Ban­den­mä­ßi­ge Schleu­ser­tä­tig­keit

Der Umstand, dass meh­re­re an der Schleu­sung betei­lig­ten Per­so­nen ban­den­mä­ßig ver­bun­den war, begrün­de­te für sich noch nicht ihre Straf­bar­keit bezüg­lich der spä­te­ren Ein­rei­se­de­lik­te der geschleus­ten Aus­län­der.

Ban­den­mä­ßi­ge Schleu­ser­tä­tig­keit

Denn die Ban­den­ab­re­de lässt die all­ge­mei­nen Regeln über die Tat­be­tei­li­gung unbe­rührt, so dass die Ban­den­mit­glied­schaft und die Betei­li­gung an Band­en­ta­ten unab­hän­gig von­ein­an­der zu beur­tei­len sind1.

Im Ein­zel­fall kann zwar schon die all­ge­mei­ne, im Rah­men der Ban­den­ab­re­de erteil­te Zusa­ge, bei spä­te­ren (Durch)Schleusungen mit­zu­wir­ken, eine die kon­kre­te Tat­aus­füh­rung för­dern­de psy­chi­sche Bei­hil­fe dar­stel­len2. Jedoch setzt dies vor­aus, dass die im Vor­feld getä­tig­te all­ge­mei­ne Unter­stüt­zungs­zu­sa­ge die Täter bei der spä­te­ren Tat psy­chisch in ihrem Vor­ha­ben bestärk­te, die Tat­hand­lung oder den Erfolgs­ein­tritt min­des­tens erleich­ter­te oder för­der­te und auch die sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen bei dem Gehil­fen vor­lie­gen3. Dabei genügt es nach den Grund­sät­zen zur sog. Ket­ten­bei­hil­fe zwar für die Tat­be­stands­er­fül­lung des § 96 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG, wenn sich die Unter­stüt­zungs­hand­lung auf die För­de­rung der Hil­fe­leis­tung eines ande­ren Schleu­sers (§ 96 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG) oder Gehil­fen (§ 95 Abs. 1 Nr. 3 oder Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a Auf­en­thG, § 27 StGB) beschränkt4. In jedem Fall bedarf die Annah­me einer psy­chi­schen Bei­hil­fe aber genau­er Fest­stel­lun­gen – ins­be­son­de­re auch zur för­dern­den Funk­ti­on – im Urteil5.

Gemes­sen hier­an trägt ein Schluss auf eine im Vor­feld der Schleu­sungs­de­lik­te geleis­te­te psy­chi­sche Bei­hil­fe nicht, wenn kon­kre­te Fest­stel­lun­gen zu einer all­ge­mei­nen oder kon­kre­ten, sich auf bestimm­te Schleu­sun­gen bezie­hen­den Zusi­che­rung spä­te­ren Tätig­wer­dens feh­len. Die­se folgt ins­be­son­de­re noch nicht ohne Wei­te­res dar­aus, dass die Ange­klag­te bereits vor den abge­ur­teil­ten Taten mit eini­gen Betei­lig­ten zusam­men­ge­wirkt hat­te und sie jeder­zeit zur Betreu­ung der ein­ge­reis­ten Aus­län­der bereit war. Über­dies hät­te es nähe­rer Dar­le­gung bedurft, inwie­weit sich eine (all­ge­mei­ne) Unter­stüt­zungs­zu­sa­ge för­dernd auf die spä­te­ren Durch­schleu­sun­gen aus­ge­wirkt hat. Ange­sichts der Grö­ße der Orga­ni­sa­ti­on und dem Umstand, dass neben den Ange­klag­ten noch wei­te­re Hel­fer in Deutsch­land aktiv waren, ver­steht sich dies nicht von selbst.

Haben bei einer durch meh­re­re Per­so­nen began­ge­nen Delikts­se­rie ein­zel­ne Ange­klag­te einen Tat­bei­trag zum Auf­bau oder zur Auf­recht­erhal­tung einer auf die Bege­hung von Straf­ta­ten aus­ge­rich­te­ten Infra­struk­tur erbracht, so sind die Ein­zel­ta­ten der Mit­tä­ter zu einem sog. unei­gent­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt zusam­men­zu­fas­sen, durch wel­ches die Ein­zel­hand­lun­gen recht­lich ver­bun­den und die auf der Grund­la­ge die­ser Infra­struk­tur began­ge­nen Straf­ta­ten für die im Hin­ter­grund Täti­gen zu einer ein­heit­li­chen Tat im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB zusam­men­ge­führt wer­den6. Von die­ser Hand­lungs­ein­heit aus­ge­nom­men sind die­je­ni­gen Ein­zel­de­lik­te, an denen der Täter indi­vi­du­ell mit­wirkt; die­se sind ihm tat­mehr­heit­lich zuzu­rech­nen7.

Von einer ein­heit­li­chen För­de­rung der Ein­rei­se­de­lik­te ist dabei nicht nur im Fal­le von Bei­trä­gen zum unei­gent­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt aus­zu­ge­hen, son­dern auch dann, wenn sich „ledig­lich” die Vor­aus­set­zun­gen einer psy­chi­schen Bei­hil­fe auf­grund einer all­ge­mei­nen Unter­stüt­zungs­zu­sa­ge hin­sicht­lich der spä­te­ren Schleu­sungs­de­lik­te fest­stel­len las­sen soll­ten8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Mai 2016 – 3 StR 358/​15

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 24.07.2008 – 3 StR 243/​08 7; vom 01.02.2011 – 3 StR 432/​10, NStZ 2011, 637
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2011 – 3 StR 432/​10, NStZ 2011, 637; vom 13.03.2013 – 2 StR 586/​12, NJW 2013, 2211, 2212
  3. BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2011 – 3 StR 432/​10, aaO; vom 13.03.2013 – 2 StR 586/​12, aaO
  4. BGH, Beschluss vom 06.06.2012 – 4 StR 144/​12, NJW 2012, 2821, 2822 mwN
  5. BGH, Beschlüs­se vom 06.07.2010 – 3 StR 12/​10 2; vom 25.10.2011 – 3 StR 206/​11, NStZ 2012, 316; vom 24.03.2014 – 5 StR 2/​14, NStZ 2014, 351, 352
  6. BGH, Beschluss vom 19.04.2011 – 3 StR 230/​10, NStZ 2011, 577, 578; Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 184; Beschluss vom 21.12 1995 – 5 StR 392/​95, NStZ 1996, 296 f.; Beschluss vom 26.08.2003 – 5 StR 145/​03, BGHSt 48, 331, 342 f.
  7. vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 10.05.2001 – 3 StR 52/​01, wis­tra 2001, 336, 337; vom 14.10.2014 – 3 StR 365/​14, NStZ 2015, 334
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2013 – 2 StR 586/​12, NJW 2013, 2211, 2212