Ban­den­dieb­stahl

Wegen schwe­ren Ban­den­dieb­stahls gemäß § 244a Abs. 1 StGB macht sich straf­bar, wer als Mit­glied einer Ban­de, die sich zur fort­ge­setz­ten Bege­hung von Dieb­stäh­len ver­bun­den hat, unter Mit­wir­kung eines ande­ren Ban­den­mit­glieds einen Dieb­stahl der in § 243 Abs. 1 Satz 2 StGB genann­ten Art begeht.

Ban­den­dieb­stahl

Eine Ban­de in die­sem Sin­ne setzt den Zusam­men­schluss von min­des­tens drei Per­so­nen mit dem Wil­len vor­aus, künf­tig für eine gewis­se Dau­er meh­re­re selbst­stän­di­ge, im Ein­zel­nen noch unge­wis­se Dieb­stäh­le zu bege­hen 1. Nicht erfor­der­lich ist die gegen­sei­ti­ge ver­bind­li­che Ver­pflich­tung zur Bege­hung bestimm­ter Delik­te; es genügt viel­mehr auch die Über­ein­kunft, in Zukunft sich erge­ben­de güns­ti­ge Gele­gen­hei­ten zu gemein­sa­mer Tat­be­ge­hung zu nut­zen 2.

Ob jemand Mit­glied einer Ban­de ist, bestimmt sich nach der delik­ti­schen Ver­ein­ba­rung, der so genann­ten Ban­den­ab­re­de. Sie setzt den Wil­len vor­aus, sich mit ande­ren zu ver­bin­den, um künf­tig für eine gewis­se Dau­er meh­re­re selbst­stän­di­ge, im Ein­zel­nen noch unge­wis­se Straf­ta­ten des im Gesetz genann­ten Delikts­ty­pus zu bege­hen 3. Sie bedarf kei­ner aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung; die Ban­den­ab­re­de kann auch durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten zustan­de kom­men 4. Das Vor­lie­gen einer Ban­den­ab­re­de kann daher auch aus dem kon­kret fest­stell­ba­ren, wie­der­hol­ten delik­ti­schen Zusam­men­wir­ken meh­re­rer Per­so­nen her­ge­lei­tet wer­den 5.

Haben sich die Täter jedoch von vorn­her­ein nur zur Bege­hung einer ein­zi­gen Tat ver­ab­re­det und in der Fol­ge­zeit – auf der Grund­la­ge eines jeweils neu gefass­ten Tatent­schlus­ses – wei­te­re Straf­ta­ten began­gen, so fehlt es an der erfor­der­li­chen Ban­den­ab­re­de 6.

In Grenz­fäl­len kann die Abgren­zung zwi­schen einer auf einer kon­klu­dent getrof­fe­nen Ban­den­ab­re­de beru­hen­den Band­en­tat und blo­ßer Mit­tä­ter­schaft schwie­rig sein. Erfor­der­lich ist in die­sen Fäl­len eine sorg­fäl­ti­ge und umfas­sen­de Wür­di­gung aller im kon­kre­ten Ein­zel­fall für und gegen eine Ban­den­ab­re­de spre­chen­den Umstän­de 7. Der Tatrich­ter muss sich ins­be­son­de­re bewusst sein, dass ein Rück­schluss von dem tat­säch­li­chen delik­ti­schen Zusam­men­wir­ken auf eine kon­klu­den­te Ban­den­ab­re­de für sich genom­men zu kurz grei­fen kann 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juli 2015 – 2 StR 441/​14

  1. BGH, Beschluss vom 22.03.2001 – GSSt 1/​00, BGHSt 46, 321, 325; BGH, Urteil vom 16.06.2005 – 3 StR 492/​04, BGHSt 50, 160; BGH, Beschluss vom 10.12 2012 – 2 StR 120/​12, StV 2013, 508, 509[]
  2. BGH, Urteil vom 21.12 2007 – 2 StR 372/​07, NStZ 2009, 35, 36[]
  3. BGH, Urteil vom 16.06.2006 – 3 StR 492/​04, BGHSt 50, 160, 161[]
  4. BGH, Urteil vom 16.06.2005 – 3 StR 492/​04, BGHSt 50, 160, 162[]
  5. BGH, Urteil vom 21.12 2007 – 2 StR 372/​07, NStZ 2009, 35, 36; BGHSt 50, 160, 162[]
  6. BGH, aaO, NStZ 2009, 35, 36; Beschluss vom 10.10.2012 – 2 StR 120/​12, StV 2013, 508, 509[]
  7. BGH, aaO StV 2013, 508, 509 f.[]
  8. vgl. BGH, aaO, StV 2013, 508, 510[]