Ban­den­mit­glie­der – und die Zurech­nung ein­zel­ner Taten

Schlie­ßen sich meh­re­re Täter zu einer Ban­de zusam­men, so hat dies nicht zur Fol­ge, dass jede von einem Ban­den­mit­glied began­ge­ne Tat einem ande­ren Ban­den­mit­glied ohne wei­te­res als gemein­schaft­lich began­ge­ne Tat im Sin­ne des § 25 Abs. 2 StGB zuge­rech­net wer­den kann.

Ban­den­mit­glie­der – und die Zurech­nung ein­zel­ner Taten

Die Fra­ge, ob die Betei­li­gung als Mit­tä­ter­schaft oder Bei­hil­fe zu wer­ten ist, beur­teilt sich viel­mehr nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen1.

Danach ist Mit­tä­ter im Sin­ne von § 25 Abs. 2 StGB, wer einen eige­nen Tat­bei­trag leis­tet und die­sen so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Zwar kann für die Ein­ord­nung als Mit­tä­ter­schaft ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag aus­rei­chen, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt. Stets muss sich die objek­tiv aus einem wesent­li­chen Tat­bei­trag bestehen­de Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len2.

Die Tat­bei­trä­ge eines Ban­den­mit­glieds kön­nen daher nicht wesent­lich dar­an fest­ge­macht wer­den, dass er „voll­wer­ti­ges Ban­den­mit­glied” war und seit „jeher in die Ban­den­struk­tur” ein­ge­bun­den war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. März 2017 – 1 StR 451/​16

  1. BGH, Beschluss vom 19.01.2012 – 2 StR 590/​11, NStZ 2012, 517
  2. BGH, Urtei­le vom 30.06.2005 – 5 StR 12/​05, NStZ 2006, 44; und vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, BGHSt 58, 218; Beschlüs­se vom 14.07.2016 – 3 StR 129/​16, Stra­Fo 2016, 392; und vom 20.10.2016 – 3 StR 321/​16