Baden-Württembergischer Resozialisierungsfonds für entlassene Straftäter

Würden alle Straftäter nach der Haft ein ehrliches Leben beginnen, wäre dem Opferschutz am meisten geholfen. Wer entlassen wird, hat aber oft noch keine Arbeit und wenig Geld, dafür aber erhebliche Schulden. Kreditwürdig sind die wenigsten. Die legale Geldbeschaffung ist also ein Problem, neue Straftaten drohen. Diesen Teufelskreis soll in Baden-Württemberg die im Jahr 1974 gegründete Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ beim Justizministerium Baden-Württemberg durchbrechen helfen.

Baden-Württembergischer Resozialisierungsfonds für entlassene Straftäter

Um entlassene Straftäter aus Baden-Württemberg in dieser Situation von weiteren Straftaten abzuhalten, gewährt ihnen der Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender zinslose Darlehen für einen schuldenfreien Neuanfang. Laufende Kosten wie Miete oder Kleidung dürften von dem geliehenen Geld nicht beglichen werden. „Die Kredite müssen ausschließlich zur Schuldentilgung eingesetzt werden und sind binnen fünf Jahren in Raten zurückzubezahlen.

Im Jahr 2009 hat der Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender insgesamt 162 Darlehen mit einem Volumen von knapp 460.000 € bewilligt. Mit dieser Darlehenssumme konnten 894 Gläubigerforderungen in Höhe von rund 2,15 Mio. € abgelöst werden. Dank der Darlehenshilfe haben die Gläubiger im Durchschnitt immerhin mehr als ein Fünftel ihrer Ausgangsforderungen gegenüber ehemaligen Gefangenen realisieren können. Von der hierbei erzielten Sanierungsquote von 21,43% können Gläubiger im Insolvenzverfahren nur träumen – und ihren Schuldnern bleibt ein Insolvenzverfahren erspart.

Die Stiftung bemüht sich um einen best möglichen Interessenausgleich zwischen dem Schuldner und den Gläubigern, führt mit den Gläubigern die Vergleichsverhandlungen, schließt außergerichtliche Vergleiche und zahlt schließlich den Vergleichsbetrag direkt an den Gläubiger. In Fällen, in denen ein gerichtlich festgestellter Schmerzensgeldanspruch besteht, bemüht sich die Stiftung in der Regel auch um eine möglichst ungekürzte Erfüllung des Schmerzensgeldanspruchs.

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In ihrer nun 35-jährigen Tätigkeit hat die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender Darlehen im Gesamtvolumen von über 21,5 Mio. € zur Schuldentilgung ausgezahlt. Davon waren am 31. Dezember 2009 rund 18,7 Millionen € (86,6%) wieder an die Stiftung zurückgeflossen. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnten bis zum Stichtag 31. Dezember 2009 insgesamt 21.222 Gläubigerforderungen in Höhe von zusammen 92,3 Mio. € abgelöst werden. Das entspricht einer Gesamtsanierungsquote von 23,31%. Durchschnittlich erhielt jeder Darlehensnehmer 6.208 €. Die einzelne Schuldenlast eines Entlassenen lag vor der Sanierung im Schnitt bei 26.629 €.

Auch die Rückzahlung erfolgt überwiegend pünktlich, unter anderem wohl auch wegen eines entsprechenden Engagements der baden-württembergischen Bewährungshelfer.
Für viele Straffällige ist es eine völlig neue Erfahrung, dass ihnen durch die Darlehensgewährung Vertrauen entgegengebracht wird. Der Vertrauensvorschuss führt dazu, dass der überwiegende Teil der Darlehensnehmer die vereinbarten Tilgungsraten pünktlich zahle und die Tilgung des Darlehens trotz geringer Einkommen Vorrang habe. Ernsthafte Schwierigkeiten bei der Tilgung treten meist dann auf, wenn der Arbeitsplatz verloren geht. Dann müssen die Raten ermäßigt oder vorübergehend gestundet werden.

Häufig gelingt es durch die Darlehen auch, den unschuldig in finanzielle Not geratenen Ehegatten und Kindern der Straffälligen zu helfen, die drohende Mittellosigkeit der Familie und die damit verbundenen sozialen Folgen abzuwenden. Die Stiftung leistet mit ihrer Arbeit nicht nur einen deutlichen Beitrag zur Vermeidung von Rückfallkriminalität. Ohne die Hilfen durch den Resozialisierungsfonds wäre auch die Wiedergutmachung der durch die Straftaten eingetretenen Schäden in vielen Fällen nicht möglich.

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Dr. Traugott Bender war Justizminister in Baden-Württemberg von 1972-1977. Die 1974 nach seinem Namen gegründete Stiftung gewährt Straffälligen im Rahmen individueller Sanierungskonzepte zinslose Darlehen, um ihnen einen schuldenfreien Neuanfang in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen und damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Der Resozialisierungsfonds unterstützt hauptsächlich die Personen, denen angesichts ihrer hohen Verschuldung und ihres Lebenslaufes keine anderweitigen Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Schuldensanierung zur Verfügung stehen. Für den laufenden Lebensbedarf nach der Entlassung aus der Haft, etwa für Miete, Kleidung oder Neuanschaffung von Möbeln, und für erst künftig entstehende Verbindlichkeiten, etwa zur Gründung einer selbstständigen Existenz oder für die Kosten eines Führerscheinerwerbs, werden die Darlehen nicht gewährt.

Ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung der Stiftungsaufgaben sind die Einnahmen aus zugewiesenen Geldauflagen durch die Justiz.

Weitere Informationen finden sich auf der Internet-Site der Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender.