und end­gül­ti­ge Erschüt­te­rung des Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen Anwalt und Man­dant1 nicht über­zeu­gend dar­ge­legt ist, kann nach all­ge­mei­ner Mei­nung eine Aus­wechs­lung des Pflicht­ver­tei­di­gers auch dann erfol­gen, wenn

  • der Ange­schul­dig­te und
  • bei­de Ver­tei­di­ger damit ein­ver­stan­den sind,
  • dadurch kei­ne Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung ein­tritt und
  • auch kei­ne Mehr­kos­ten ent­ste­hen2.

Nach­dem in dem hier ent­schie­de­nen Fall das Zustim­mungs­er­for­der­nis erfüllt ist und Rechts­an­walt S. gegen­über dem Gericht ver­bind­lich erklärt hat, für die Durch­füh­rung einer Haupt­ver­hand­lung – wie vom Gericht mit den übri­gen Ver­tei­di­gern abge­spro­chen – am 21. und 22.01.2016 zur Ver­fü­gung zu ste­hen, ist danach allein noch erheb­lich, ob Rechts­an­walt S. auf sei­nen Gebüh­ren­an­spruch in Höhe der bereits durch die Ver­tre­tung durch Rechts­an­walt M. ange­fal­le­nen Gebüh­ren ver­zich­ten darf und des­halb durch den Ver­tei­di­ger­wech­sel kei­ne Mehr­kos­ten ent­ste­hen.

Dies wird in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung teil­wei­se im Hin­blick auf § 49b Abs. 1 Satz 1 BRAO für unzu­läs­sig erach­tet3.

Dem wird jedoch zutref­fend ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass dem von § 49b BRAO ver­folg­ten Zweck, einen Preis­wett­be­werb um Man­da­te zu ver­hin­dern, in der vor­lie­gen­den Fall­kon­stel­la­ti­on aus­rei­chend dadurch begeg­net wird, dass ein Wech­sel nur bei Ein­ver­ständ­nis bei­der betei­lig­ter Anwäl­te mög­lich ist4.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2015 – 2 Ws 582/​15

  1. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl.2015, § 143 Rn. 5 m.w.N.
  2. OLG Bre­men NStZ 2014, 358; OLG Olden­burg NStZ-RR 2010, 210; OLG Frank­furt NStZ-RR 2008, 47; OLG Köln Stra­Fo 2008, 348 und StV 2011, 659; OLG Braun­schweig Stra­Fo 2008, 428; OLG Bam­berg NJW 2006, 1536; OLG Jena Jur­Bü­ro 2006, 366; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt a.a.O., § 143 Rn. 5a
  3. OLG Bre­men a.a.O.; OLG Köln a.a.O.; OLG Jena a.a.O.
  4. OLG Frank­furt a.a.O.; OLG Olden­burg a.a.O.; im Ergeb­nis auch OLG Braun­schweig a.a.O.; OLG Bam­berg a.a.O.