Ban­den­dieb­stahl – und der Beginn des Ver­suchs

Der Ver­such einer straf­ba­ren Hand­lung liegt gemäß § 22 StGB vor, wenn der Täter nach sei­ner Vor­stel­lung von der Tat zur Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands unmit­tel­bar ansetzt.

Ban­den­dieb­stahl – und der Beginn des Ver­suchs

Dies ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung nicht erst der Fall, wenn der Täter ein Tat­be­stands­merk­mal ver­wirk­licht, son­dern schon dann, wenn er Hand­lun­gen vor­nimmt, die nach sei­nem Tat­plan der Erfül­lung eines Tat­be­stands­merk­mals vor­ge­la­gert sind und in die Tat­be­stands­hand­lung unmit­tel­bar ein­mün­den.

Das Ver­suchs­sta­di­um erstreckt sich dem­entspre­chend auf Hand­lun­gen, die im unge­stör­ten Fort­gang unmit­tel­bar zur Tat­be­stands­er­fül­lung füh­ren sol­len oder die im unmit­tel­ba­ren räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang mit ihr ste­hen; der Täter muss sub­jek­tiv die Schwel­le zum "jetzt geht es los" über­schrei­ten und objek­tiv zur tat­be­stands­mä­ßi­gen Angriffs­hand­lung anset­zen, so dass sein Tun ohne Zwi­schen­ak­te in die Tat­be­stands­er­fül­lung über­geht 1.

An die­sen Vor­aus­set­zun­gen fehlt es, wenn zwar bereits wich­ti­ge Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen aus­ge­führt wur­den, jedoch die Maß­nah­men noch nicht so weit gedie­hen waren, dass ihr Tun ohne wei­te­re Zwi­schen­ak­te unmit­tel­bar in die Ver­wirk­li­chung des Straf­tat­be­stan­des des § 244a StGB hät­te ein­mün­den kön­nen.

So auch in den bei­den hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fäl­len: Bei Tat 1 setz­te die Aus­füh­rung des Dieb­stahls vor­aus, dass der Zeu­ge Kn. die Sicher­heits­ket­te abneh­men, die Tür öff­nen, die bei­den Ange­klag­ten ein­las­sen und sich vom Ange­klag­ten D. ablen­ken las­sen wür­de. Erst dann hät­ten die ande­ren Täter die Woh­nung durch­su­chen und Gegen­stän­de ent­wen­den kön­nen. Damit soll­te ihr Tun noch nicht unmit­tel­bar in Weg­nah­me­hand­lun­gen ein­mün­den 2.

Soweit sich die Straf­kam­mer für ihren gegen­tei­li­gen Stand­punkt auf Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs stützt, in denen bereits das Klin­geln an der Tür als Ver­suchs­be­ginn ange­se­hen wur­de 3, sind die­se auf den vor­lie­gen­den Fall nicht über­trag­bar. Sie betref­fen Raub­de­lik­te, bei denen der Täter nach dem Öff­nen der Tür sofort Gewalt­hand­lun­gen gegen das Opfer voll­füh­ren woll­te und damit – anders als vor­lie­gend – bereits ein Tat­be­stands­merk­mal des § 249 StGB erfüllt hät­te.

Ent­spre­chen­des gilt für Tat 2. In Bezug auf den Dieb­stahl von Gegen­stän­den aus der Woh­nung des aus­ge­wähl­ten Tat­op­fers hät­ten die Ange­klag­ten die­se noch auf­su­chen und öff­nen müs­sen 4. Aller­dings käme die Ver­wirk­li­chung des § 244a StGB auch hin­sicht­lich des Woh­nungs­schlüs­sels selbst in Betracht, wobei inso­weit der Ver­suchs­be­ginn nicht zwei­fel­haft erschie­ne 5. Jedoch kann den Fest­stel­lun­gen nicht ent­nom­men wer­den, ob die Ange­klag­ten den Eigen­tü­mer inso­weit dau­ernd ent­eig­nen woll­ten, also mit Zueig­nungs­ab­sicht han­del­ten. Dies ver­steht sich nach Lage des Fal­les auch nicht von selbst. Denn es liegt im Bereich des nicht nur denk­theo­re­tisch Mög­li­chen, dass die Ange­klag­ten etwa den für sie nach Gebrauch wert­lo­sen Woh­nungs­schlüs­sel in der Woh­nung zurück­zu­las­sen beab­sich­tig­ten.

Die Ban­den­mit­glie­der haben sich im vor­lie­gen­den Fall durch die­se durch bei­de Taten jedoch jeweils einer Ver­ab­re­dung des Ver­bre­chens des schwe­ren Ban­den­dieb­stahls gemäß §§ 244a, 30 Abs. 2 StGB straf­bar gemacht. Straf­frei­heit nach § 31 StGB schei­det aus. Nach den Fest­stel­lun­gen haben die Ange­klag­ten die Aus­füh­rung der Taten weder frei­wil­lig auf­ge­ge­ben noch sich frei­wil­lig dar­um bemüht, die Tat zu ver­hin­dern. Sie gaben ihren Plan – unfrei­wil­lig – erst auf, als sie ihn für geschei­tert hiel­ten, nach­dem der Geschä­dig­te im Fall 1 sei­ne Woh­nung nicht ver­las­sen und das aus­ge­wähl­te Tat­op­fer im Fall 2 die Ange­klag­te J. G. von sich weg­ge­sto­ßen hat­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Mai 2018 – 5 StR 108/​18

  1. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 16.09.1975 – 1 StR 264/​75, BGHSt 26, 201, 202 f.; vom 26.10.1978 – 4 StR 429/​78, BGHSt 28, 162, 163; Beschluss vom 14.03.2001 – 3 StR 48/​01, NStZ 2001, 415, 416 mwN[]
  2. vgl. schon RG JW 1926, 2753; sie­he auch BGH, Urteil vom 06.10.1977 – 4 StR 404/​77; Beschluss vom 14.03.2001 – 3 StR 48/​01, aaO, jeweils mwN[]
  3. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 16.09.1975 – 1 StR 264/​75, aaO, S.203 f.; vom 11.07.1984 – 2 StR 249/​84, NStZ 1984, 506 mwN[]
  4. vgl. zum Ver­suchs­be­ginn bei der Beschaf­fung von [Nach]Schlüsseln z.B. BGH, Urteil vom 26.10.1978 – 4 StR 429/​78, aaO, S. 163 f.; Beschluss vom 24.05.1991 – 5 StR 4/​91, BGHR StGB § 22 Anset­zen 14[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.1957 – 5 StR 299/​57, GA 1958, 191[]