Ban­den­mä­ßi­ger Betrug – und die Abho­lung der Beu­te beim Opfer

Mit­tä­ter­schaft ist gege­ben, wenn ein Tat­be­tei­lig­ter mit sei­nem Bei­trag nicht bloß frem­des tat­be­stands­ver­wirk­li­chen­des Tun för­dern will, son­dern die­ser Bei­trag im Sin­ne arbeits­tei­li­gen Vor­ge­hens Teil einer gemein­schaft­li­chen Tätig­keit sein soll. Dabei muss der Betei­lig­te sei­nen Bei­trag als Teil der Tätig­keit des ande­ren und umge­kehrt des­sen Tun als Ergän­zung sei­nes eige­nen Tat­an­teils wol­len.

Ban­den­mä­ßi­ger Betrug – und die Abho­lung der Beu­te beim Opfer

Der gemein­schaft­li­che Tatent­schluss kann durch aus­drück­li­che oder auch durch kon­klu­den­te Hand­lun­gen gefasst wer­den.

Ob ein Betei­lig­ter ein der­art enges Ver­hält­nis zur Tat hat, ist nach den gesam­ten Umstän­den, die von sei­ner Vor­stel­lung umfasst sind, in wer­ten­der Betrach­tung zu beur­tei­len. Wesent­li­che Anhalts­punk­te für die­se Beur­tei­lung kön­nen der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Erfolg der Tat, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le hier­zu sein, so dass Durch­füh­rung und Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen 1.

Bei Berück­sich­ti­gung die­ser Anfor­de­run­gen wies im hier ent­schie­de­nen Fall die Ver­ur­tei­lung des Abho­len­den als Mit­tä­ter eines Betru­ges für den Bun­des­ge­richts­hof kei­ne Rechts­feh­ler auf. Selbst ohne aus­drück­li­che Erwä­gun­gen des Land­ge­richts zu einem gemein­sa­men Tatent­schluss wenigs­tens mit dem als Poli­zei­be­am­ten gegen­über der Geschä­dig­ten auf­tre­ten­den Tat­be­tei­lig­ten tra­gen die fest­ge­stell­ten Umstän­de den ent­spre­chen­den Schuld­spruch. Dem Tat­bei­trag des Abho­len­den kam in objek­ti­ver Hin­sicht er- sicht­lich erheb­li­che Bedeu­tung zu. Denn durch die von ihm vor­ge­nom­me­ne Abho­lung des Bar­gel­des und der Uhren ist der Ver­mö­gens­scha­den der Geschä­dig­ten ein­ge­tre­ten, mit­hin der Sach­be­trug voll­endet wor­den. Durch den nach­fol­gen­den Abtrans­port sowie die zeit­wei­li­ge Auf­be­wah­rung durch ihn in sei­ner Woh­nung und die über einen Mit­tä­ter rfolg­te Wei­ter­ga­be an ande- re Tat­be­tei­lig­te hat der Abho­len­de zudem den Ein­tritt des end- gül­ti­gen Ver­mö­gens­vor­teils bewirkt und so die Been­di­gung der Tat her­bei­ge­führt 2. Die unmit­tel­bar nach der Wei­ter­ga­be der Beu­te erhal­te­ne finan­zi­el­le Betei­li­gung in Höhe von wenigs­tens 1.000 Euro lässt ange­sichts der sons­ti­gen fest­ge­stell­ten Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se auch ein Tat­in­ter­es­se des Ange­klag­ten erken­nen. In der Gesamt­schau von Fest­stel­lun­gen und zugrun­de lie­gen­der Beweis­wür­di­gung bil­den vor allem die Erkennt­nis­se über die Benach­rich­ti­gung des Ange­klag­ten durch einen wei­te­ren Tat­be­tei­lig­ten, die ins­ge­samt acht­zehn Tele­fo­na­te mit die­sem so- wie vier Tele­fo­na­te mit wei­te­ren Tat­be­tei­lig­ten in dem kur­zen Zeit­raum des Zugriffs auf die Beu­te im Pkw der Geschä­dig­ten eine trag­fä­hi­ge Grund­la­ge für das Vor­lie­gen eines zumin­dest kon­klu­dent gefass­ten gemein­sa­men Tatent­schlus­ses, der auch die Bege­hung eines Betru­ges umfass­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Mai 2018 – 1 StR 651/​17

  1. st. Rspr.; etwa BGH, Beschlüs­se vom 21.11.2011 – 1 StR 491/​17, NStZ-RR 2018, 105 Rn. 9; und vom 28.11.2011 – 3 StR 466/​17, Rn. 11 jeweils mwN[]
  2. zu den Anfor­de­run­gen an die Been­di­gung sie­he nur BGH, Beschluss vom 16.04.2014 – 2 StR 435/​13, NStZ 2014, 516 f.[]